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Frankreich-Wahl Ein Ex-Trotzkist mischt den Wahlkampf auf

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Rot als Modefarbe

François Hollande Quelle: REUTERS

Warum der 60-jährige Mélenchon, der mit 35 Jahren schon Staatsekretär und bis 2008 noch Mitglied der Sozialistischen Partei war, so erfolgreich ist, zeigte die Zusammensetzung seines Publikums: So tanzte neben grauhaarigen Gewerkschaftsfunktionären die Jugendabteilung der Kommunistischen Partei mit Che-Guevara-Flaggen zu Hiphop-Musik. Neben Kaviarlinken mit dicken Pelzkragen und feinen Lederschuhen standen Umweltbewegte mit Latzhosen und Anti-Atomkraft-Schildern. Und auch Familien mit Kinderwägen und kapitalismuskritische Studenten mit Occupy-Masken wollten den Redner hören.

Mélenchon ist seit Jahren der erste Präsidentschaftskandidat der extremen Linken, der alle Strömungen dieser politischen Richtung zusammenführt. Aber es sind eben nicht nur Altlinke, die sich für ihn begeistern, sondern auch die von der Politik der großen Parteien Enttäuschten – sie alle vereint das Gefühl, dass mit der Finanzkrise, dem Atomgau von Fukushima und dem Klimawandel der Kapitalismus aus dem Ruder gelaufen ist.

Inhaltlich hörten sie von Mélenchon wenig in der mit zwanzig Minuten recht kurzen Rede, die sich in historischen Anspielungen der verschiedenen französischen Revolutionen verlor. Am meisten Begeisterung rief noch seine Aufforderung hervor einen „Bürgeraufstand“ anzuzetteln und „Rot zur Modefarbe des Frühlings zu machen“.

Radikalkur für Europa

Mehr Aufschluss darüber, wie der rote Volkstribun wirklich tickt, gibt ein Blick in sein Programm: Dort plädiert er unter anderem für eine Erhöhung des Mindestlohns auf 1700 Euro und für eine Obergrenze bei Gehältern und Unternehmensgewinnen. „Alles über 360.000 Euro im Jahr nehme ich“, verspricht er. Außerdem will er Spekulationsgeschäfte auf den Finanzmärkten verbieten und Angestellten ein Veto gegen Entlassungen in ihren Unternehmen übertragen. Unternehmen, die als Kollektiv von den Arbeitern geführt werden, erhalten Vorrang bei öffentlichen Aufträgen.

Mélenchon will zudem die Mieten senken und den Bürgern eine Grundmenge an Wasser, Gas und Strom kostenlos zur Verfügung stellen. Eine Bürgerbefragung soll zudem über den Ausstieg aus der Atomkraft entscheiden.

Auch für Europa sieht er eine Radikalkur vor: Die Bolkestein-Direktive, die freie Arbeitsplatzwahl in Europa garantiert, wird ausgesetzt und der freie Handel innerhalb Europas beendet. Dabei wundert es nicht, dass der Revoluzzer die europäische Schuldenbremse in Form des Fiskalpaktes ablehnt, denn seine Ideen würden ein riesiges Bilanzloch in Frankreichs Haushalt reißen – trotz Superbesteuerung der Besserverdienenden und Unternehmen.

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