Gas-Pipeline EU sucht nach Alternativen für South Stream

Russland ist für Europa ein wichtiger Energielieferant. Doch die geplante Gasleitung South Stream will Moskau nicht weiter vorantreiben. Leidtragende sind vor allem die Länder Südosteuropas.

Eine Gasleitung an der ukrainischen Grenze. Quelle: dpa

Nach dem Aus für die Gaspipeline South Stream wollen die Staaten Südosteuropas alternative Projekte vorantreiben und das Gespräch mit Russland suchen. Darauf verständigten sich die Vertreter von sieben Staaten am Dienstag in Brüssel mit der EU-Kommission. Sie wiesen auf die „derzeit inoffizielle Natur“ der russischen Ankündigung zum Stopp von South Stream hin und baten den Vizepräsident der Energieunion, Maros Sefcovic, „die Situation mit der russischen Seite zu klären“.

Zuvor hatten sich Minister oder ihre Vertreter aus Österreich, Bulgarien, Kroatien, Griechenland, Italien, Rumänien und Slowenien mit Sefcovic getroffen. Ungarn war zwar ebenfalls vertreten, unterzeichnete die Erklärung aber nicht - warum, war vorerst unklar.

Die Gasleitung South Stream hätte vor allem die Länder Südosteuropas mit Gas aus Russland versorgen sollen. Die EU-Kommission kritisierte allerdings heftig, dass der Gazprom-Konzern sowohl das Gas liefern als auch die Leitung betreiben sollte. Vergangene Woche verkündete Russland dann den Stopp des Projekts.

Wer den Öl- und Gasmarkt dominiert
Stürmische Zeiten: Trotz der weltweiten Wirtschaftsflaute fahren die größten Ölkonzerne der Welt satte Gewinne ein. Der Energie-Informationsdienst Oilandgasiq hat die zehn größten Öl- und Gaskonzerne nach dem täglichen Fördervolumen zusammengestellt. Stand: Mai 2013 Quelle: REUTERS
Platz 10: Kuwait Petroleum Corporation (KPC)Den letzten Rang unter den Top-10 Ölkonzernen der Welt erreicht der staatliche Ölförderer von Kuwait. Die Kuwait Petroleum Corporation ging aus der Anglo-Persian Oil (heute BP) und Gulf Oil (heute Chevron) hervor. Die Kuwaitis beschäftigen 15.800 Menschen und fördern 3,2 Millionen Fass Öl am Tag. Ein Fass oder Barrel entspricht rund 159 Litern. Im Golfkrieg in den 1990ern setzten irakischen Streitkräfte mehr als 700 kuwaitische Ölquellen in Brand. Quelle: PR
Platz 9: ChevronDie Wurzeln des drittgrößten Unternehmens der USA reichen bis 1879 zurück, als die Pacific Coast Oil Company gegründet wurde. Später schluckte Standard Oil das Unternehmen und nannte es SoCal. 1984 schlossen sich dann SoCal und Gulf Oil unter dem Namen Chevron zusammen. Die Kalifornier fördern 3,5 Millionen Barrel am Tag. Rund 62.000 Menschen arbeiten weltweit für den Konzern. Quelle: REUTERS
Platz 8: PemexMexiko verstaatlichte 1938 die gesamte Ölindustrie. Heute gilt der Energieriese als eines der größten Unternehmen Lateinamerikas und größter Steuerzahler Mexikos. Die 138.000 Mitarbeiter fördern 3,6 Millionen Fass Öl am Tag. Quelle: REUTERS
Platz 7: Royal Dutch Shell Der siebtgrößte Ölförderer der Welt entstand 1907 aus dem Zusammenschluss einer niederländischen und einer britischen Firma. Der weltweit bekannte Konzern setzte sich 2012 mit einer Marktkapitalisierung von 140 Milliarden Dollar an die Spitze des britischen Leitindex FTSE. Mit 87.000 Angestellten fördert der Multi 3,9 Millionen Barrel Öl am Tag. Quelle: REUTERS
Platz 6: BPAuf eine lange Historie blickt auch British Petroleum, kurz BP, zurück. Die Burmah Oil Company ging 1909 in der Anglo-Persian Oil Company auf, die später zur Anglo Iranian Oil und schließlich zu BP wurde. Einen schweren Schlag erhielt der Konzern, als eine Explosion auf der Plattform Deepwater Horizon 2010 mehrere Arbeiter töte. Das auslaufende Öl verseuchte den Golf von Mexiko und richtete eine der größten Umweltkatastrophen an. Der Konzern wurde zu Milliardenstrafen und Entschädigungen verurteilt. Weitere Prozesse laufen. BP beschäftigt 85.700 Menschen und fördert 4,1 Millionen Fass Öl am Tag. Quelle: dapd
Platz 5: PetrochinaDen fünften Rang unter den größten Energiekonzernen der Welt hat Chinas Petrochina erobert. Die Karriere des erst 1999 gegründeten Unternehmens ist steil. Der staatseigene Konzern fördert mit 550.000 Arbeitern 4,4 Millionen Barrel. Quelle: REUTERS

Generell plädieren die sieben Länder für eine stärkere Anbindung der Region an den europäischen Energiemarkt und für Bezug von Energie aus neuen Quellen. Dabei nennen sie zum Beispiel Flüssiggas, den Ausbau von Gasleitungen ans Kaspische Meer und die Erschließung von Gasreserven im östlichen Mittelmeer oder dem Schwarzen Meer. In einer gesonderten Erklärung forderten Griechenland, Bulgarien und Rumänien den Bau von Gasleitungen, die die drei Länder miteinander verbinden sollen. Die Staaten hoffen auch auf Geld der EU.

Die EU arbeitet unter anderem am Ausbau des sogenannten „Südlichen Korridors“, über den Gas vom Kaspischen Meer nach Europa fließen soll. Sefcovic sagte vor dem Treffen, er habe von Aserbaidschan Zusicherungen erhalten, dass geplante Pipelines zügig gebaut würden. „Im Jahr 2019 würden sie das Gas vom Kaspischen Meer gerne bis zur europäischen Grenze liefern“, sagte Sefcovic. Die EU berate nun über eine spezielle Expertengruppe, die das Projekt vorantreiben könnte.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hofft derweil, dass South Stream noch eine Chance hat. „Für Europa insgesamt wäre es gut, wenn das Projekt nicht gestorben wäre“, sagte Gabriel am Rande eines Treffens der EU-Energieminister. „Man muss einfach hoffen, dass, wenn sich die Lage zwischen Russland, (der) Ukraine und der Europäischen Union hoffentlich irgendwann wieder etwas stabilisiert hat, dass man dann erneut ins Gespräch kommt“, erklärte er.

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Russlands EU-Botschafter Wladimir Tschischow glaubt zwar nicht mehr an den Sinn weiterer Verhandlungen zu South Stream. Er merkte aber gegenüber der Agentur Interfax in Brüssel an: „Es ist in Brüssel ziemlich oft zu hören, dass die EU ihren Gasimport aus Russland verringern will. Aber ich denke, dass er sich eher vergrößern wird. Denn eine andere konkurrenzfähige Quelle gibt es nicht.“

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