Freytags-Frage

Wie korrupt ist die Eurozone wirklich?

Die Nachricht schlug ein: In der Euro-Zone nimmt die Bestechlichkeit zu, Griechenland ist so korrupt wie Kolumbien. Doch es gibt Zweifel an dem Korruptions-Wahrnehmungsindex.

Peinliches Ergebnis: Die Euro-Zone ist korrupter geworden, so der Korruptions-Wahrnehmungsindex. Knapp vor Frankreich liegt z.B. Uruguay, Italien rangiert gleichauf mit São Tomé und Principe und knapp hinter Mazedonien, Kuwait und Lesotho. Quelle: dpa

Die Eurozone ist seit Beginn der Staatsschulden- und Glaubwürdigkeitskrise im Jahre 2009 korrupter geworden. Der (ungewichtet) durchschnittliche Wert des Corruption Perception Index (CPI) der Nichtregierungsorganisation Transparency International ist von 6,67 im Jahre 2009 auf 6,58 in 2012 (veröffentlicht am 5. Dezember) gefallen. Sieben Mitglieder der Eurozone haben sich verbessert, acht verschlechtert und zwei sind gleichgeblieben.

Ebenfalls verschlechtert hat sich der durchschnittliche Rang der Eurozone: In 2009 lag sie unter 180 Ländern im Mittel auf Platz 27, während sie heute unter 176 betrachteten Nationen durchschnittlich auf Rang 33 zu finden wäre. Griechenland ist gar auf Rang 94 abgefallen (Wert des CPI: 3,6). Im Vergleich mit Burkina Faso, das gelegentlich als Peer für Griechenland herhalten muss, ist das südeuropäische Land schlechter geworden; Burkina Faso liegt auf Rang 83. Vor Griechenland rangieren unter anderem auch Lesotho, Namibia, Ghana und sogar Swaziland. Das dürfte den dortigen König mächtig freuen! Auch andere EU-Mitglieder haben interessante "Nachbarn". Knapp vor Frankreich liegt z.B. Uruguay, Italien rangiert gleichauf mit São Tomé und Principe und knapp hinter Mazedonien, Kuwait und Lesotho.

Das sind die korruptesten Länder Europas
Eine Hand reicht einen Umschlag mit Bargeld über einen Schreibtisch. Quelle: dpa/dpaweb
Maori warrior perform during an official maori welcome to Britain's royals, Prince Charles (unseen) and his wife Camilla (unseen) Quelle: dpa
An Swedish embassy employee adjusts a Swedish Quelle: dpa
The Swiss flag is projected on the international headquarters of Nestle, Quelle: dpa
A Dutch supporter, his face painted in the colors of the national flag Quelle: AP
Das Brandenburger Tor ist in den frühen Morgenstunden am 05.12.2012 in Berlin hinter einem beleuchteten Tannenbaum zu sehen. Quelle: dpa
A woman leaves a government job center in Madrid Quelle: dapd
A protestor blows a horn while seated on a toy horse outside the Portuguese parliament in Lisbon Quelle: dapd
The Colosseum is lit Quelle: dpa
Das Parlament in Athen ist am Donnerstag (30.06.2011) durch eine Griechenlandfahne zu sehen. Quelle: dpa
A Somali woman with a Somali flag stuck into her veil Quelle: AP

Sollte diese Entwicklung beunruhigen? Zur Beantwortung der Frage muss der CPI zunächst kritisch beleuchtet werden. Er ist ein Korruptions-Wahrnehmungsindex zwischen 10 (korruptionsfrei) [1] und 0 (vollständig korrupt), der auf den Antworten auf 13 Fragebögen aus insgesamt 12 Institutionen beruht. Nur wenn ein Land in den vergangenen 24 Monaten in mindestens drei Studien behandelt wurde, wird es in den CPI aufgenommen, weswegen die Anzahl der betrachteten Länder über die Jahre schwankt. Auch fällt der Vergleich über die Zeit nicht immer leicht, weil nicht immer sämtliche Länder in sämtlichen Fragebögen erfasst werden. Die Stabilität der Rangfolge der Länder über die Zeit zeigt allerdings auch, dass der Index recht robust ist, denn das Ausmaß an Korruption ändert sich nicht sprunghaft von einem Jahr aufs andere.

Bleibt noch die fehlende Objektivität. In der Tat kann Korruption nicht gemessen, gewogen oder verbucht werden wie Distanz, Stahl oder Exporterlöse. Sie wird von unterschiedlichen Personen vermutlich auch anders wahrgenommen. Was in manchen Ländern als freundliches Geschenk gilt, kann in anderen Ländern bereits als strafbare Bestechung gelten. Insofern ist der CPI mit einiger Skepsis zu betrachten und entsprechend vorsichtig zu interpretieren. Die marktschreierischen Kommentare nach Bekanntgabe des CPI 2012 und des griechischen Ergebnisses relativieren sich, wenn man bedenkt, dass der griechische Wert von 3,8 im Jahre 2009 auf 3,6 in 2012 gefallen ist; dies ist keine dramatische Veränderung. Relativ hat das Land verloren, weil andere Länder in der Korruptionsbekämpfung offenbar Fortschritte gemacht haben.

[1]Der diesjährige Index rangiert von 100 bis 0, erlaubt aber dieselbe Interpretation. Deshalb wird hier die alte Normierung verwendet, um die Vergleichbarkeit herzustellen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%