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Frankreich-Wahl Ein Ex-Trotzkist mischt den Wahlkampf auf

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Gar nicht so unterschiedlich

Front de Gauche Quelle: dpa

Man könnte dieses Maßnahmenpaket für ein linkes Wolkenkuckucksheim halten, das sich nie in der Realität beweisen muss. Und vieles wird tatsächlich nach dem ersten Wahlgang am 22. April kaum mehr eine Rolle in der öffentlichen Diskussion spielen. Aber einige Vorschläge, wenn auch in abgeschwächter Form, könnten durchaus bei der Stichwahl am 6. Mai wichtig werden, wenn François Hollande um die Stimmen der linken Wähler buhlt.

Schon jetzt schielt Hollande an den linken Rand: Sein Vorschlag alle Einkommen über einer Millionen Euro mit einem Steuersatz von 75 Prozent zu belegen, hätte auch vom Kandidaten der Linksfront kommen können, ebenso wie Hollandes Spruch „ich mag die Reichen nicht“. Hinzu kommt, dass auch Hollande den europäischen Fiskalpakt neu verhandeln will. Kein Wunder, dass Arnaud Montebourg, ein bekannter französischer Globalisierungskritiker, den Hollande vor zwei Wochen in sein Wahlkampf-Team holte, die Programme der beiden Kandidaten „als gar nicht so unterschiedlich“ bezeichnet.

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Notfalls für Hollande

Offiziell hält Hollande den Aufstieg des Rivalen „nicht für eine Bedrohung“ und will von einer Angleichung der Programme nichts wissen. Er setzt darauf, dass ihn im zweiten Wahlgang laut Umfragen 82 Prozent von Mélenchons Wählern ohnehin gegen Nicolas Sarkozy unterstützen. Selbst der Kandidat der Linksfront hat angekündigt, in der Stichwahl für Hollande zu stimmen. Das allerdings tut er nicht nur aus Solidarität mit dem Genossen. Denn ist die Linksfront auch bei den Parlamentswahlen im Juni stark, könnte Hollande im Gegenzug einige Abgeordnete der Kommunisten und der Linkspartei als Minister berufen. Was von den Vorschlägen Mélenchons dann in der Tagespolitik ankommt, bleibt abzuwarten. Auf was er hinarbeitet, ist dagegen jetzt schon klar: ein tiefrotes Frankreich.

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