Gbureks Geld-Geklimper

Der Euro bleibt, die Fiskalunion kommt

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Deutschland wird für die anderen Euroländer zahlen, die Europäische Zentralbank fungiert bereits als verlängerter Arm der Politik. Nach der Bundestagswahl bekommen Anleger die Rechnung serviert.

Wird die derzeit von Politikern und Zentralbankern totgeschwiegene Fiskalunion nach der Bundestagswahl Gestalt annehmen? Quelle: dpa

In diesen Tagen kann leicht der Eindruck entstehen, Zypern sei der Nabel der Welt, zumindest der Geld-Welt. Da fürchten deutsche Sparer um die Sicherheit ihrer Konten, bloß weil zyprische Banken geschlossen sind. Schwarzgeld-Russen versuchen ihr Geld schnell in Sicherheit zu bringen. Sogar Kreml-Chef Wladimir Putin mischt sich in die Angelegenheiten der Eurozone ein. Und wer weiß, vielleicht nutzt er mithilfe einiger Milliarden aus der Kasse eines russischen Energiekonzerns die Gelegenheit, Zypern zu retten und so sein Russland mittelbar zum Euro-Ehrenmitglied zu machen.

"Europa hat zwei Stangen Dynamit angezündet"
Mohamed El-Erian, Chef und Co-CIO bei Pimco „Europa hat zwei Stangen Dynamit angezündet. Die erste betrifft die Inhaber kleiner Konten. Müssen auch sie Zwangsabgaben leisten, drohen soziale und politische Unruhen und ein Austritt aus der Eurozone. Die Folgen der anderen Dynamitstange sind weit komplizierter und ungewisser. Es ist eine Frage der Unverletzlichkeit von Bankguthaben in Europa. Und eine Erinnerung, dass Europa zu viele Ziele verfolgt und zu wenig Instrumente hat.“ (18.03.2013 zur Zwangsabgabe für zyprische Sparer) Quelle: rtr
Laurence Fink, Blackrock-Chef„Ich wäre nicht überrascht, wenn die Börse fünf Prozent verlieren würde.“ Quelle: rtr
Jim O'Neill, Ökonom„Ich erwarte keine anhaltende Aufwärtsbewegung von dem derzeitigen Niveau, ohne dass es weitere Hinweise darauf gibt, dass die Wirtschaft in einem irrwitzig starken Tempo wächst.“ ( 18.03.2013) Quelle: dpa
Bill Gross, Bondguru bei Pimco„Die EZB ist in diesem Tagen die härteste der Zentralbanken. Aber angesichts einer europäischen Arbeitslosigkeit von 12 bis 13 Prozent - verglichen mit 7,7 Prozent in den USA  - müssen sie etwas tun. Letztendlich müssten sie ihre Währung in Relation zum Dollar und anderen Währungen schwächen, damit sie wettbewerbsfähiger werden.” (08.03.2013) Quelle: dapd
Nouriel Roubini, Ökonom„Die Risiken werden vom Markt derzeit zu niedrig eingeschätzt. Sie werden im ersten Halbjahr wohl eingedämmt bleiben, aber sie könnten wieder an die Oberfläche kommen.” (04.03.2013) Quelle: rtr
Warren Buffett, Investor„Sicherlich, die nähere Zukunft ist unklar. Amerika blickt dem Unbekannten aber seit 1776 ins Auge.“ (01.03.2012) Quelle: dpa
Steen Jakobsen, Chef-Ökonom Saxo Bank„Ich persönlich hatte sehr negative Erwartungen insbesondere bezüglich der Realwirtschaft und den Aktienmärkten. Bei der Wirtschaft lag ich richtig, bei den Aktienmärkten nicht. Aber sollten Aktienmärkte nicht eigentlich der Realwirtschaft folgen?“ (28.2.2103) Quelle: Presse

Natürlich ist Zypern nicht der Nabel der Welt, und wie auch immer die derzeitige Posse um das Schwarzgeldparadies im östlichen Mittelmeer ausgeht, der Euro wird weiter bestehen, egal ob mit oder ohne Zypern. Friedrich Heinemann, Professor beim ZEW Mannheim, nennt das, was sich da gerade abspielt, "game of chicken", sinngemäß etwa Feiglingsspiel: Zwei Autofahrer rasen aufeinander zu, und welcher dem anderen zuerst ausweicht, ist der Feigling. Mit dem einen ist Zypern symbolisiert, vergleichbar einem Smart, mit dem anderen die Europäische Zentralbank, wahlweise auch die ganze Eurozone, vergleichbar einem gepanzerten S-Mercedes. Der kleine Inselstaat hat die Wahl: Entweder ausweichen oder eine Karambolage riskieren. Für welche Alternative er sich entscheidet, liegt auf der Hand.

Die EZB tut alles, um den Euro zu erhalten

Aber warum dann die ganze Aufregung? Zum einen, weil das Rettungspaket der Euro-Finanzminister für Zypern so stümperhaft geschnürt war, dass das zyprische Parlament es praktisch ablehnen musste. Zum anderen, weil neben Zypern auch andere Euroländer rund ums Mittelmeer ein paar Bankfeiertage mitsamt gesperrten Geldautomaten einlegen könnten und dadurch eine allgemeine Krise des Vertrauens in den Euro auslösen würden. Eine solche Krise gilt es um nahezu jeden Preis zu verhindern. Konsequenterweise hat Kanzlerin Angela Merkel denn auch die Garantie für die Ersparnisse der Deutschen vom Oktober 2008 zuletzt wiederholt.

Also entspannt zurücklehnen, weil alles halb so schlimm zu sein scheint? Schön wär's, ist es aber nicht, besonders nicht für Deutschland. Erinnern wir uns an den 26. Juli 2012, ein wichtiges  wirtschaftshistorisches Datum, bekannt unter dem Begriff "whatever it takes". Erst die beiden Sätze dazu, damals ausgesprochen von EZB-Chef Mario Draghi aus Anlass der Global Investment Conference in London, offenbaren die ganze Brisanz: "Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the Euro. And believe me, it will be enough." Das heißt, die EZB wird alles unternehmen, damit der Euro erhalten bleibt.

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