Freytags-Frage

Wie gestalten wir unser wachsendes Europa?

Der Balkanstaat wird am Montag als 28. Mitglied der EU beitreten. Doch brauchen wir tatsächlich ein brachiales "Mehr" an Europa?

Am Montag, den 1. Juli 2013, tritt Kroatien als 28. Mitglied der Europäischen Union bei. Quelle: dpa

Am kommenden Montag, den 1. Juli, begrüßt die europäische Union mit Kroatien das 28. Mitglied. Damit sind es immer weniger Länder in Europa, die nicht zur EU gehören. Anders ausgedrückt intensiviert sich die Integration und damit die Gültigkeit der vier Freiheiten für europäische Bürger. Der Binnenmarkt wird immer größer. Dieses Ereignis wird zwar durch den permanenten Krisenmodus, in den sich die Europäische Union, vor allem natürlich die Eurozone manövriert hat, etwas überlagert, hat aber trotzdem eine große Bedeutung, insbesondere für das Beitrittsland selbst.

Diese Länder wollen in die EU
Türkei Quelle: dapd
Serbien Quelle: REUTERS
Albanien Quelle: REUTERS
Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien: Quelle: REUTERS
Montenegro Quelle: REUTERS
Island Quelle: Reuters
Bosnien-Herzegowina: Quelle: REUTERS
Kosovo Quelle: REUTERS

Allerdings nicht nur für das Beitrittsland, denn auch die anderen Länder und ihre Bürger sind durch Integration betroffen. Die Vielfalt erhöht sich, der Wettbewerb nimmt zu, die Chancen für Arbeitsteilung steigen. Insgesamt sind positive Effekte zu erwarten, nimmt man noch das friedensstiftende Potential von politischer und ökonomischer Integration hinzu. Das ist ein Grund zu feiern, wenn auch mit Bedacht.

Überhaupt bietet die siebte Erweiterung des europäischen Integrationsprojektes einmal mehr die Gelegenheit, Luft zu holen und sich darüber klar zu werden, was eigentlich die große Stärke Europas ist: Es ist seine Vielfalt. Diese gilt es weiterhin nutzbar zu machen.

Denn die hohen Erträge der europäischen Integration, die Europa erstens den längsten Frieden seiner Geschichte, zweitens ein hohes Maß an gegenseitigem Verständnis und drittens nie zuvor dagewesenen Wohlstand eingebracht haben, sind gerade nicht durch eine Vorab-Harmonisierung und das Einstampfen der Unterschiede der Europäer entstanden. Vielmehr war es der Wettbewerb und die Unterschiedlichkeit, die die Arbeitsteilung intensivierten und für alle Beteiligten Vorteile mit sich brachten.

Wissenswertes über Kroatien

Mit der Ost- und der Südosterweiterung verbreitert sich auch die kulturelle und institutionelle Vielfalt des Integrationsraumes. Viel ist von Mentalitätsunterschieden die Rede, die sehr unterschiedliche Konsequenzen für den Alltag und die Bewältigung seiner Probleme mit sich brächten. Kennzahlen zu Governance, z.B. mit Blick auf Regulierungen, ökonomische Freiheitsrechte, Korruption und anderes sind in der Tat sehr unterschiedlich innerhalb der Europäischen Union. Der Norden schneidert meist etwas besser ab, d.h. Korruption ist geringer, ökonomische Freiheit und Pressefreiheit höher. Der Süden überzeugt mit Gastfreundschaft und Lebensfreude.

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