G7-Finanzminister EU-Finanzminister schwelgen in Harmonie

Die Finanzminister der G7-Staaten haben bei ihrem Treffen zwei Dinge erkannt: Sie können keine Entscheidungen treffen, aber es ergibt Sinn, einen gemeinsamen Kurs zu steuern. Für das Auslaufmodell G7 könnte das ein Weg in die Zukunft sein.

Die G7-Finanzminister wollen gemeinsam gegen Steueroasen und Konjunkturflauten vorgehen. Quelle: AP

Der Landsitz Hartwell House in der englischen Grafschaft Buckinghamshire ist an Idylle kaum zu überbieten. Ein altes Herrrenhaus aus dem 17. Jahrhundert, schick angelegte Gärten, eine pittoreske Landschaft drumherum: „Ein Rückzug aus der Realität“, wirbt die Hotel-Broschüre für das Anwesen, wo am Freitag und Samstag die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben wichtigsten Industrienationen zusammengetroffen waren.

Und tatsächlich: Kaum hatten die Finanzminister zwei Tage lang in dem alten Gemäuer hinter verschlossenen Türen die Köpfe zusammengesteckt, schon schienen alle Streitigkeiten von zuvor wie verflogen. Nein, Japan werde nicht mehr vorgeworfen, mit aggressiver Währungspolitik den Yen bewusst abzuwerten. Nein, Deutschland und Frankreich streiten keineswegs länger über die Frage, wie viel Haushaltskonsolidierung sein muss und wie viel Wachstumsanreiz sein darf. Ja, selbstverständlich ziehen alle sieben an einem Strang, wenn es darum geht, Steueroasen in Offshore-Zentren auszutrocknen.

Das weltweite Netz der Steuerhinterziehung
Two women walk past a beggar sitting on the steps of an underground pedestrian crossing in downtown Moscow, Quelle: AP
Fishermen navigate their boats past an area of old buildings, which are under demolition work in front of hotel buildings that are under construction on the man-made Fenghuang (Phoenix) island Quelle: REUTERS
Two Russian women, who did not want to be identified, try on mink coats in Moscow Quelle: AP
Symbolische Schuldscheine Quelle: dpa
A girl hawks local snacks in the Dal neighbourhood before the break of fast on the second day of the holy month of Ramadan in Nigeria Quelle: REUTERS
Currency traders talk in front of the screens showing the Korea Composite Stock Price Index Quelle: dapd
Ein Mitarbeiter nimmt einen 1000 Gramm schweren Goldbarren Quelle: dpa

Es liegt vermutlich nicht nur am Tagungsort rund 70 Kilometer nordwestlich von London und seinem noblen Römerbad, dass im Kreis der G7 scheinbar plötzlich die Einigkeit größer war, als vorher gedacht. Die britischen Gastgeber um Schatzkanzler George Osborne hatten den Charakter der Beratungen bewusst als „informell“ bezeichnet.

Es sollte bewusst nicht um Ergebnisse gehen, die am Ende der Öffentlichkeit verkündet werden. Sondern darum, im kleinen Kreis einmal Tacheles zu reden, wie es ein Teilnehmer ausdrückte. Der scheidende britische Notenbankchef Mervyn King, der bereits an 50 G7-Treffen zuvor teilgenommen hatte, war anschließend regelrecht begeistert: „Der informelle Charakter hat sich als bemerkenswerter Erfolg entpuppt. Wir sind wirklich vorangekommen“, sagte er.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%