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Gbureks Geld-Geklimper

Das Ende der EZB-Wortspiele naht

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Die Geldpolitik der EZB stößt an Grenzen, die nächste dicke Überraschung liegt in der Luft. Nur wer rechtzeitig vorsorgt, kann sich gegen die Folgen absichern.

Wie weit kann die EZB mit ihrer Geldpolitik noch gehen, ohne einen Schaden zu vermeiden? Niemand weiß es, auch nicht ihr oberster Chef Mario Draghi. Quelle: dpa

Wenn das keine reichliche Ausbeute ist: sieben Reden (davon zwei auf Englisch) und drei Interviews (eines auf Englisch). So sieht die bisherige offizielle Worte-Bilanz von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann für dieses Jahr aus. Ergänzt wird sie um inoffizielle Äußerungen  sowie um flankierende Reden und Interviews von Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret zu vergleichbaren Themen, die sich immer wieder um eine Frage ranken: Wie bekommt es die EZB hin, die Euroraum-Inflation von derzeit 0,5 auf knapp unter 2 Prozent zu hieven, ihr immer wieder propagiertes Ziel?

Weidmanns jüngste Rede zur Eröffnung des 20. Bankentags am vergangenen Dienstag in Berlin hebt sich diesbezüglich von seinen bis dahin geäußerten Argumenten deutlich ab. „Wir“, betont er und meint den EZB-Rat, „sind gegebenenfalls zu weiteren Maßnahmen bereit, um einer zu lange anhaltenden Periode niedriger Inflationsraten effektiv zu begegnen.“ Dann schränkt er ein, „dass wir mit allen derzeit im Raum stehenden geldpolitischen Maßnahmen Neuland betreten würden“, um kurz darauf den drohenden Zeigefinger zu erheben: „Klar ist für mich auch, dass die Risiken mit der Dauer der Niedrigzinspolitik zunehmen, während die positiven stimulierenden Wirkungen nachlassen.“

Schrott kommt zu Schrott

Also erstens: Maßnahmen ergreifen, um die Inflation in die Höhe zu treiben. Zweitens: Neuland betreten. Drittens: Damit rechnen, dass niedrige Zinsen im Lauf der Zeit mehr Schaden anrichten als Nutzen stiften. Das reimt sich jedoch gar nicht zusammen: Neuland betreten könnte zum Beispiel bedeuten, dass die EZB massiv Anleihen kauft oder noch drastischer vorgeht. Damit dürfte sie die Niedrigzinspolitik allerdings eher fortschreiben als beenden, so die Risiken ihrer Geldpolitik erhöhen und stimulierende Effekte reduzieren.

Solche Widersprüche sind innerhalb des EZB-Rats nicht neu, dafür gibt es dort zu viele gegensätzliche Interessen. Dagegen ist neu, dass Weidmann wortreich als Neuland umschreibt, das sich offenkundig nicht mehr mit dem EZB-Mandat des stabilen Geldwerts vereinbaren lässt. Falls das Neuland diesen Namen wirklich verdient, muss es sich wohl wirklich um massive Anleihenkäufe handeln. Dann dürften auch Banken weiterhin vom Privileg profitieren, für das Halten von Staatsanleihen kein Eigenkapital vorhalten zu müssen – eine grässliche Vorstellung, denn Schrott käme zu Schrott.

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