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Freytags-Frage

Wie hängen Wohlstand, Terror und Flucht zusammen?

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Warum wir eine internationale wachstumsorientierte Agenda brauchen

  • Mit verstärkter Integration wird somit das Fluchtmotiv gesenkt. Wird auch der Terror effektiv bekämpft? Die Antwort ist ein Ja, aber! Denn kurzfristig dürften den Terroristen des IS die Vorteile der Arbeitsteilung nicht einleuchten. Deshalb kann Integration kurzfristig nicht helfen. Im Gegenteil, möglicherweise müssen die Grenzen stärker überwacht werden, so dass weniger Außenhandel und weniger Migration die Folge sind. So lassen sich auch die Finanzströme des IS effektiver austrocknen, was für die unmittelbare Terrorbekämpfung nicht viel nützt, aber sicherlich die Schlagkraft der IS-Kämpfer dauerhaft reduziert.

  • Konkret auf den IS bezogen wird die westliche Welt kaum darum herumkommen, die Organisation in einem bewaffneten – klug geführten und breit abgestimmten – Konflikt zu zerstören. Dann hat man zwar noch nicht den Ungeist ausgetrieben, aber die unmittelbare Gefahr gesenkt.

  • Langfristig können dann Integration, Investition und Außenhandel den Zulauf junger Männer zu dieser oder anderen Terrororganisationen verringern. Dies gilt vor allem dann, wenn es berufliche Chancen in einem friedlichen Umfeld gibt. Dann sind die Opportunitätskosten der Mitgliedschaft in einer Terrorbande mit Willkürherrschaft hoch und vor allem steigend. Es ist nicht davon auszugehen, dass der Berufswunsch Terrorist für Menschen im Jugendalter wirklich attraktiv ist. Es sind die – keineswegs nur, aber auch materiellen – Umstände, die diese Entwicklung befeuern. Dies ist das Ergebnis zahlreicher empirischer Untersuchungen von Psychologen, Ökonomen, Soziologen und Politikwissenschaftlern.

  • Eines kommt hinzu: Viele der aktiven Terroristen kommen aus den westlichen Ländern, d.h. beispielsweise aus Deutschland, Frankreich, Belgien oder Großbritannien. Sie leben offenbar in weitgehend abgeschotteten Parallelgesellschaften. Wenn es nicht gelingt, die vielen Flüchtlinge und dabei insbesondere die jungen alleinstehenden Männer in die Arbeitsmärkte und das soziale Leben Europas zu integrieren, droht hier vielfach die Gefahr einer Radikalisierung über die Zeit. Wohlgemerkt: Dies ist nicht die Aussage, dass Flüchtlinge Terroristen sind. Ganz im Gegenteil, es ist das Plädoyer für eine sorgfältige und wahrscheinlich aufwendige Integrationspolitik, steht also in krassem Widerspruch zu dem, was die tumben Freunde des Abendlandes montags so fordern.

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    Vor diesem Hintergrund ist eine internationale wachstumsorientierte Agenda, die auf Inklusion, Mittelstand und Investitionen setzt, sehr zu befürworten. Sie zahlt sich langfristig auf jeden Fall aus. Die türkische Agenda der G20 bleibt aktuell und wichtig. Wenn China als Gastgeber in 2016 übernimmt, sollte sie bestehen bleiben.

    Europa



    Es wäre also falsch, wenn durch den Terror bedingt die (westlichen) Länder auf Abschottung setzen. Das heißt aber auch, dass die westlichen, besonders die europäischen Regierungen in dreierlei Hinsicht standhaft sein müssen. Sie müssen die Auseinandersetzung mit dem IS aufnehmen und die damit verbundenen hohen Kosten ertragen. Sie dürfen angesichts des vermutlich auch im kommenden Jahr hohen Zulaufs an Flüchtlingen nicht anfangen, die Grenzen kategorisch zu schließen; eine gezielte und schnelle Prüfung des Einzelfalls und die schnelle Abschiebung derjenigen ohne Bleiberecht ist davon unberührt.

    Und sie dürfen, falls sich angesichts dieser Probleme die wirtschaftliche Lage weiter verschlechtern sollte,  den sehr wahrscheinlichen Protektionswünschen der Wirtschaft nicht nachgeben. Was gefordert ist, ist staatsmännische Rationalität oder ein kühler Kopf gepaart mit einem heißen Herz. Die sinnlosen Morde von Paris haben hoffentlich wenigstens dies bewirkt.

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