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Gerhard Cromme "Es gibt keine Alternative zur Achse Berlin-Paris"

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Achse Berlin-Paris

Merkel und Hollande Quelle: REUTERS

Klingt diplomatisch und rücksichtsvoll, nehmen die Franzosen Ihnen das ab?

Man muss auch nicht immer Nabelschau betreiben...

...aber deswegen die Vorzüge der deutschen Wirtschaft auch nicht ganz verschweigen.

Zur Wettbewerbsfähigkeit gehören viele Dinge. Für unsere französischen Partner ist besonders das Verhältnis von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in Deutschland immer wieder ein Grund zum Staunen. Die deutsche Mitbestimmung hat sich über viele Jahre entwickelt und mehr als bewährt. Man kann das deutsche Mitbestimmungsmodell aber nicht eins zu eins auf Frankreich übertragen. Erstens sind die französischen Gewerkschaften im Vergleich zu den deutschen eher schwach, und zweitens haben wir in Deutschland auch 30 Jahre gebraucht, um zu lernen, mit der Mitbestimmung positiv umzugehen und sie nicht als Gängelung des jeweils anderen misszuverstehen. In Frankreich wird das Verhältnis von Arbeit und Kapital manchmal noch zu sehr als unversöhnlicher Widerspruch gesehen.

Sie sind aufs Schwerste von den Gewerkschaften angegriffen worden, als Sie als Krupp-Chef das Stahlwerk Rheinhausen 1988 schlossen, danach feindlich den damaligen Konkurrenten Hoesch übernommen und schließlich mit dem Marktführer Thyssen zur ThyssenKrupp AG fusioniert haben. Liefe das heute anders?

Damals gab es Blessuren auf beiden Seiten. Aber die sind verheilt. Wir haben alle dazugelernt.

Wieso sollte das nicht auch in Frankreich funktionieren?

Ich würde dringend davon abraten, das heute bei uns praktizierte Mitbestimmungsmodell auf Frankreich zu übertragen. In Frankreich könnten mit diesem Grad der Kooperation weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer umgehen. Das funktioniert nicht, und eine Vorbildfunktion Deutschlands wäre im Sinne eines Patentrezepts das Grundfalsche. Gleichwohl haben wir nach Jahrzehnten praktischen Umgangs mit den Instrumenten der Mitbestimmung einiges erreicht, die Kurzarbeit, die Lohnzurückhaltung besonders in den schweren Jahren 2000 bis 2005.

Wer sich gegen Merkels Euro-Kurs stellt
Klaus-Peter Willsch (CDU)Willsch ist seit 2000 im Vorstand der hessischen CDU und seit 1998 - stets direkt gewählt - Bundestagsmitglied, wo er im Haushaltsausschuss seit 2005 dem Unterausschuss zu EU-Angelegenheiten vorsitzt. Quelle: Reuters
Alexander Funk (CDU)Der 37-jährige Kaufmann aus dem Saarland schaffte 2009 als erster CDU-Abgeordneter seit 1965 einen Wahlsieg im Wahlkreis Homburg. Quelle: CDU
Veronika Bellmann (CDU)Die ehemalige Erzieherin und Kauffrau aus dem Erzgebirge ist seit 2002 Bundestagsmitglied. Quelle: CDU-/CSU-Fraktion
Manfred Kolbe (CDU)Der ehemalige sächsische Staatsminister der Justiz sitzt bereits seit fast zwei Jahrzehnten im Bundestag. Quelle: dpa
Thomas Dörflinger (CDU)Der ehemalige RTL-Radio-Journalist aus Baden sitzt seit 1998 im Bundestag, wo bereits sein Vater Werner Politik machte. Der Katholik ist Vorsitzender des Kolpingwerks. Quelle: CDU/CSU-Fraktion
Sylvia Canel (FDP)Gymnasiallehrerin aus Hamburg und Bundestagsmitglied seit 2009. Seit 2012 ist sie Landesvorsitzende der FDP Hamburg. Quelle: PR
Lutz Knopek (FDP)Seit 2009 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages. Dort ist Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sowie im Sportausschuss. Knopek ist zudem Mitglied im Landesvorstand der FDP Niedersachsen. Quelle: PR

Meinen Sie, dass sich Merkel und Hollande irgendwann zusammenraufen, jenseits von Parteigrenzen?

Daran habe ich überhaupt keinen Zweifel. Es gibt keine Alternative zur Achse Berlin–Paris. Das war die Botschaft des Antrittsbesuches des französischen Präsidenten vergangene Woche in Berlin. Kanzlerin Merkel ist eine ausgesprochene Pragmatikerin. Und so, wie ich Präsident Hollande kennengelernt habe, geht er nicht ideologisch und kurzfristig orientiert, sondern unaufgeregt und vorausschauend an die Dinge heran.

Woher haben Sie diesen sehr persönlichen Eindruck?

Vor wenigen Wochen habe ich mich mit Präsident Hollande im kleinen Kreis zum Abendessen getroffen. Er ist ein sehr sachlicher Mensch, der ganz genau weiß, dass er im Grunde genommen nicht sehr viel Zeit und wahrscheinlich auch keine großen Spielräume für politische Entscheidungen hat, weil die Märkte Druck auf seine Wirtschaft und auf den Euro ausüben. Bei unserem Treffen erschien er mir als überzeugter Europäer. Er will 2017 die Maastricht-Kriterien erfüllen. Und er pochte darauf, dass wir alle zusammen alles tun müssen, um den Euro zu erhalten. Das sind die Grundvoraussetzungen einer guten Zusammenarbeit zwischen Merkel und Hollande – und letztlich auch für eine gemeinsam ausgerichtete Wirtschafts- und Stabilitätspolitik.

Hollande ist der Mitte-links-Fraktion bei den Sozialisten zuzuordnen und mit François Mitterrand, der deutlich weiter links stand, nicht zu vergleichen. Mit wem würden Sie Hollande vergleichen?

Eher mit dem Sozialisten Jacques Delors, seinem politischen Ziehvater, der Finanzminister unter Mitterrand war und danach Präsident der EU-Kommission. Man kann die französischen Sozialisten nicht mit der deutschen Sozialdemokratie vergleichen. Bei den französischen Sozialisten gibt es ganz verschiedene Strömungen, Pragmatiker, Marxisten, Anarchisten, Leute, die ein ganz anderes System wollen. Hollande ist ein Politiker, der eher einem rechten deutschen Sozialdemokraten entspricht. Im Wahlkampf musste er den sozialistischen radikalen Kräften seiner Partei einige Zugeständnisse machen, und er wird auch einige Dinge umsetzen müssen, damit er zumindest einen Teil seiner Wahlversprechen hält. Um die französische Wirtschaft zu reformieren, um die entsprechenden Gesetze durchzubringen, braucht er seine sozialistische Partei.

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