1. Startseite
  2. Politik
  3. Europa
  4. Geldanlage: Wie Sie an die EZB-Milliarden kommen

GeldanlageWie Sie an die EZB-Milliarden kommen

Die Europäische Notenbank verleiht Bares zu Traumkonditionen, zuletzt für drei Jahre zu einem Prozent Zinsen. Die Milliarden hole ich mir – und gründe eine Bank. Aber wie geht das?Annina Reimann 02.04.2012 - 06:00 Uhr

Zu so günstigen Konditionen gibt es selten Geld. Höchste Zeit eine Bank zu gründen. Doch wie macht man das eigentlich?

Foto: WirtschaftsWoche

Als hätte er’s geahnt: Was, fragt Bertolt Brecht, ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Die Europäische Zentralbank (EZB) macht’s möglich: Man leiht sich für drei Jahre ein paar Milliarden zu einem Prozent Zins und legt das Geld zu sicheren drei Prozent an – macht pro Milliarde 20 Millionen Gewinn im Jahr. Klingt nach einem todsicheren Geschäft. Ich will vorbereitet sein, wenn die EZB das nächste Mal Bares verschenkt. Dann mal los: Ich gründe eine Bank. Bloß wie?

Infografik

Die Geldschwemme der EZB

Wie die Europäische Zentralbank mehr als eine Billion Euro in den Kapitalmarkt pumpt, wer das Geld bekommt, wer profitiert und welche Märkte es beeinflusst.

Banklizenzen vergibt die Finanzaufsicht BaFin. Anruf beim Verbrauchertelefon. Eine Dame erklärt, dass ich auf der Internet-Seite der BaFin das „Merkblatt über die Erteilung einer Erlaubnis zum Betreiben von Bankgeschäften“ herunterladen und später den Antrag unter poststelle@bafin.de schriftlich einreichen könne. „Interne Ansprechpartner bekommen Sie erst, wenn Sie Ihre Lizenz haben.“ Habe ich aber nicht. Und bevor
ich meinen Antrag stellen kann, brauche ich Beratung.

Euro oder Gold

Viele Anleger vertrauen nicht mehr dem Euro und sehen in Gold den wahren Wert – sie liegen damit auf lange Sicht goldrichtig. Bekam man im Jahr 2000 für 100 Euro immerhin noch knapp elf Gramm Feingold, sind für die gleiche Summe jetzt nur etwas mehr als zwei Gramm drin.

Foto: WirtschaftsWoche

Der Euro im Währungsmix...

Entscheidend für die deutsche Exportindustrie ist der Kurs des Euro gegenüber den Währungen der wichtigsten Handelspartner (Index 2000=100). Die Euro-Krise hat den Aufwärtstrend gestoppt.

Foto: WirtschaftsWoche

...und gegenüber dem Dollar

Gemessen an der US-Währung hatte der Euro einen schwachen Start – dann stieg er kräftig an und erreichte im April 2008 mit fast 1,60 Dollar seinen höchsten Wert. Doch mit Ausbruch der Finanzkrise sackte er ab.

Foto: WirtschaftsWoche

Bislang kein Teuro

Im Geldbeutel spüren die Bürger den Wert ihrer Währung ganz unmittelbar. Zwar wurde die neue Währung in Deutschland schnell als Teuro beschimpft, doch die Verbraucherpreise sind noch stabil.

Foto: WirtschaftsWoche

Schwellenländer holen auf

Die Währungen der BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China) gewinnen an Bedeutung. Der Euro wertete seit Ausbruch der Krise gegenüber diesen Währungen ab (Index 2000 = 100; Quelle: Thomson Reuters).

Foto: WirtschaftsWoche

Fünf Millionen und zwei Mann

Nächster Versuch: Bankenverband. Die Zentrale verbindet zur Einlagensicherung. Ich wolle mir Geld bei der EZB leihen und bräuchte schnell eine Lizenz. Der charmante Herr am anderen Ende der Leitung weiß Rat: „Kaufen Sie sich ein Buch“, sagt er. Ein Buch? Ja, das Kreditwesengesetz. Da stehe alles drin. Bis
ich mit dem Schinken durch bin, verpasse ich den nächsten EZB-Geldsegen.

Kann er nicht mehr verraten? Er kann: Man brauche mindestens fünf Millionen Euro Eigenkapital und zwei Geschäftsführer mit Vorstandserfahrung im Bankgeschäft. Sie dürften nicht vorbestraft sein und müssten wissen, wie man Kredite genehmigt und Personal führt. Wer die falschen aussucht, riskiert eine Schlappe, wie neulich die Deutsche Bank, deren Kandidat für den Risikovorstand bei der BaFin durchfiel.

Die fünf Millionen würde ich auftreiben, sage ich, und Banker gebe es in Frankfurt doch genug.

So weit, so einfach. Was noch? „Ich überlege gerade, wie ich Ihnen das ausreden kann“, sagt der Mann. Will der mein Geschäftsmodell madig machen? „Nun“, erklärt er, „was ist, wenn Ihre Anlagen an Wert
verlieren?“ Dann solle mich der Staat retten, sage ich. „Sie sind aber nicht systemrelevant. Und außerdem kann man nicht beliebig Euro leihen.“ Wie jetzt? Na, die Zentralbank wolle Sicherheiten für Kredite haben.

Die EZB muss jeder im Europäischen Wirtschaftsraum zugelassenen Bank Kredite geben.

Foto: WirtschaftsWoche
Geldflut der EZB

Die Eine-Billion-Euro-Frage

So schnell lasse ich mich aber nicht abspeisen. Es muss doch einfacher gehen. Im Internet finde ich eine Hamburger Kanzlei. Ein Berater bestätigt mich: „Ja, so wollen im Moment einige Mandanten Geld von der EZB beschaffen.“ Das sei alles kein Problem. Ich müsste praktisch nur überlegen, in welchem Euro-Land ich gründen wolle. Das mit den fünf Millionen Euro und den erfahrenen Geschäftsführern sei überall gleich. Die Besteuerung allerdings sei in dem einen oder anderen Land günstiger als in Deutschland. Klingt verlockend.

Wie schnell er so einen EZB-Zugang besorgen könne, will ich wissen. Eigentlich dauere es ein halbes Jahr, bis auch die Ba-Fin eingewilligt habe, aber eine vorübergehende Zulassung könne man schon nach zwei bis drei Monaten bekommen. Nur Codes für IBAN, Swift und so weiter gebe es dann halt nicht. „Aber die brauchen Sie nicht, Sie wollen ja nur Geld von der EZB“, sagt er. Und das sei – vorausgesetzt man habe fünf Millionen Euro – total einfach. „Die EZB muss jeder im Europäischen Wirtschaftsraum zugelassenen Bank Kredite geben. Es ist schon erschreckend, mit wie wenig Eigenkapital eine Bank Kredit bekommt. Ein Unternehmen mit so wenig Eigenkapital würde jede Bank ablehnen.“

Und dann warnt er noch vor Vorratsgesellschaften, bei denen man eine ganze Bank gleich kaufen könne. „Das ist oft Betrug, diese Banken sind meistens insolvent, das war bislang nie seriös.“

„Großer Kreis von Banken“

Zur Sicherheit frage ich noch an der Quelle nach. Was ist Voraussetzung für das Zentralbankgeld? Nun, heißt es bei der EZB, ihr Werk „The implementation of monetary policy in the euro area“ beantworte alle Fragen. Wichtig seien Kapitel 2 („Zugelassene Geschäftspartner“), 6 („Notenbankfähige Sicherheiten“) und 7 („Mindestreserven“).

Das Papier fängt gut an: Die Kriterien „sind so festgelegt, dass ein großer Kreis von Instituten Zugang zu den geldpolitischen Geschäften des Eurosystems erhält“ – passt. Meine Bank muss in das Mindestreservesystem des Euro einbezogen sein – warum nicht? Wertpapiere im Wert von einem Prozent der Einlagen, die Kunden bei mir einzahlen, muss ich bei der EZB dazu hinterlegen. Aber ich will ja keine Kunden.

Völlig überfordert bin ich aber mit der Definition der „notenbankfähigen Sicherheiten“: Auf 25 Seiten wird erklärt, was ich für meinen Kredit so alles bei der EZB einreichen kann. Sieht so aus, als ob sie alles nehmen, was auf Euro lautet – inklusive Athener Staatsanleihen. Was aber, wenn da bei anderen Banken etwas schiefgeht? Angenommen, ich überlasse die erstklassigen Wertpapiere in meinem Depot wirklich als Sicherheit der EZB – bekomme ich die in drei Jahren wieder? Vielleicht ist ein Banküberfall doch der einfachere Weg.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick