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Gastbeitrag: Bei Anruf Geld Das Weltkartell der Gelddrucker

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Die Auswirkungen

Die zehn größten Euro-Lügen 2013
Francois hollande Quelle: dpa
Mario Draghi Quelle: dpa
José Manuel Barroso Quelle: REUTERS
Wolfgang Schäuble Quelle: AP
Martin Schulz Quelle: REUTERS
Antonis Samaras Quelle: dapd
Jean-Claude Juncker Quelle: dpa

(1) Permanente Liquidität-Swap-Abkommen tragen dazu bei, die Marktzinsen zu verzerren und Fehlentwicklungen in Gang zu setzen. Euro-Banken und ihre Kunden können sich zu künstlich niedrigen Zinsen zum Beispiel US-Dollar beschaffen und damit (bei einer erwarteten Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar) amerikanische Wertpapiere kaufen. Das weitet die US-Dollar-Geldmenge aus und führt zu Spekulationsblasen oder offener Inflation in den USA, die nachfolgend auch in anderen Währungsräumen für Preisauftrieb sorgen dürfte. Einem Inflationierungskarussell wird Vorschub geleistet. 

(2) Durch die Liquidität-Swap-Abkommen verlieren die nationalen Zentralbanken die Hoheit über die heimische (Basis-)Geldmenge. Sie werden jeden Betrag in heimischer Währung zur Verfügung stellen (müssen), der ihnen von ausländischen Geschäftsbanken abgefordert wird, also von Banken, die eigenen Gewinnzielen nachgehen. Mit permanenten Liquidität-Swap-Abkommen wird die nationale Währungssouveränität de facto aufgehoben; die Zentralbanken sind vollends im Schlepptau der Bankenindustrie.  

Überblick über Swap-Abkommen

  

(3) „Moralische Wagnisse“ (oder auch: „Moral Hazard“) werden befördert: Für die Geschäftsbanken wird der Zugang zu Fremdwährungen, bereitgestellt zu den attraktiven Konditionen eines in der Regel politisch gesetzten Zinses, attraktiver. Dadurch werden Transaktionen wie Kreditvergabe oder Wertpapierkäufe ermutigt, die bei normalen Zinsen aus Risikoerwägungen nicht vollzogen würden. 

(4) Die Zentralbanken können aus Liquidität-Swap-Abkommen kaum mehr aussteigen (und wollen es vermutlich auch nicht). Die Finanzmärkte und insbesondere die Banken richten sich auf die ultralockere Geldpolitik ein. Ein Ausstieg aus dieser Politik würde folglich die Turbulenzen hervorbringen, die man mit Liquidität-Swap-Abkommen zu verhindern sucht.

US-Dollar-Liquidität-Swaps in Mrd. Dollar. Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.

(5) Wie die Basis-Geldmenge, die im Zuge von Liquidität-Swaps geschaffen werden kann, letztlich verwendet wird, lässt sich nicht kontrollieren. Wer kann garantieren, dass zum Beispiel neu geschaffene Euro nicht ausländischen Industrieunternehmen zugänglich gemacht werden, die sich so Finanzierungs- und Wettbewerbsvorteile sichern, und dann letztlich doch die umlaufende Euro-Geldmenge aufgebläht wird?

(6) Liquidität-Swap-Abkommen ebnen den Weg zur einheitlichen Weltgeldpolitik. Der (bisher zumindest in Ansätzen noch bestehende) internationale Währungswettbewerb wird zusehends ausgeschaltet: Für Sparer und Investoren schwindet die Möglichkeit, sich dem Missbrauch mit der elektronischen Notenpresse entziehen zu können. Bei einer Vereinheitlichung der Geldpolitik wird überall die gleiche Politik verfolgt: Tiefstzinsen und Geldmengenausweitung. Indem die Zentralbanken ihr Handeln immer enger koordinieren, steigt auch die Möglichkeit eines geldpolitischen Machtmissbrauchs: Eine Inflationspolitik im Gleichschritt zu betreiben, wird attraktiv(er), gerade in Zeiten einer akuten Überschuldung von Staaten und Banken.

Amerika führt

Die permanenten Liquidität-Swap-Abkommen werden die Geldpolitiken stärker denn je unter die amerikanische Vorherrschaft stellen. Der US-Dollar ist nach wie vor die dominierende und abgesehen von Gold auch die unangefochtene Reservewährung der Welt. Diese finanzwirtschaftliche Vormachtstellung Amerikas lässt sich vor allem durch drei Faktoren erklären:

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