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Front National Frankreichs Rechtsnationale deuten Betrugsaffäre zu ihren Gunsten

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Politik der Enttäuschten

Auch die Ukraine-Krise ist nach Lesart des FN allein die Schuld der EU. Und in der Sanktionspolitik gegen Russland findet le Pen genügend Nachteile für französische Landwirte und Industrieunternehmer, um eine sofortige Abkehr von diesen Strafmaßnahmen zu fordern. Was ein besonderes „Geschmäckle“ hat, da der Kreml den französischen Rechtsnationalen einen Millionenkredit zur Verfügung stellte. 

 

Dabei war der FN nicht etwa von Beginn an gegen die EU und ihre Vorläufer. Im Gegenteil: Jean-Marie le Pen verfocht als Parteivorsitzender sehr wohl die Vorzüge des Binnenmarktes. Der FN änderte aber ihre Meinung über die Jahre vielmehr so, wie es den größten politischen Erfolg versprach. „Seit 1992 betrachten die Franzosen Europa als Quelle ihrer Probleme. Der FN folgt dieser Überzeugung, ob Jean-Marie le Pen selbst daran glaubt oder nicht“, urteilt Jean-Yves Camus, Forscher am französischen Institut für internationale und strategische Studien (Iris).

„Seit der Jahrtausendwende vertritt der Front National einen Ultraprotektionismus, der auf der Verteidigung der nationalen Identität und der Bevorzugung aller Menschen und Waren französischen Ursprungs basiert. Damit will der FN die immer größere werdende Menge der von der Politik Enttäuschten auffangen.“ 

Anstatt konkreter politischer Arbeit stützt sich der FN auf drei einfach strukturierte Erfolgsrezepte, folgert Marley Morris, der bei der unabhängigen britischen Forschungsgesellschaft Counterpoint über die Ursachen der zunehmenden Wahlerfolge populistischer Parteien in Europa arbeitet. Der FN setze seine eigene Ordnung gegen das Chaos, das zum Beispiel Einwanderung und deren Befürworter bei der EU und internationalen Unternehmen nach Frankreich brächten. Zweitens zeichne der FN das Bild der einfachen Arbeiter, die von den Mächtigen ausgebeutet würden. Und drittens präsentiere er sich als Lösung, da er die „wahren“ Werte der Gesellschaft zu verkörpern vorgebe. 

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Das Kalkül dieses „chauvinistischen Wohlfahrtsstaats“, wie ihn die Forscher nennen, scheint vorerst aufzugehen. Auch weil der FN es trefflich versteht, sich selbst als Opfer der Mächtigen darzustellen, wenn etwa Frankreichs Premier Valls von seiner „Angst“ spricht, künftige Generationen müssten in einem Frankreich des FN leben.

Laut einer Umfrage vom 2. März, die die Zeitung „Le Parisien“ in Auftrag gab, wollten 33 Prozent der Befragten bei den Departments-Wahlen dem FN ihre Stimme geben. Das waren sieben Prozentpunkte mehr als einen Monat zuvor. 27 Prozent wollen die konservative Partei UMP von Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy wählen und nur 19 Prozent die regierenden Sozialisten.

Wie die Betrugsaffäre sich auswirkt, hängt von der Zahl derer ab, die sich von der Theorie eines Komplotts überzeugen lassen.

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