WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Gbureks Geld-Geklimper

Ein Dämpfer für die Banken zur rechten Zeit

Seite 2/2

Die Zeit arbeitet für Banken

Wer die Herren über den Euro sind
Euro-Skulptur vor der EZB-Zentrale
Jean-Claude Trichet
Vítor Constâncio
Lorenzo Bini Smaghi
José Manuel González-Páramo
Peter Praet
Jürgen Stark

Ob es im Zeitalter von „moral hazard“ und „too big to fail“ (Überlebensgarantie für Banken) jemals so weit kommen kann, ist indes fraglich. Das liegt zum einen an der komplizierten Materie, zum anderen an den unterschiedlichen Interessen der zur EU gehörenden Länder. Ganz zu schweigen davon, dass Banken weit über die EU hinaus miteinander verflochten sind. Nur ein Beispiel, das belegt, wie kompliziert das ganze Banking heutzutage ist: Da tüftelt die EU-Kommission an einem Vorschlag für das Trennbankensystem herum, während gleichzeitig Deutschland eine Alternative ausarbeitet. Die Unterschiede sind zwar nicht gravierend – es geht im Wesentlichen um Details bei der Ausgliederung von sogenannten Schattenbanken und Eigenhandelsaktivitäten -, aber das Ganze kostet viel Zeit.

Diese Zeit arbeitet für Banken. Sie verfügen in Brüssel und in Berlin über eine effiziente Lobby. Ohne ihre tatkräftige Mithilfe verlässt kein Gesetz den Bundestag oder den Bundesrat. Das gilt nicht allein in Bezug auf die deutschen Verbände der privaten Banken, der Sparkassen und der Genossenschaftsbanken; auch ausländische Institute mischen kräftig mit, nicht zuletzt die amerikanischen mit ihren Europa-Aktivitäten unter Führung von Goldman Sachs.

Warren Buffett spendet für Goldman Sachs

Susanne Schmidt, Tochter von Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt und langjährige Mitarbeiterin des Fernsehsenders Bloomberg, hat Goldman Sachs in ihrem 2010 erschienenen Bestseller „Markt ohne Moral“ so beschrieben: „Trotz aller öffentlichen 'Wohltaten' ist Goldman Sachs im Laufe des Herbstes 2009 zum Inbegriff der von Gier getriebenen Investmentbank, ja geradezu zur Inkarnation des Bösen im Finanzwesen geworden.“ Beim Check der Lebensläufe von ehemaligen Spitzenmanagern der Bank ahnt man, warum sie trotzdem fast nach Belieben weiter schalten und walten kann. Um nur zwei prominente Namen zu nennen: Robert Rubin durfte unter Bill Clinton Finanzminister werden, Henry Paulson unter George W. Bush.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Damit ist allerdings noch nicht alles über das raffinierte Beziehungsgeflecht gesagt. Als beispielsweise die internationale Finanzkrise 2008 ihren Höhepunkt erreichte, half wie durch ein Wunder der Multimilliardär Warren Buffett der Bank mit fünf Milliarden Dollar aus. Als Gegenleistung darf er bald einer ihrer Großaktionäre werden.

Weniger windige Bankgeschäfte

In Europa und speziell in Deutschland sind wir zwar noch nicht so weit, dass ehemalige Spitzenbanker wie selbstverständlich in die Politik wechseln, aber das ist nur eine Frage der Zeit. Dagegen dürfte sich so schnell kein Spender von Buffetts Format finden, um einer Bank mit einigen Milliarden auszuhelfen. Indes hat Eurogruppenchef Dijsselbloem mit seinem mutigen Anti-Beitrag zur Rettung zyprischer Banken dafür gesorgt, dass es in Zukunft zumindest weniger „moral hazard“ geben wird und dass die Banken deshalb nicht mehr so viele windige Geschäfte machen werden wie in der Vergangenheit. Steuerzahler, vor allem deutsche, sollten ihm dankbar sein.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%