Gbureks Geld-Geklimper

Startschuss für die Dicke Bertha

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Der Kauf von Staatsanleihen durch die EZB ist praktisch beschlossen. Jetzt beginnt das große Zittern, ob das angepeilte Inflationsziel in absehbarer Zeit zu erreichen ist.

EZB-Präsident Mario Draghi Quelle: dpa

Kein Stress durch den Europäischen Gerichtshof: Ihr Generalanwalt hat den Kauf von Staatsanleihen durch die EZB für rechtens erklärt, basta. Die angemahnten Bedingungen dafür sind Formsache, etwa wenn er die Verhältnismäßigkeit und eine stichhaltige Begründung fordert. Als wenn gravierende Entscheidungen üblicherweise unverhältnismäßig und unbegründet ausfielen! Das Gegenteil ist der Fall.

Wenn das umfangreiche abschließende Urteil dazu im Herbst veröffentlicht wird, dürften die Formalitäten ohnehin längst von den Ereignissen überholt sein. Das nächste wichtige Ereignis steht uns ja schon am 22. Januar bevor, wenn der EZB-Rat Details zum Kauf von Staats- und sonstigen Anleihen bekanntgeben wird.

Reaktionen auf EZB-Zinssenkung und Wertpapierkäufe

Und dann? Fraglos wird es zu einer neuen hitzigen Debatte über diese von den einen als inflationstreibende Schandtat gebrandmarkte, von den anderen als notwendig erachtete Maßnahme kommen. Doch mit Debatten lässt sich keine Geldpolitik betreiben.

Viel spannender ist es, der Frage nachzugehen, was die EZB aus Anlass und im Gefolge ihrer Entscheidung vom 22. Januar unternehmen wird, um die Eurozone auf die Spur zu bringen. Die Spur soll bekanntlich zu einer Inflation von etwas unter zwei Prozent führen, zu einem Ziel, das in Anbetracht der aktuellen Inflation von minus 0,2 Prozent unerreichbar erscheint. Und dennoch, EZB-Chef Mario Draghi hält eisern an diesem Ziel fest. Machen wir uns also auf spannende Monate gefasst!

Harte Kritik an Weidmann und Stark

Draghi erhält zunehmend Unterstützung aus der Wissenschaft, zuletzt vehement von Adalbert Winkler, Professor an der Frankfurt School of Finance & Managemant. Der warnt vor Deflation, ja er meint sogar, es gebe Leute in führenden Positionen, die von Deflationsphobie besessen seien. Winkler watscht in einem Atemzug Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wegen dessen Auslassungen zum Inflationsziel ab und lässt am früheren EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark wegen dessen Warnungen vor der lockeren EZB-Geldpolitilk kein gutes Haar.

Und er warnt, dass mit der bisherigen Geldpolitik allein keine steigenden Inflationsraten herbeigezaubert werden können. Sein Credo: „Sofern die EZB angesichts der Nullzinsgrenze ihrem Mandat nachkommen will, muss sie ihre Bilanz ausweiten. Dies kann nur über den Kauf risikobehafteter privater Papiere oder von Staatsanleihen erfolgen.“

Dazu wird es dann wohl kommen. In Erwartung dessen und weil die Nullzinspolitik schon eine ganze Weile anhält, ist viel Geld in Aktien, Immobilien und weitere Anlagen geflossen, die man allenthalben für Sachwerte hält. Dem schließt sich der Staatsanleihenkauf nahtlos an. Über dessen Wirkung lässt sich trefflich spekulieren.

Insofern ist eine Aussage von Draghi hilfreich, als er neulich auf eine mögliche Blasenbildung angesprochen wurde: „Obwohl wir diese Möglichkeit für die Zukunft nicht ausschließen können, sehen wir derzeit keine spekulativen Blasen.“ Soll wohl heißen: Sofern das viele Geld keinen anderen Weg findet, etwa in produktive Anlagen oder in den Konsum, fließt es vor allem in Aktien und Immobilien.

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