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Geldflut der EZB Die Eine-Billion-Euro-Frage

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Schrottpapiere als Sicherheiten

Beumer Quelle: dpa

15 Milliarden flossen zurück an Staaten. In Deutschland zahlten die IKB, die Commerzbank und die WestLB Hilfsgelder an den staatlichen Stabilisierungsfonds Soffin zurück.

Banken konnten mit dem frisch geschaffenen Geld nicht nur beim Staat, bei der EZB oder Investoren Kredite ablösen, sondern ihnen eröffnete sich ein neues Geschäftsmodell: Schrottpapiere bei der EZB als Sicherheiten einreichen, für ein Prozent Zins Milliarden leihen, Staatsanleihen des Heimatlandes kaufen und sechs Prozent kassieren. Für rund 180 Milliarden Euro haben Banken Staatsanleihen gekauft.

„In den südeuropäischen Schuldenländern ist die Verschränkung zwischen Staat und Banken enger geworden, nachdem die Banken Anleihen ihrer Staaten gekauft haben“, sagt Credit-Suisse-Banker Wieandt. Spanische Banken haben im Januar und Februar 52 Milliarden Euro für Staatsanleihen ihrer Regierung ausgegeben, italienische 32 Milliarden Euro. Selbst bei nur fünf Prozent Anleiherendite pro Jahr würden die Spanier mit diesen Positionen gut sechs Milliarden Euro Gewinn einfahren.

„Das ist für diese Banken ein einträgliches Geschäft, aber kein großes Risiko, weil ihre Existenz ohnehin von der ihres Staates abhängt“, sagt Commerzbank-Vorstand Beumer. „Solche Carry-Trades machen aber nur Banken in Krisenländern“, sagt der Vorstand einer anderen großen Bank, „für deutsche Institute ist das Risiko, dass die Krisenstaaten als Schuldner ausfallen, schlicht zu hoch.“ Stabilere Finanzinstitute trennten sich eher von Bonds der hoch verschuldeten Euro-Staaten zu wieder höheren Kursen. BNP Paribas etwa verkaufte italienische Anleihen im Gegenwert von zehn Milliarden Euro. Auch Versicherer, wie etwa die deutsche R+V-Versicherung, stießen Südeuropa-Anleihen ab. „Deutsche Banken haben das EZB-Geld vor allem dazu genutzt, um Kredite ihrer südeuropäischen Auslandstöchter zu finanzieren“, sagt ein Vorstand einer deutschen Großbank. Diese Töchter haben weniger Kundeneinlagen, finanzieren Kredite also vor allem über die deutsche Mutter. Müssten diese Kredite bei einem möglichen Euro-Austritt des südeuropäischen Landes abgewertet werden, würde die Mutter Milliarden verlieren. Damit soll Schluss sein, Aufsichtsbehörden sehen das nicht mehr gerne. Etwa 60 Milliarden Euro EZB-Geld haben die Euro-Land-Banken, darunter Commerzbank und Deutsche Bank, für ihre Auslandstöchter aufgenommen.

...Zusatzgewinne für Starke

Dabei hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann doch stets beteuert, die Bank brauche keine fremde Hilfe. Anfang Februar formulierte er dann feinsinnig: „Wir brauchen es nicht, machen aber mit, wenn es ökonomisch sinnvoll ist.“

Ähnlich denken die Autobanken. Töchter der nicht gerade schwachbrüstigen Konzerne VW und Daimler etwa haben sich bedient. Dass Kunden jetzt den VW Kleinwagen Up zu 3,9 Prozent auf Pump kaufen können, haben sie auch der EZB zu verdanken. Die Mercedes-Bank ist mit 2,5 Prozent noch günstiger. Man wolle das EZB-Geld eben „schnell in die Wirtschaft fließen lassen“, verlautet aus Stuttgart.

Ein Münchner Privatbanker ist da ehrlicher: „So billig bekommen wir nie wieder Geld. In unserer kleinen Welt ist das ein netter Ertrag“, sagt er. Seine Bank investiert jetzt in Pfandbriefe, die durch Immobilien in Süddeutschland gedeckt sind. Eine Berliner Privatbank hat EZB-Geld in hoch verzinsliche Anleihen mittelständischer Unternehmen gepackt.

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