Front National Frankreichs Rechte profitiert von den Anschlägen

Seit den Pariser Attentaten steigt der rechtsnationale Front National in der Wählergunst. Wie die Partei die Stimmung in Frankreich für die Regionalwahlen nutzt.

Die rechte Front National und ihre Vorsitzende le Pen profitieren von der Verunsicherung nach den Anschlägen von Paris. Quelle: AP

Die Warnung kam ziemlich spät. "Warum ein Sieg des FN uns beunruhigt", titelte die Regionalzeitung "La Voix du Nord" aus Lille am Dienstag - fünf Tage vor der ersten Runde der Regionalwahl an diesem Sonntag.

Die Tatsache, dass die sechs Millionen Einwohner zählende Region Nord-Pas de Calais - Picardie im Norden des Landes mit einiger Wahrscheinlichkeit ab Januar von dem rechtsnationalen Front National (FN) regiert wird, war der Zeitung nun ein großes Dossier wert. Tenor: Der FN ist nicht so volksnah, wie er sich gibt. Er hat keinerlei Erfahrung in der Führung einer Region, und das Wirtschaftsprogramm einer Partei, die gegen Euro und EU wettert, wird in den Abgrund führen.

Allerdings scheinen diese Argumente weder die Leser von "La Voix du Nord" noch den Rest des Landes wirklich abzuschrecken. Im Gegenteil. Umfragen zu Folge wird der FN bei diesen Wahlen so stark abschneiden wie nie zuvor. Landesweit kann sie demnach mit 28 Prozent rechnen.

Frankreich und der Terror

Das ist ein weiterer Zustimmungsgewinn im Vergleich zu den Europa-Wahlen von 2014. Damals wurde der FN bereits stärkste Partei in Frankreich.

Neben der Region Nord-Pas de Calais, wo die FN-Vorsitzende Marine le Pen selbst als Spitzenkandidatin antritt, werden die Wähler des FN wahrscheinlich auch große Teile der Côte d'Azur und des südfranzösischen Hinterlandes auf dem Silbertablett servieren. Und laut den aktuellsten Umfragen könnte es sogar an der Grenze zu Deutschland zu einem Sieg reichen: in der Region Elsaß-Lothringen-Champagne-Ardennen. Frankreichs Regionalräte, nach einer Gebietsreform in diesem Jahr noch 13 an der Zahl, sind in etwa vergleichbar mit den deutschen Landtagen. Sie haben zwar in dem auf Paris zentralisierten Politiksystem weniger Mitspracherecht, aber vor allem bei der wirtschaftlichen Entwicklung große Macht.

Profiteure der Angst

Die Frage nach den Gründen für den Rechtsruck lässt sich zumindest für die vergangenen drei Wochen ziemlich zweifelsfrei beantworten. Seit den Terroranschlägen am 13. November ist die Zustimmung für die Rechtsnationalen weiter gestiegen. "Der FN ist tatsächlich die Partei, die von diesen Ereignissen profitiert", sagt Jean-François Doridot, Direktor des Meinungsforschungsinstituts Ipsos. Deren Kandidaten könnten sich vor die Wähler stellen und sagen: "Seht her, wir haben es euch doch immer schon gesagt."

Das Programm der Front-National-Partei, die sich gegen Einwanderung ausspricht, EU und Euro als schädlich für Frankreich bezeichnet und die Grenzen zu Frankreich wieder dicht machen möchte, trifft seit den Attentaten mehr denn je den Nerv der Bevölkerung. Bereits zuvor waren 79 Prozent der Franzosen der Meinung, dass die Aufnahme vieler Flüchtlinge erst recht einen Ansturm bewirke. 69 Prozent befürchteten, dass sich unter die Flüchtlinge auch Terroristen mischten. Das ist Wasser auf die Mühlen des FN, der Bundeskanzlerin Angela Merkel vorwirft, mit ihrer Politik der offenen Grenzen Frankreich zu gefährden. Dass tatsächlich zwei der Attentäter von Paris Anfang Oktober zusammen mit Flüchtlingen aus Syrien nach Europa gelangten, gilt der Partei nun als Beweis für diese These.

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