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Fußball Die Uefa hält sich für unantastbar

Schon beim Spiel England gegen Deutschland im Londoner Wembley-Stadium herrschte dichtes Gedränge auf den Rängen. Zum Endspiel zwischen England und Italien werden 65.000 Zuschauer erwartet. Quelle: AP

Einschränkungen in der Pandemie kümmern den europäischen Fußballverband ebenso wenig wie ein Gerichtsbeschluss zur Super League. Die Politik sollte die Sportfunktionäre vom Genfer See nicht gewähren lassen wie bisher. Ein Kommentar.

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Vor dem Anpfiff des Finales der Fußball-Europameisterschaft am Sonntag im Londoner Wembley Stadion steht ein Sieger schon fest: Der europäische Fußballverband Uefa. Die Organisation aus dem schweizerischen Nyon hat im Vorfeld des Turniers ihre Einnahmen auf zwei Milliarden Euro geschätzt. Selbst nach Abzug aller Kosten dürfte unter dem Strich ein ordentlicher Profit übrig bleiben.

Wichtiger als der finanzielle Gewinn dürfte für die Fußballfunktionäre allerdings die Erkenntnis sein, dass ihre Macht – auch in Zeiten einer weltweiten Pandemie – ungebrochen ist. Die Uefa setzte durch, dass für 2500 VIPs beim Finale keine Quarantänevorschriften gelten. Sie setzte auch durch, dass 60.000 Fans beim großen Finale live im Stadion sein können – obwohl Mediziner davor warnen, dass das Match zu einem Super-Spreader-Event werden könnte. Innenminister Horst Seehofer hatte eine solche Ansammlung von Menschen zu Recht als „unverantwortlich“ bezeichnet. Doch Gesundheitsschutz ist für die Uefa keine Kategorie, in der sie denkt.

Die Organisation wollte ein volles Stadion, koste es, was es wolle. Den Londonern Veranstaltern hatte sie gedroht, das Endspiel nach Budapest zu verlegen, wenn sie den Wünschen der Fußballbosse nicht nachkommen. Dort stand Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán willfährig bereit, die Anforderungen der Uefa zu erfüllen.



Die Art und Weise, wie sich die Uefa über geltende Regeln hinwegsetzt, hat System. Gerade erst hat ein Handelsgericht in Madrid festgestellt, dass der Verband im Streit mit der Super League eine einstweilige Verfügung vom April weitgehend ignoriert hatte und Sanktionen gegen die Clubs der abtrünnigen Liga verhängte. Das spanische Gericht bezeichnete das Verhalten der Uefa als „rebellisch“. Genauso gut hätte der Richter den Begriff „selbstherrlich“ verwenden können.

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    Die Beispiele EM und Super League zeigen: Die Uefa macht sich ihre Regeln am liebsten selbst – und lief bisher nicht Gefahr, gestoppt zu werden. Zu Europas Regierungen pflegt der Verband bekanntermaßen kurze Drähte, die Politik hat ihn bisher gewähren lassen. Dass eine durch und durch kommerzielle Organisation mit Milliardeninteressen eine solche Ausnahmestellung einnimmt, ist nicht nachvollziehbar. Auch wenn Fußball Millionen Fans in Europa begeistert, sollten Politiker wagen, sich mit dem mächtigen Verband anzulegen.

    Mehr zum Thema: Überschattet durch die Coronakrise ist das öffentliche Interesse an der derzeitigen EM geringer als sonst. Man hätte das Turnier wohl ruhigen Gewissens absagen können – wenn da nicht die mächtige UEFA wäre.

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