WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Geldprüfer An Automaten droht Ärger mit Fünf-Euro-Schein

Viele Bezahlautomaten akzeptieren die neuen Banknoten immer noch nicht. Auf die Betreiber kommen zudem schon neue kostspielige Umstellungen zu.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Während viele Bezahlautomaten die neuen Banknoten immer noch nicht akzeptieren, bahnen sich schon neue Probleme für die Betreiber an. Quelle: dpa

Noch sind nicht alle Bezahlautomaten auf die neuen Fünf-Euro-Noten umgestellt, da kündigen sich schon neue Probleme an. "Wenn die Scheine in einem halben Jahr abgegriffen sind, müssen die Automaten noch mal angepasst werden", sagt Gerhard Trost-Heutmekers, Geschäftsführer des Bundesverbandes Parken. Mehrere Automatenhersteller bestätigen, dass dann ein neues Update nötig werden dürfte. Denn die Fünfer sind etwas dicker und haben ein neuartiges Kunststoffmaterial, damit sie länger halten. Daher können die Hersteller noch nicht absehen, ob ihre Geräte auch die abgenutzten Scheine erkennen.

Das sind die neuen Euro-Banknoten
Die Europäische Zentralbank (EZB) stellte die neue "Europa"-Serie der Euro-Scheine im Januar in Frankfurt vor. EZB-Präsident Mario Draghi unterzeichnete symbolisch eine Fünf-Euro-Note und erklärte, die neuen Scheine seien noch haltbarer und sicherer vor Fälschungen. Die neuen Fünf-Euro-Scheine kommen ab dem 2. Mai in Umlauf, die anderen Noten folgen nach und nach. Die neue Serie ähnelt stark der bisherigen, verfügt aber über zusätzliche Sicherheitsmerkmale. Alle alten Euro-Scheine behalten zunächst ihre Gültigkeit. Quelle: dapd
Mehr als zehn Jahre ist es bereits her, dass die ersten Euro-Banknoten ausgegeben wurden. Mit der Zeit sind jedoch auch immer mehr gefälschte Euro-Banknoten in Umlauf gebracht worden – und die Fälschungen wurden zudem immer besser. Dabei hatten die Geldscheine bei ihrer Einführung noch als fälschungssicher gegolten. Im Hologrammband sollen die neuen Scheine ein Porträt der Europa – einer Gestalt aus der griechischen Mythologie und Namensgeberin unseres Kontinents – tragen. So ist Europa unter anderem als Hologramm im Sicherheitsstreifen zu sehen. Dieser wurde neu gestaltet und verbessert. Die EZB bezeichnet die neue Europa-Serie als das Ergebnis von Fortschritten, die in den mehr als zehn Jahren seit der Einführung der ersten Euro-Serie im Bereich Banknoten-Technologie erzielt wurden. Quelle: © Europäische Zentralbank Quelle: Presse
Die Sicherheitsmerkmale konnten weiter verbessert werden; die neuen Euro-Geldscheine werden somit fälschungssicherer sein. Im November 2012 präsentierte die Zentralbank drei der neuen Sicherheitsmerkmale – etwa das Porträt-Wasserzeichen.
Der aufgedruckte Wert der Banknote soll seine Farbe von smaragdgrün in ein tiefes Blau ändern, wenn man den Geldschein etwas neigt. Einen ersten kompletten Geldschein mit den neuen Sicherheitsmerkmalen stellte die EZB im Januar 2013 der Öffentlichkeit vor. Quelle: © Europäische Zentralbank Quelle: Presse
Weitere Neuerungen: An beiden Rändern auf der Vorderseite des 5-Euro-Scheins ist eine Art Riffelung aufgebracht. Das Kürzel für die Europäische Zentralbank ist in neun Sprachen aufgedruckt, bisher waren es fünf. Zudem steht es auf der Vorderseite nicht mehr oben, sondern am linken Rand des Scheins. Und die Oberfläche des Scheins ist wegen einer Speziallackierung relativ glatt. Quelle: dpa
Anfangs werden die beiden Euro-Banknotenserien parallel zueinander im Umlauf sein, dann wird die erste Serie allmählich aus dem Verkehr gezogen und verliert letztlich den Status als gesetzliches Zahlungsmittel. Der Zeitpunkt, zudem dies erfolgt, wird weit im Voraus bekannt gegeben. Ihren Wert behalten die Banknoten der ersten Serie für immer und können daher jederzeit bei den nationalen Zentralbanken des Eurosystems – hierzulande bei der Bundesbank und ihren Zweigstellen - umgetauscht werden. Quelle: dpa

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Dabei wird der neue Fünfer nicht einmal jetzt, einen Monat nach der Einführung, von allen Bezahlautomaten akzeptiert. Probleme hat beispielsweise Fraport: Am Frankfurter Flughafen sind erst drei von 35 Parkautomaten umgerüstet. "Wir können noch nicht absehen, wann die Maßnahme abgeschlossen sein wird", erklärt der Flughafenbetreiber.

    Ein großer Teil der Automaten akzeptiert die Scheine zwar inzwischen, trotzdem gibt es lokal vielerorts noch Nachzügler. Insbesondere kleinere Parkhausbetreiber mussten warten. "Platzhirsche wie die Bahn sind zuerst dran", sagt Detlef Borchert, Chef der Greifswalder Parkraumbewirtschaftungsgesellschaft.

    Neuer 5-Euro-Schein wird nicht überall akzeptiert

    Zudem haben sich einige Firmen erst spät um das Problem gekümmert. "Viele Kunden wachen jetzt erst auf, täglich kommen neue Bestellungen hinzu", sagt Ulrich Fleps, Geschäftsführer der Klaus Gindl GmbH in Mönchengladbach, die für einen der größten deutschen Automatenhersteller für Parkhäuser und Freizeitanlagen mit der Umrüstung betreut ist. Die letztlich abzuarbeitende Menge und die Dauer sei daher noch nicht absehbar, für die Abarbeitung bestehender Aufträge kalkuliert Fleps anderthalb Monate.

    Im nächsten Jahr dasselbe Spiel

    Selten schöne Scheine
    Die 100-Billionen-Dollar-Note aus Simbabwe ist der Geldschein mit dem höchsten Nennwert, der aktuell gültig ist. Einheimische verwenden lieber US-Dollar, als die Hyperinflationswährung ihres Landes. Bei Ebay wird ein solcher Schein verramscht. Josef Gerber hat dafür gerade einmal 30 Euro-Cent gezahlt.
    Die Scheine aus Madagaskar sind nach Meinung des Experten Gerber mit die schönsten der Welt. Sie zeigen die Tier- und Pflanzenwelt des Inselstaates. Gerber: „Geldscheine sind die Visitenkarten der Länder.“ Das macht dieser Schein besonders deutlich.
    Der amerikanische Pop-Art-Künstler James Rizzi gestaltete diesen 10-Euro-Gedenkschein, die bisher einzige Euro-Gedenknote. 409 Stück gibt es von dem Kunstwerk. Nach dem Rizzi kürzlich verstorben ist, blättern Sammler heute dafür 1800 Euro hin.
    Scheine aus dem Irak (Dinar) brachten dem Geldscheinsammler Josef Gerber den Titel vereidigter Gutachter für Weltbanknoten ein. In einem Gerichtsverfahren half er dem Richter bei der Beurteilung der Scheine, auf denen noch der frühere Diktator Saddam Hussein abgebildet war. Der Richter bedankte sich mit der Vereidigung.
    Alte Münzen und Banknoten aus der DDR Quelle: AP
    Auf dem 1000 Ariary-Schein der ehemaligen französischen Kolonie Madagaskar, der nicht mehr gültig ist, ist der im Land bekannte Flötenspieler Rakota Frah abgebildet. Geldsammler Gerber hatte das Land seinerzeit bei der Gestaltung einer neuen Währung beraten. Sein vier Jahre jüngerer Bruder Franz Gerber war dort auch einst Fußball-Nationaltrainer.
    Der Zwanzig-Mark-Schein der DDR ist die einzige deutsche Gedenknote und war nie gültiges Zahlungsmittel. Damit habe jemand kurz vor Schluss noch einmal richtig Geld verdient, berichtet Gerber. Der Schein kam am 22. Dezember 1989 auf den Sammlermarkt. Heute ist er etwa 400 Euro wert.

    Viele Unternehmen kritisieren die sehr knappe Zeit seit der Vorstellung der neuen Banknote im Januar. Die Hersteller hätten daher zu wenig Zeit gehabt, die Umstellung vorzubereiten. Einige Anbieter haben daher schon die dritte Version einer Software bekommen, denn anfangs war die Erkennungsrate sehr schlecht.

    Zudem lassen sich viele Automaten die zehn Jahre und älter sind nicht durch ein einfaches Softwareupdate umstellen. Dort müssen die Geldprüfer komplett ausgetauscht werden. Insbesondere beim Austausch der Geldprüfer gibt es nach Angaben verschiedener Unternehmen Lieferengpässe. "Wir brauchen Platinen, die derzeit nicht verfügbar sind", erklärt beispielsweise das Unternehmen Büroga Verzögerungen. Die Wuppertaler Firma rüstet Kantinen mit Aufladestationen für Plastikkarten aus.

    Top-Jobs des Tages

    Jetzt die besten Jobs finden und
    per E-Mail benachrichtigt werden.

    Standort erkennen

      Problem beim neuen Fünf-Euro-Schein: Automaten schalten auf stur

      Mercedes ohne Update

      Auch Claus Schnell musste die Erfahrung machen, dass die Umstellung mit einem einfachen Update nicht getan ist. Dabei hatte sich der Chef von Bavaria Parkgaragen bei der Euro-Umstellung extra für den BN501 entschieden - das teuerste Geldprüfmodul von Mars Electronics, einer Tochter des Schokoladen- und Lebensmittelriesen. "Das war damals der Mercedes unter den Prüfern aber ausgerechnet der lässt sich nicht updaten", schimpft Schnell.

      Statt 800 Euro für ein Update musste er nun pro Automat 3.500 Euro bezahlen. Viele Unternehmen überlegen daher, alte Automaten gleich komplett auszutauschen. Dafür werden allerdings 20.000 Euro und mehr fällig. Allein die deutschen Parkhausbetreiber kostet die Umrüstung nach Branchenschätzungen mindestens 15 Millionen Euro. "Dabei gibt es für uns keinen Mehrwert, denn bislang hatten wir keine Probleme mit Falschgeld", sagt der Greifswalder Parkhausbetreiber Borchert.

      Europa



      Die Unternehmen fürchten daher bald erneut Techniker beauftragen zu müssen - wenn ihre Automaten die ersten abgegriffenen, nicht mehr ganz so neuen Fünfer zurückweisen. Doch zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es: "Vielleicht können wir das Update gemeinsam mit den Zehn-Euro-Scheinen abfrühstücken", sagt Automatenhersteller Fleps.

      Denn spätestens wenn die neue Variante der Zehner-Noten eingeführt wird wiederholt sich laut Verbandschef Trost-Heutmekers das Spiel: "Nächstes Jahr geht es wieder von vorne los."

      © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
      Zur Startseite
      -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%