Fünf Jahre nach Lehman-Pleite Im Zweifel gegen den Steuerzahler

Fast fünf Jahre nach der Pleite von Lehman Brothers zieht das Kölner IW eine gemischte Bilanz der bisherigen Regulierungsbemühungen. Eine der wichtigsten Fragen bleibt sogar ungelöst.

So laufen die Geschäfte im Investment-Banking
Europäische Banken – Credit SuisseDer Schweizer UBS-Wettbewerber Credit Suisse reklamiert die Vorreiterrolle in Sachen Strategie-Anpassungen gerne für sich. Denn auch die Credit Suisse schrumpft kräftig die eigene Bilanz, um sich den neuen Kapitalvorgaben von Basel III anzupassen. Allein in der Anleihesparte innerhalb der Investmentbank hat Credit Suisse das Volumen der risikogewichteten Aktiva innerhalb eines Jahres um 43 Prozent auf 131 Milliarden Dollar gekürzt. Quelle: REUTERS
Und die Umbauarbeiten gehen weiter: In der Investmentbank soll die Bilanz nochmals um zehn Prozent gestutzt werden. Das Einsparziel wurde von drei auf vier Milliarden Franken erhöht. Wie viele Jobs das kosten wird, darüber schweigt sich Bank-Chef Brady Dougan (Bild) indes aus. Trotz der Kürzungen haben sich die Umsätze dieses Geschäftsbereichs im Jahresvergleich im dritten Quartal verdreifacht - was Analysten als die positive Überraschung hervorstrichen. Quelle: REUTERS
Für Finanzchef David Mathers zeigt das Ergebnis, dass die Bilanzausdünnung nicht auf die Erträge durchschlagen muss. Credit Suisse erzielte im Investment-Banking im dritten Quartal eine Eigenkapitalrendite von knapp zehn Prozent. „Das wird die UBS wohl nicht erreichen, was den Druck auf das Management hoch halten wird“, sagt Christian Stark, Analyst bei Cheuvreux. Quelle: dapd
Logo der RBS Quelle: dapd
Die Investmentbank des Geldhauses soll also weiter schrumpfen. Dabei ist Vorstandschef Stephen Hester (Bild) bereits kräftig auf die Bremse getreten. Anfang dieses Jahres hatte Hester den Abbau von rund 4000 Arbeitsplätzen angekündigt. Die Bank zog sich aus großen Teilen des Aktiengeschäfts und einigen anderen Bereichen zurück und verkaufte den traditionsreichen Broker Hoare Govett. Quelle: REUTERS
Seit Hester Ende 2008 sein Sanierungsprogramm für das damals schwer angeschlagene Geldhaus auf den Weg brachte, hat er die Investmentbank der RBS um mehr als die Hälfte verkleinert. Einen völligen Rückzug hielte aber auch UKFI-Chef O'Neill für eine falsche Entscheidung. Zu wichtig seien die Dienste der Investmentbanker für das Wachstum und das Wohlergehen britischer Unternehmen. Quelle: dapd
Deutsche BankBei der Deutschen Bank müssen Tausende Investmentbanker um ihren Job fürchten. Jürgen Fitschen (l.) und Anshu Jain wollen sparen, um Ertragseinbußen im Zuge der Schuldenkrise und der härteren Regulierung aufzufangen. Das Investment-Banking dürfte zwar zuletzt wieder gut gelaufen sein. Doch das Geschäft gilt als sehr volatil - und Volatilität steht bei der Bank derzeit nicht hoch im Kurs. Quelle: dpa

Die dramatischen Rettungsgespräche bleiben ergebnislos, die Bank meldet deshalb die größte Insolvenz der US-Wirtschaftsgeschichte an, in der Folge kollabieren überall auf der Welt Großbanken und nur die massive Intervention der Staaten bewahrt das Weltfinanzsystem vor dem Kollaps. In knapp drei Wochen jährt sich die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers zum fünften Mal. Eine erste Jubiläumsbilanz der Folgen des 15. September 2008 legt das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft vor. „Aus Schaden gelernt“ haben die Autoren Markus Demary und Thomas Schuster ihre Studie überschrieben. Wie sehr das zu hoffen wäre, zeigt gleich ihre erste Berechnung: Danach haben die EU-Staaten den Banken zwischen 2008 und 2011 insgesamt fast 3,2 Billionen Euro zur Verfügung gestellt, vor allem in Form von Kapital und Garantien.  

Vorwürfe, es habe sich „nichts geändert“ halten sie für haltlos. So loben sie etwa die neuen Basel-Regeln und die dadurch bereits jetzt deutlich verbesserte Eigenkapitalausstattung der Banken. Besonders die deutschen Institute seien hier auf einem guten Weg, viele erfüllten die Vorgaben heute schon. Auch die Ansiedlung der Aufsicht über große Banken bei der EZB halten sie für richtig. „Die Bankenaufsicht ist auf dem richtigen Weg“,

Dennoch bleibt nach ihrer Ansicht noch viel zu tun: So kritisieren die Forscher die vielfache Privilegierung von EU-Staatsanleihen. Banken können diese unbeschränkt kaufen und müssen sie nicht mit Eigenkapital unterlegen. Außerdem gelten sie als besonders liquide. Die Forscher fordern zudem, dass Mitarbeiter von Aufsichtsbehörden besser ausgebildet sein müssen. Dem wird kaum jemand widersprechen.

Auch sie kommen nicht darum umhin, festzustellen, dass die eigentlich wichtigste Regulierungsfrage weiter ungelöst ist. Wie lässt sich vermeiden, dass der Staat im Zweifel Banken in Schieflage rettet statt sie in die Insolvenz zu schicken? Jedenfalls nicht durch ein Trennbankensystem, meinen die Forscher. Einen gemeinsamen europäischen Abwicklungsfonds lehnen sie ebenfalls ab und plädieren stattdessen für ein System nationaler Fonds mit einheitlichen Standards. Das Problem bleibt, dass in beiden auf absehbare Zeit nicht genug Geld ist, um die entstehenden Kosten aufzufangen.

„Durch die neuen Regeln ist das Geld der Steuerzahler bei Bankenkrisen besser geschützt als bisher“, sagt IW-Chef Michael Hüther. Und doch bleibt am Schluss eine ernüchternde Erkenntnis:  „Der Steuerzahler kann letzten Endes nicht außen vor gelassen werden.“

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