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Gbureks Geld-Geklimper

EZB und Bundesbank geraten in Konflikt

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Streicheleinheiten vom EZB-Präsidenten

Notenbanken im Kaufrausch
Ben Bernanke Quelle: dpa
Bank of London Quelle: REUTERS
Yen-Schein Quelle: REUTERS
Eine Ein-Euro-Münze und ein Schweizer Franken Quelle: dpa

Bei allem Respekt vor Weidmanns Optimismus in puncto Fortbestehen der Währungsunion: Es muss erst gar nicht zu deren Auseinanderbrechen kommen, um die Bundesbank in die Bredouille zu bringen, es genügt ja schon die Fortsetzung der lockeren Geldpolitik der EZB. Deren Präsident Mario Draghi hat in den vergangenen Tagen Vorträge gehalten und Antworten auf Fragen von Journalisten gegeben, aus denen eindeutig hervorgeht, dass er zum einen weiter an dieser Politik festhalten will, zumal er in ihr kein Inflationsrisiko sieht, und dass er zum anderen offiziell keinen allzu großen Gegensatz zwischen der EZB- und der Bundesbank-Politik erkennen will.
Letzteres hat er zuletzt diplomatisch so formuliert: „I do not think the Bundesbank is isolated.“ Aber auch so: „There are always differences of opinion.“ Also das eine Mal so etwas wie verkappte Streicheleinheiten für Weidmann, das andere Mal das Zugeständnis, dass es da wohl doch die eine oder andere Meinungsverschiedenheit gibt.

Der nächste EZB-Bundesbank-Konflikt ist programmiert

Es dürfte in Zukunft immer wichtiger werden, solche Aussagen mitsamt ihren Zwischentönen zu interpretieren. Dass die strikt auf Stabilität ausgelegte traditionelle Bundesbank-Politik in der EZB mehr Gegner als Befürworter hat, lässt sich allein schon aus den Target2-Salden schließen: Da ragt Deutschland vor den Niederlanden bei den Forderungen hervor, während Italien vor Spanien bei den Verbindlichkeit dominiert. Im Übrigen ist die Zahl der Euroländer mit nennenswerten Verbindlichkeiten doppelt so hoch wie die der mit Forderungen, wobei die Salden in beiden Fällen während der vergangenen Jahre dramatisch zugenommen haben.

Europa



In einem Punkt sind sich Bundesbank und EZB einig: Die Politiker müssen einen Schuss vor den Bug bekommen. Folglich haben beide ihre Rückstellungen derart erhöht, dass die Politiker in allen Euroländern gewarnt sind und zum Beispiel für den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble nur noch ein spärlicher Bundesbank-Gewinn übrig bleibt. Allerdings gibt es einen feinen, aber entscheidenden Unterschied zwischen den Absichten der EZB und der Bundesbank: Während die eine ihren Schuss genug sein lässt, möchte die andere am liebsten noch weitere Schüsse abgeben. Das liegt an den unterschiedlichen Zielen der beiden: Die EZB bemüht sich um die Euro-Erhaltung als solche, die Bundesbank um die Erhaltung eines stabilen Euro. Damit ist der nächste Konflikt zwischen Draghi und Weidmann programmiert. Das wird den Euro belasten und ihn mit großer Wahrscheinlichkeit bis auf Weiteres sinken lassen, sogar gegenüber dem wegen der hohen US-Schulden und der extrem lockeren Geldpolitik der USA maroden Dollar.

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