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Freytags-Frage

Wird Europa dank Trump wieder groß?

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Die Vorteile einer Vereinbarung

Im Anschluss an die Ankündigung und die ersten glaubwürdigen Schritte in Form von einseitiger Liberalisierung könnten Deutschland und Frankreich zu einer Konferenz aller Regierungschefs der Welthandelsorganisation (WTO) einladen, auf der wesentliche Schritte zu einer weiteren multilateralen Liberalisierungsrunde eingeleitet würden, die weit über den Agrarhandel hinausgingen. Idealerweise würde noch auf der Konferenz eine Vereinbarung getroffen werden.

Eine solche Vereinbarung hätte mehrere Vorteile: Es würden konkrete Maßnahmen gegen das Flüchtlingsproblem ergriffen. Von einer Öffnung der Agrarmärkte in der westlichen Welt darf man sich signifikante Produktivitätssteigerungen in der Landwirtschaft der Entwicklungsländer versprechen, die zu Spillovers in anderen Sektoren führen könnten. Damit würde zumindest mittelfristig der Wanderungsdruck für gut ausgebildete junge Menschen aus Afrika sinken. Zudem würden die Entwicklungsländer, vor allem in Afrika, dann als Märkte für europäische Unternehmen interessant.

Darüber hinaus zeigten die Europäer dem US-Präsidenten damit, dass sie „auch stark“ sind. (Eine andere Sprache als diejenige Halbwüchsiger scheint der Präsident nicht zu verstehen.) Das Betteln der europäischen Handelspolitiker in den letzten Tagen darum, eine Ausnahme bei den Zöllen zu erhalten, ist nicht nur auf unerträgliche Weise untertänig und weinerlich, sondern auch nicht zielführend. Die Asiaten, die gerade die transpazifische Vereinbarung (TPP) ohne die USA unterschrieben haben, zeigen, wie man mit dem Präsidenten umzugehen hat.

Letztlich würden sich Merkel und Macron als große Europäer beweisen, was sie mit einer Haftungsunion innerhalb der Eurozone garantiert nicht schaffen würden. Wären die Vereinigten Staaten unter Präsident Trump nicht bereit, sich an dieser Konferenz und Verhandlungsrunde zu beteiligen, wäre das kein Problem. In der Runde könnte man sich auf plurilaterale Ergebnisse einigen, die für diejenigen, die nicht mitmachen wollten, nicht gelten würden. Kehren die USA, zum Beispiel unter einem neuen Präsidenten, an den Verhandlungstisch zurück, wäre es ein Leichtes, sie zu integrieren.

Die neue Bundesregierung hat die Chance, ihre Kritiker, die ihr Mutlosigkeit vorwerfen, Lügen zu strafen und den großen Wurf zu wagen. Vielleicht sorgt Präsident Trump ja – ohne es zu wollen – dafür, dass die Welt doch wieder besser wird. Angela Merkel und Emmanuel Macron müssen die Chance nur nutzen.

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