Freytags Frage

Wie kommt Europas Jugend in Arbeit?

Die Jugendarbeitslosigkeit befindet sich in weiten Teilen Südeuropas auf Rekordniveau. Die Betroffenen dürften bald aufbegehren oder abwandern. Was können wir tun?

Proteste in Madrid: Die Jugendarbeitslosigkeit ist in den Krisenländern auf einem Rekordhoch angelangt. Quelle: AP

Inzwischen haben es auch die europäischen Eliten bemerkt: In der stark steigenden Jugendarbeitslosigkeit in vielen Ländern der EU und vor allem der Eurozone steckt viel politischer Sprengstoff. Die Arbeitslosigkeit unter einer gut ausgebildeten Jugend ist gerade im Süden Europas und in Frankreich auf Rekordniveau, zum Teil - wie in Griechenland - bei über 60 Prozent. Diese Jugendlichen dürften bald aufbegehren - oder abwandern. Beides kann keiner wollen.

So viel kostet eine Stunde Arbeit in Europa
Supporters of the ultranationalist Bulgarian party Ataka (attack) wave national flags during a anti-government rally in central Sofia, Bulgaria Quelle: dpa/dpaweb
A woman peers through a Romanian flag during a protest against President Traian Basescu in Bucharest, Romania, Quelle: dapd
Die Flagge der Europäischen Union weht neben den Nationalfahnen der EU-Mitglieder Spanien Niederlande, Irland und Griechenland sowie Rumaenien (hinten v. l.), Portugal, Tschechien und Schweden Quelle: dapd
Die deutsche Flagge weht am 09.08.2012 an einem Schiff der Reederei Hiddensee vor der Silhouette der historischen Altstadt von Stralsund Quelle: dpa
Eiffelturm Quelle: gms
Der Dannebrog, die dänische Flagge, weht am 27.06.2012 an einem Ferienhaus in Henne Strand Quelle: dpa
Boddenhafen von Barth Quelle: ZB

Deshalb haben sich in dieser Woche europäische Politiker auf einer hochrangig besetzten Konferenz über die Möglichkeiten gesprochen, die Jugendarbeitslosigkeit zu senken. Details kann man in einem in einem Gastbeitrag für die SZ nachlesen. Dort haben die deutschen und französischen Arbeits- und Finanzminister von der Leyen, Schäuble, Moscovici und Sapin ihre Vorstellungen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit vorgelegt, die sie als New Deal bezeichnen. Was ist geplant? Wie muss man es bewerten?

Positiv ist festzuhalten, dass die Politik das Thema jetzt endlich auf die Agenda setzt. Ebenfalls positiv ist die klare Aussage, dass der europäischen Staatsschuldenkrise mit Konsolidierung und Strukturreformen anzugehen ist. Erfreulich ist auch die Feststellung, dass Bildung wichtig ist. Dabei betonen die Minister zu Recht, dass die duale Ausbildung deutscher Provenienz eine bedeutende Stellschraube darstellt. Schließlich fällt positiv ins Gewicht, dass die Minister die Mobilität erwähnen - in der Tat scheint hier kurzfristig ein Ventil zu bestehen. Den hohen Arbeitslosenzahlen im Süden steht nämlich eine steigende Nachfrage nach Fachkräften im Norden, namentlich in Deutschland gegenüber.

Weniger positiv - aber politisch nachvollziehbar - sind die Jubelarien über den Fortschritt der Reformen und der Haushaltskonsolidierung sowie die Betonung der europäischen Solidarität, wie sich in den Rettungspaketen und der Bankenunion ausdrücke. Von Solidarität kann keine Rede sein, wenn Banken gerettet und Eliten davor bewahrt werden, ihr Vermögen zu verlieren. Die griechische, spanische oder portugiesische Jugend hat gerade nicht vom Rettungswahn profitiert. Von Einigkeit, die im Beitrag auch beschworen wird, kann wohl kaum die Rede sein.

Auch sind die anderen geplanten Remeduren nur wenig zielführend. Insgesamt 60 Milliarden Euro soll die Europäische Investitionsbank in die Hände nehmen, um Unternehmen, die junge Leute beschäftigen wollen, finanziellen Spielraum zu geben. Es mangele gerade kleinen und mittleren Unternehmen im Süden und in Frankreich an Finanzierungsmöglichkeiten. Ist dies wirklich ein Finanzierungsproblem? Geld ist ja dank der großzügigen Ausstattung der Banken mit Liquidität durch die EZB genug vorhanden; allein sie reichen es nicht weiter. Dieses Verhalten kann nicht mit Irrationalität sondern vielmehr mit einem politisch bedingten Mangel an Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen erklärt werden. Vielleicht müssten die Unternehmen etwas mehr Flexibilität in der Vertragsgestaltung mit Arbeitnehmern aller Altersstufen haben, vielleicht sehen sie sich ja auch zu hohen Lohnkosten gegenüber. In diesen Fällen wäre die Knappheit an Finanzmitteln nicht mit mehr billigem Geld zu heilen. Unternehmerische Spielräume sind dann zu erhöhen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%