Gbureks Geld-Geklimper

Von der Deflation zur Inflation

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Den Zentralbanken bleibt nichts anderes übrig, als weiter viel Geld in die Märkte zu schleusen. Die amerikanische Fed hat der EZB vorgemacht, wie das geht. Anleger können davon profitieren.

Die zehn größten Euro-Lügen 2013
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Jean-Claude Juncker Quelle: dpa

Geldpolitik, das ist in diesen Tagen vor allem eines: Psychologie. Darauf schien sich Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Fed, lange nicht zu verstehen – ein Irrtum, wie man inzwischen weiß. Denn er bereitet die Finanzmärkte schon seit Wochen, allerdings weniger an diesem Mittwoch, wohldosiert auf das Ende der lockeren Geldpolitik und auf eine Anhebung des Leitzinses vor. Auch das gehört zur Psychologie: Dieses Ende kann noch lange auf sich warten lassen. Jürgen Fitschen, Co-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, interpretiert es so: Mit dem lauten Nachdenken über eine mögliche Zinserhöhung sorgt Bernanke für eine breite Diskussion, und dadurch vermeidet er einen Zinsschock. Wir haben es in diesem Fall also mit einer Art Gelddemokratie nach dem Muster der Schweizer Basisdemokratie zu tun.

Derweil übt sich diesseits des Atlantiks EZB-Chef Mario Draghi ebenfalls als Psychologe, allerdings unter umgekehrten Vorzeichen. Denn das Ende der lockeren Geldpolitik ist ihm zuwider; er möchte am liebsten den ganzen Euroraum mit Geld überschwemmen. Dafür lieferte er am Dienstag, noch einen Tag vor Bernankes Ja-Aber-Statement und dadurch besonders publikumswirksam, bei einem Bankertreffen in Jerusalem den eindeutigen Beweis: „Es gibt zahlreiche weitere Maßnahmen, herkömmliche zinspolitische wie auch außergewöhnliche Maßnahmen, die wir einsetzen können und ergreifen werden, sollten die Umstände dies erfordern.“

Jetzt kommt die Anti-Deflations-Politik

Das war mehr als deutlich. Aber warum? Erstens, weil der Euroraum wie auch das übrige Europa offenbar in eine Wirtschaftskrise hineinschlittert, die in erster Linie dem Umstand zuzuschreiben ist, dass hier – wegen des konjunkturellen Nord-Süd-Gefälles und des damit zusammenhängenden  Problems der einheitlichen Währung für starke und schwache Euroländer – nichts mehr richtig vorwärts geht. Und zweitens, weil Draghis Berater wohl einen Weg gefunden haben, wie den armen Euroländern mittels Geldspritzen von Seiten der EZB geholfen werden kann, ohne dass dies – etwa durch die Bundesbank und das Bundesverfassungsgericht– als unerlaubter Eingriff in die Fiskalpolitik solcher Länder gewertet werden kann. Der Weg führt über einen verbalen Trick: die Umdeutung des – hier vor einer Woche beschriebenen umstrittenen - OMT-Programms in eine Anti-Deflations-Politik.

Das mag zunächst wie Wortklauberei erscheinen, dürfte aber schon bald zur Aktion werden. Und wieder stellt sich die Frage: warum? Klare Antwort: Weil der Euroraum, dessen Konjunktur der amerikanischen und der fernöstlichen hinterher hinkt, nicht zum Auslöser einer internationalen Wirtschaftskrise werden soll. Gewiss, der Ausgang des Experiments mit dem vielen Geld ist ungewiss, doch eine Alternative gibt es nicht. Dass das Geld die Aktienkurse, die Immobilienpreise und zeitweise sogar die Kurse völlig überbewerteter Anleihen aufbläst, nimmt man halt billigend in Kauf.

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