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Gbureks Geld-Geklimper

Der Euro bleibt, die Fiskalunion kommt

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Die Fiskalunion ist nur noch eine Frage der Zeit

Die größten Netto-Zahler der EU
Touristen in Helsinki Quelle: dapd
Eine Windkraftanlage nahe Dänemark Quelle: dapd
Der Wiener Opernball Quelle: dpa
Da Atomium in Belgien Quelle: REUTERS
Eine Mitarbeiterin in der Schwedischen Botschaft in Minsk Quelle: REUTERS
Frau Antje Quelle: AP
Das Colosseum Quelle: REUTERS

Draghis Äußerung klingt zunächst so, als habe er sich zum barmherzigen Samariter der Eurozone gewandelt. Hat er aber nicht. Der Euro ist bekanntlich eine politisch gewollte, ja von der Politik gesteuerte Währung mit Macken. Diese sind, oberflächlich betrachtet, erst durch das Gerangel um die Griechenland-Rettung, später durch die mit faulen Krediten überlasteten spanischen Banken und durch den  Ausgang der Italien-Wahl, schließlich durch die jetzige Zypern-Posse und viele weitere schlagzeilenträchtige Randerscheinungen hervorgetreten.

Dass der Euro indes noch ganz andere, viel größere Macken hat, wird von der Öffentlichkeit kaum beachtet. Beispielsweise klaffen die Wachstums- bzw. Schrumpfungsraten und die Lohnstückkosten der Euroländer weit auseinander, ohne dass sich daran auf absehbare Zeit etwas zu ändern verspricht. Während Deutschland seine Wirtschaftsstruktur wegen der im Vergleich zum Dienstleistungssektor dominierenden Industrie dem Konjunkturverlauf recht gut anpassen kann, fällt so etwas Ländern wie Frankreich oder Italien mit hohem Anteil an Dienstleistungen ziemlich schwer. Und weil die Bereitschaft zu Strukturreformen in diesen beiden Ländern anders als in Deutschland kaum vorhanden ist, "bleibt die Heterogenität innerhalb der Eurozone erhalten", meint Tobias Schmidt, Chef der EuroRating Services. Daraus zieht er das Fazit: "Wir kommen nicht umhin, eine Fiskalunion zu entwickeln. Das schließt Transfers ein."

Einzelheiten zum Rettungspaket für Zypern

Wir alle werden für den Euro zur Kasse gebeten

Fiskalunion, das bedeutet: Deutschland schiebt anderen Euroländern Milliarden zu, so wie Bayern oder Hessen im Rahmen des Länderfinanzausgleichs Berlin oder Brandenburg subventionieren. Alternativen: Praktisch keine, denn man erinnere sich an Draghis "whatever it takes", was einschließt, dass der Euro auch politisch auf Teufel komm raus durchgesetzt wird. Wenn es darauf ankommt, fungiert die EZB als verlängerter Arm der Politik. Und was soll dann noch das Gerede davon, dass es keine Fiskalunion geben werde? Alles Geschwätz von gestern.

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Was bedeutet das für Anleger? Heinz-Werner Rapp, Vorstand der Feri AG, fasst zusammen: "Aktienmärkte profitieren von massiver globaler Verwässerung, Rohstoffe und Edelmetalle erscheinen nur begrenzt attraktiv, Anleihen bewegen sich im strategisch gefährdeten Umfeld, Immobilien sind nur selektiv interessant, Geldvermögen wird durch Niedrigzinsen entwertet, Währungen werden zunehmend verwässert und politisch manipuliert." Offenbar wird die Verwässerung zu einem wichtigen Bestimmungsfaktor für die Geldanlage. Damit gerät diese immer mehr zum Spiel. So gesehen haben die Börsen Zypern spielerisch verarbeitet, starke Kursausschläge inbegriffen, und Anleger fragen sich ratlos, wo das nächste "game of chicken" droht. Über eines sollten sie sich jedenfalls im Klaren sein: Nach der Bundestagswahl wird die derzeit von Politikern und Zentralbankern totgeschwiegene Fiskalunion Gestalt annehmen. Dann werden wir alle für den Euro zur Kasse gebeten.

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