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Görlachs Gedanken

Die Antwort auf Terrorismus lautet Barmherzigkeit

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Moralischer Bankrott

Hier werden Barmherzigkeit und Gerechtigkeit miteinander verbunden, was der alte Kunstgriff schlechthin in der Ökonomie des Heils ist: die beiden göttlichen Qualitäten treffen sich in der Tugendmitte. Wenn Gott zu hundert Prozent gerecht wäre, könnte er nicht mehr barmherzig sein. Wäre er hingegen zu einhundert Prozent barmherzig, der Gerechtigkeit könnte nicht mehr genüge getan werden. Gott ist beides und somit stehen die beiden Eigenschaften im Bezug und Austausch zueinander. Was für Gott gilt, gilt in analoger Weise hier auch für den Menschen:

Eine Politik der Barmherzigkeit ist kein Gutmenschen-Gedöns, sondern ein Abwägen mit Augenmaß. Es geht in der gegenwärtigen Krise nicht darum, ob Europa alle Flüchtlinge der Welt aufnehmen kann oder nicht. Es geht darum, wie wir uns diesen Menschen gegenüber, die es zu uns aus äußerster Not und unter Aufbietung aller Kräfte schaffen, innerlich positionieren, wie wir ihnen entgegen treten. In der überhitzten Debatte, die sich im Moment in vielen christlich geprägten Nationen Europas gegen die Flüchtlinge richtet, wird eine große Übereinkunft aufgebrochen, eine abendländische Gewissheit aufgehoben, nämlich die, dass es Gerechtigkeit nicht ohne Barmherzigkeit und dass es Barmherzigkeit nicht ohne Gerechtigkeit gibt.

„Check and Balances“, also gegenseitige Kontrolle, nennt man das in der Staatslehre der europäischen, aufgeklärten Neuzeit. Machtansprüche dürfen dabei niemals absolut sein, sondern müssen von einer Gegenkraft in Schach gehalten und kontrolliert werden. Recht und Moral, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, müssen sich gegenseitig stützen. Eine Verabsolutierung des Rechts, seine Vergottung möchte man vielleicht sagen, bringt keine Gerechtigkeit, was die Gesetze der Apartheit in Südafrika, der Rassengesetze, die im vergangenen Jahrhundert in den USA Gültigkeit hatten und die Nürnberger Rassengesetze der Nazis belegen.

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    Große Terroranschläge in Europa

    Auch dem Islam ist dieses Spannungsverhältnis nicht fremd: Zu „Allahs schönen Namen“, wie die Tradition jene nennt, die im Koran vorkommen, gehören „der Barmherzige“ und „der Gerechte“. Heute bringen die selbsternannten Bewahrer des Islam Terror, Folter, Tod über ihre Glaubensgeschwister, über Christen, Juden, Jesiden, alle, die in ihr pseudo-legalistisches Weltbild nicht passen. Wohin sich eine Kultur entwickeln kann, wenn der Buchstabe keinen Geist mehr atmet, wenn Barmherzigkeit und Moral nicht als legitime Partner von Recht und Gerechtigkeit anerkennt werden, sehen wir derzeit in der islamischen Welt, in der ISIS, Al Qaida, Boko Haram Grausamkeiten im Namen Allahs begehen, der als „Erbarmer“ und „Barmherziger“ doch zu Beginn der Suren des Koran - auch von ihnen - angerufen wird.

    Papst Franziskus spendet Segen Urbi et Orbi

    Die freie, aufgeklärte, christliche Welt muss der Versuchung widerstehen, als Antwort auf die Bedrohung durch islamistische Terroristen von ihren Standards abzuweichen und damit einem herzlosen Recht zur Geltung zu verhelfen, das keinen Deut Barmherzigkeit mehr atmet. In ökonomischen Termini wäre das nichts anderes als ein Bankrott. Zu Ostern haben uns gleich zwei Päpste vor einer solchen Entwicklung gewarnt.

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