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Gbureks Geld-Geklimper

Alle gegen Deutschland

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Wir sind zwar reich, haben unseren Reichtum aber nicht in der Hand. Das droht gefährlich zu werden. Die Bedrohung kommt vor allem aus dem Ausland.

Deutschlands wichtigste Handelspartner
Russische Föderation Quelle: dpa-tmn
Belgien Quelle: REUTERS
Die Schweizer Landesfahne weht am Großen Aletschgletscher Quelle: ZB
Die Österreichische Flagge Quelle: dpa
assanten und Fahrzeuge passieren in Rom das Kolosseum Quelle: dapd
Lichtereines vorbei fahrenden Busses strahlen vor dem Big Ben in London Quelle: Reuters
Eine US-Flagge weht vor der Freiheitsstatue Quelle: REUTERS

Es ist schon recht seltsam, was Deutschland so alles zugemutet wird. Mittwochabend: Fast auf die Minute genau zur selben Zeit, als Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank Fed, jenseits des Atlantiks die Senkung der Anleihenkäufe von monatlich 65 auf 55 Milliarden bekanntgibt, redet sich George Soros an der Frankfurter Goethe-Universität in Rage. Nicht dass er Neuigkeiten zu verkünden hätte. Aber immerhin, als jahrzehntelang erfolgreiches Oberhaupt einer Fondsfamilie hat er auch einiges zu sagen. Wie dies: Kanzlerin Angela Merkel habe EZB-Präsident Mario Draghi zugesagt, Deutschland werde ihn unterstützen. Daraufhin habe Draghi den entscheidenden Satz von sich gegeben, wonach die EZB alles unternehmen werde, um den Euro zu retten. Nun solle Deutschland zu Merkels Versprechen stehen. Schließlich schiebt Soros nach: Entweder kommt Deutschland für die anderen Euroländer auf, oder Deutschland verlässt den Euro.
Soros ist längst nicht der Einzige, der Europa und speziell Deutschland in die Schranken zu weisen versucht; lediglich die Methoden variieren. Der Internationale Währungsfonds (IWF), in dem die USA wegen ihrer Sperrminorität das Sagen haben, mosert schon seit Monaten am deutschen Exportüberschuss herum. Der ist nach dem Rekordjahr 2013 auch im Januar wieder beachtlich gestiegen. Die EU-Kommission hält sich sogar für berufen, ihn als wirtschaftliches Ungleichgewicht zu interpretieren und von Deutschland Maßnahmen zu verlangen, um die Binnennachfrage anzukurbeln. ifo-Chef Hans-Werner Sinn hat für derlei Forderungen nur Verachtung übrig: „Wir hauen die Krisenländer und ihre Gläubiger mit unseren Waren heraus und werden dann auch noch dafür kritisiert.“

Komische Sorgen

Bliebe es doch nur allein bei derlei Diskussion. Doch da ist ja noch etwas anderes, wieder mit dem IWF als Absender: Eine Reichensteuer sei einzuführen, vorzugsweise in Krisenländern. Die Idee ist zwar erst wenige Monate alt, wird aber schon vielfach kontrovers diskutiert. Das liegt wohl auch daran, dass sich einige Professoren mal so richtig über sie austoben können. Wie der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff, der meint, eine Reichensteuer auf Aktien, Immobilien und Sparguthaben würde helfen, „die Stimmung in weiten Teilen der Bevölkerung, es gehe ungerecht zu, zu mildern“. So hat er seinen offenbar ernst gemeinten Vorschlag in einem Wirtschaftswoche-Interview Anfang Februar formuliert.

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