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Gastbeitrag: Bei Anruf Geld Das Weltkartell der Gelddrucker

Mit dem ausgeweiteten Liquidität-Swap-Abkommen haben die weltgrößten Zentralbanken beschlossen, sich untereinander unbefristet Geld zu leihen. Das birgt gefährliche Risiken, eine einheitliche Weltgeldpolitik droht.

Im Kasino der Zentralbanken leihen sich die weltgrößten Notenbanken untereinander unbefristet Geld und heizen damit die globale Geldvermehrung an. Quelle: dpa/Montage

Am Donnerstag dieser Woche gab es eine Pressemitteilung: Die Bank von Kanada, die Bank von England, die Bank von Japan, die Europäische Zentralbank (EZB), das Federal Reserve System (Fed) und die Schweizerische Nationalbank (SNB) gaben gemeinsam bekannt, dass sie ihre bestehenden, bisher befristeten „Liquidität-Swap-Abkommen“ in unbefristete Abkommen überführen.

Was sind „Liquidität-Swap-Abkommen“? Mittels dieser Abkommen leihen sich Zentralbanken untereinander Geld (und zwar vermutlich unbegrenzt, denn von Maximalgrenzen ist nicht die Rede). So ist die Fed zum Beispiel permanent bereit, der EZB US-Dollar zu leihen – und zwar neue, „aus dem Nichts“ geschaffene US-Dollar, versteht sich.

Warum brauchen Zentralbanken Fremdwährungen? Sie selbst brauchen sie nicht, aber die Geschäftsbanken brauchen fremde Währungen. Euro-Banken etwa finanzieren ihre Geschäfte nicht nur mit Euro, sondern unter anderem auch mit US-Dollar. Sie nutzen zum einen dadurch günstige(re) Finanzierungskosten aus. Zum anderen vergeben sie Kredite nicht nur in Euro, sondern auch in US-Dollar und anderen Währungen.

Wie ein Liquiditäts-Swap funktioniert

Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise gab es wiederholt ernste Probleme gerade auch für Euro-Banken: Investoren waren nicht mehr bereit, ihnen US-Dollar zu leihen. Den Euro-Banken drohte die Zahlungsunfähigkeit. Um das abzuwenden, griff die amerikanische Zentralbank bereits im Dezember 2007 zu Liquidität-Swap-Abkommen, zunächst mit der EZB und der SNB. Die Versorgung der Euro- und Schweizer-Banken mit US-Dollar war damit sichergestellt. Es folgten immer neue Liquidität-Swap-Abkommen mit immer mehr Zentralbanken sowie Verlängerungen auslaufender Abkommen – und endlich wurden auch bilaterale Abkommen abgeschlossen, in denen die beteiligten Zentralbanken versprachen, wenn nötig, sich gegenseitig jederzeit die eigene Währung zu leihen.

Es gab in 2009 nur kurzzeitig Rückgriffe auf US-Zentralbankkredite; in der Spitze beliefen sie sich auf etwa 550 Mrd. US-Dollar. Nachdem die Marktakteure gelernt hatten, dass die Zentralbanken die Geschäftsbanken zahlungsfähig halten, entspannte sich die Lage. Investoren liehen Banken wieder Geld. Allein schon die Aussicht auf eine jederzeit gesicherte Liquiditätszufuhr im Interbankenmarkt hat also die Sorgen vor Zahlungsausfällen vertrieben.

Es wäre jedoch vorschnell, diese Politiken als Erfolg zu feiern. Vielmehr stehen sie für eine Entwicklung, die nichts Gutes verspricht. Das wird deutlich, wenn man sich die Auswirkungen beziehungsweise die (politisch gewollten) Nebeneffekte vor Augen führt, die das Einrichten permanenter Liquidität-Swap-Abkommen nach sich ziehen dürften.

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