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Griechenland Athen wird die IWF-Rate nicht zahlen

Nach den gescheiterten Schulden-Gesprächen hält die griechische Regierung Banken und Börse des Landes für eine Woche geschlossen. Zudem gab sie bekannt, die am Dienstag fällige IWF-Rate werde nicht beglichen. Die Ereignisse im Überblick.

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Die Folgen eines „Grexits“
Das Nationalgetränk der Griechen droht für einen normalen Arbeiter zum unbezahlbaren Luxusgut zu werden: Ein Frappé, also eine Nescafé mit Milch, Eiswürfeln und einem Strohhalm kostete kurz vor der Einführung des Euro etwa 100 Drachmen. Das entsprach damals rund 30 Euro-Cent. Als die Griechenland-Krise ausbrach, vor etwa sieben Jahren, kostete ein Frappé bereits zwischen 2,50 und drei Euro. Quelle: dpa
Noch im Laufe des Aprils muss Griechenland zwei Staatsanleihen im Wert von 2,4 Milliarden Euro an seine Gläubiger zurückzahlen. Im Mai werden weitere 2,8 Milliarden Euro fällig, von Juni bis August muss Athen noch einmal mehr als zwölf Milliarden Euro an Schulden zurückzahlen. Woher das Geld kommen soll, ist völlig unklar. Quelle: dpa
Die sozialen Probleme sind groß, die Renten wurden gekürzt, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Die Regierung Tsipras plant deshalb Steuererleichterungen und die Wiedereinstellung von Beamten. Allein diese Maßnahmen werden im laufenden Jahr nach Berechnungen der griechischen Regierung mindestens zwölf Milliarden Euro zusätzlich kosten. Quelle: dpa
Schon seit Wochen ist von einem „Grexit“ die Rede, dem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, vielleicht sogar verbunden mit einem drastischen Schuldenschnitt. Hinter der öffentlichen Spekulation könnte Absicht stecken. Quelle: ap
Würde eine neu eingeführte Drachme gegenüber dem Euro abwerten, könnte sich die griechische Regierung nach und nach leichter entschulden. Ein Austritt der Griechen aus dem Euro böte auch noch andere Vorteile: So würde die griechische Export-Wirtschaft von einer Abwertung der Landeswährung profitieren. Quelle: dpa
Besonders teuer würde ein „Grexit“ für Menschen mit geringem Einkommen und den Mittelstand mit Sparguthaben auf  griechischen Bankkonten, während das Geld reicher Griechen im Ausland unangetastet bliebe. Quelle: dpa
Die Gläubiger werden so oder so auf Reformen beharren. Für Tsipras kommt es deshalb eigentlich nur darauf an, seinen eigenen Wählern gegenüber eine möglichst gute Figur in den Verhandlungen abzugeben. Das gilt allerdings auch für seine europäischen Partner auf der anderen Seite des Verhandlungstisches. Für alle Beteiligten ist es wichtig, dass eine Lösung der griechischen Haushaltsprobleme möglichst wenige Kollateralschaden verursacht. Quelle: dpa


+++23.45 Uhr+++

Ministerpräsident Tsipras verbindet seine politische Zukunft mit dem Ergebnis des Referendums. Die linksgerichtete Regierung in Athen werde bei der Volksabstimmung zwar ein "Ja" der Bevölkerung respektieren. "Wir werden aber nicht diejenigen sein, die sie ausführen", erklärt Tsipras.

+++22.32 Uhr+++

Tsipras bestätigt in einem Interview des griechischen Staatsfernsehens, dass Griechenland die am Dienstag fälligen Juni-Raten an den IWF nicht zahlen wird. Die Zahlung werde nicht erfolgen, wenn es nicht über Nacht noch eine Einigung mit den internationalen Gläubigern gebe.

Das sagen Analysten zur Lage Griechenlands


+++19.37 Uhr+++

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hält die Folgen, wenn das Hilfsprogramm ausläuft, für beherrschbar. Das werde ohne eine „dramatische, unkontrollierbare Zuspitzung“ ablaufen, sagt Schäuble laut Teilnehmern in einer Sondersitzung der Unionsfraktion. Er sehe keine Gefahr für eine Ansteckung anderer Euro-Länder. Hätten die Geldgeber den Wünschen der griechischen Regierung einfach nachgegeben, hätte die Eurozone „jede Substanz“ verloren. „Europa muss gelassen, klar und entschlossen bleiben“, so Schäuble.

+++19.00 Uhr+++

Unionsfraktionschef Volker Kauder schließt weitere Hilfen für Griechenland nach dem Referendum nicht aus. „Wenn das Ergebnis der Volksbefragung vorliegt, werden wir abzuwarten haben, was Griechenland sich dann vorstellt“, so Kauder. Das zweite Hilfsprogramm für das akut pleitebedrohte Land laufe nach dem Abbruch der Verhandlungen definitiv in der Nacht zum Mittwoch aus. Griechenland stehe es aber frei, sich nach dem Referendum am 5. Juli um ein neues Hilfspaket nach den Regeln des Euro-Rettungsschirms ESM zu bemühen. „Auch dort gilt dann Leistung und Gegenleistung“, betont Kauder. Die Tür sei nicht zu. „Aber die Bedingungen für ein Hilfsprogramm haben sich nicht geändert.“ Die Regeln in Europa würden nicht durch eine Volksabstimmung in Griechenland entschieden.

+++18.26 Uhr+++

Griechenland wird nach Angaben eines Regierungsvertreters die am Dienstag fällige IWF-Kreditrate von 1,6 Milliarden Euro nicht zahlen. Damit wäre Griechenland das erste Industrieland, das bei dem Internationalen Währungsfonds in Zahlungsrückstand gerät.

+++18.01 Uhr+++

Dem Dax haben die Griechenland-Wirren den größten Tagesverlust seit Jahren eingebrockt. Ein Crash an Europas Börsen blieb wie von Experten erwartet am aber aus. Der Dax schließt 3,56 Prozent schwächer bei 11.083,20 Punkten. Am Freitag hatte sich der deutsche Leitindex noch mit einem satten Wochenplus von mehr als 4 Prozent aus dem Handel verabschiedet.

"Wir sind entsetzt über die Entwicklung in Griechenland"

+++18.00 Uhr+++

"Wir teilen die Einschätzung der Bundesregierung, dass ein Referendum ein legitimes Mittel ist, um die Bevölkerung zu befragen. Gleichzeitig läuft aber mit dem morgigen Tag das Hilfspaket für Griechenland aus", sagt FDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner. Der Abstimmung in Griechenland komme damit zwar eine hohe symbolische Bedeutung zu, das Angebot der Euro-Gruppe liege dann aber nicht mehr auf dem Tisch. "Eine Verlängerung des Hilfspakets kann es unter diesen Umständen weiterhin nicht geben. Die Bundesregierung sollte deshalb auch keine neue Hilfe ins Schaufenster stellen", so Lindner.

+++17.55 Uhr+++

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann wirft der griechischen Regierung vor, die eigenen Bürger für parteipolitische Zwecke zu instrumentalisieren. Die griechische Bevölkerung werde "eingesetzt als Geiseln, um angeblich die Verhandlungsposition für Syriza zu verbessern", so Oppermann. "Wir sind entsetzt über die Entwicklung in Griechenland." Nach dem Referendum bleibe die Tür aber offen für Gespräche über ein drittes Hilfsprogramm. "Hilfe kann es nur geben Zug um Zug gegen die notwendigen Reformen in Griechenland", unterstreicht Oppermann jedoch.

+++17.21 Uhr+++

Frankreichs Präsident Francois Hollande telefoniert nach Angaben seines Amtes mit seinem US-Kollegen Barack Obama. Beide Staatschefs wollten sich darum bemühen, beim Neustart des Dialogs in der Griechenland-Krise zu helfen, heißt es.

"Grexit macht Griechen wieder wettbewerbsfähig"
Der Präsident des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn Quelle: dpa
Grünen-Vorsitzender Cem Özdemir Quelle: dpa
Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) Quelle: dpa
Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras Quelle: AP
EU-Parlamentspräsident Martin Schulz Quelle: dpa
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier Quelle: REUTERS
Bundesvorsitzende der Linken, Katja Kipping Quelle: dpa

+++16.58 Uhr+++

Ähnlich wie Gabriel und Merkel bezeichnet auch Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi das griechische Referendum als eine Wahl zwischen dem Verbleib im Euro und der Rückkehr zur Drachme.

+++16.45 Uhr+++

Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters schätzen Ökonomen und Händler die Wahrscheinlichkeit eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone auf 45 Prozent. Bei der Umfrage eine Woche zuvor waren es noch 30 Prozent gewesen. Die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls Griechenlands bei der am Dienstag fälligen 1,6 Milliarden Euro schweren IWF-Rate schätzen sie auf 90 Prozent - hier waren es zuletzt 50 Prozent gewesen.

+++16.29 Uhr+++

Laut einem Insider sollen voraussichtlich am Donnerstag Hunderte griechische Bankfilialen zur Auszahlung von Pensionen öffnen. Es gebe entsprechende Bemühungen, so ein Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte. Diese Ausnahme gelte für schätzungsweise 850 Filialen. Sie blieben ansonsten die gesamte Woche geschlossen und dürften auch keine anderen Geschäfte abwickeln.

+++16.12 Uhr+++

Die Tür für Verhandlungen mit Griechenland bleibt nach den Worten von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem offen.

+++16.07 Uhr+++

Europaparlaments-Präsident Martin Schulz sagt, es sei für ihn nur schwer erklärbar, dass eine Regierung so irrational handle, wie die griechische. Tsipras habe ihm in einem Telefonat gesagt, dass bei dem geplanten Referendum die Reformvorschläge der internationalen Gläubiger vom vergangenen Donnerstag zu Abstimmung gestellt werden sollten.

+++15.45 Uhr+++

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter fordert unverzüglich einen Sondergipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs. Die Gefahr für den Euro und das Projekt Europa sei größer, als sie vielen erscheine und Linken-Fraktionschef Gregor Gysi sieht eine Pflicht, den Euro und Europäische Union zu retten. Es wäre verheerend, wenn sie gefährdet würden. Benötigt werde nun eine Alternative zur Sparpolitik.



Jean-Claude Juncker: "Ich fühle mich ein bisschen hintergangen"

+++15.37 Uhr+++

"Wenn jemand mit uns sprechen möchte, sind wir jederzeit bereit zu sprechen", so Merkel. Die Bundesrepublik brauche sich keine Sorgen machen. "Der ESFS ist auf lange Zeit finanziert und wenn Belastungen kommen, dann sehr spät", so Merkel. Die ausgeglichenen Bundeshaushalte würden in keiner Form in Frage gestellt.

An Spekulationen, wie Griechenlands Regierung als nächstes handele, wollte sie sich nicht beteiligen: „Wir müssen sehr vorsichtig sein, was für Botschaften wir senden“, so Merkel „Ich reise jederzeit zu einer Einladung. Aber es gibt im Augenblick für mich keinen zwingenden Grund, einen solchen Sondergipfel zu machen.“ Zugleich stellt Merkel klar, dass sie vor der Volksabstimmung am Sonntag nicht erneut nach Athen reisen wolle.

+++15.35 Uhr+++

"Nachdem, was ich jetzt gelernt habe, ging es der griechischen Seite immer darum, die Umschuldung ohne ein drittes Programm und damit ohne Bedingungen zu bekommen", so Gabriel. "Das wäre nicht mit den Regeln der Währungsunion und des deutschen Bundestags vereinbar und auch nicht rechtens."

Teuer, aber machbar - Euro ohne Griechenland

+++15.26 Uhr+++

"Es ist im Kern die Entscheidung - ja oder nein - zum Verbleib in der Eurozone", sagt Gabriel über das Griechenland-Referendum. Man habe in den vergangenen Tagen versucht dies zu verhindern . Dafür sei ein "weitgehendes Angebot" unterbreitet worden. "Ein Angebot, das weiter geht und weiter ging als alles, was bislang Griechenland angeboten wurde. Es ist qualitativ neu und es zeigt einen echten Ausweg aus der Krise und es hat Rücksicht genommen auf die soziale Härte", so Gabriel.

"Die griechische Regierung hat dieses Angebot nicht weiterverhandelt, sondern einen anderen Weg eingeschlagen", so Gabriel. Europa könne aber nicht andauernd bedingungslose Finanzhilfen geben. "Wir müssen auch unserer eigenen Bevölkerung erklären können, dass dadurch auch die Krise gelöst und nicht unnötig verlängert wird."

+++15.19 Uhr+++

"Europa kann nur funktionieren, wenn es kompromissfähig ist", so Merkel. Auf der griechischen Seite fehle allerdings die notwendige Kompromissbereitschaft.

+++15.15 Uhr+++

"Wir sehen, dass Europa bewusster auf eine solche Situation reagieren kann als vor fünf Jahren", sagt Merkel. "Sollte die griechische Regierung etwa nach dem Referendum um weitere Hilfen bitten, werden wir uns solchen Verhandlungen nicht verschließen." Es sei ein legitimes Recht ein Referendum durchzuführen, so Merkel. Allerdings sei es genauso das Recht der Euro-Länder darauf zu reagieren und das Hilfsprogramm auslaufen zu lassen.

+++14.48 Uhr+++

Regierungschef Alexis Tsipras bemüht sich bei der EU um eine kurzfristige Verlängerung des Hilfsprogramms. Der Ministerpräsident habe Juncker um Unterstützung gebeten, sagte ein Regierungsvertreter aus Athen. Es gehe um "ein paar Tage" Aufschub, um die Liquidität des griechischen Bankensystems im Vorfeld des geplanten Referendums über die Reformvorschläge der internationalen Gläubiger wiederherzustellen.

+++14.42 Uhr+++

Griechenland hat eine Gebühr in Höhe von 50.000 Euro beim EFSF nach Angaben eines Sprechers des Euro-Rettungsfonds fristgerecht gezahlt. Wäre die Zahlung nicht erfolgt, hätte der EFSF - der größte Gläubiger des Landes - einen Zahlungsausfall feststellen müssen.

+++14.30 Uhr+++

Tsipras hat einem Regierungsvertreter zufolge mit EU-Parlamentspräsident Martin Schulz telefoniert und um Unterstützung für ein verlängertes Hilfsprogramm gebeten. Auch Juncker habe Tsipras gesprochen.

+++13.48 Uhr+++

Eine Währungsreform in Griechenland wäre nach Angaben aus der Gelddruckbranche rein logistisch nicht kurzfristig zu stemmen. "Im Regelfall dauert es mindestens ein bis anderthalb Jahre, eine Währung ganz neu aufzusetzen", sagte eine Sprecherin des Münchner Banknotendruckers Giesecke & Devrient. Allein der Druckprozess dauere mindestens ein halbes Jahr. Davor müsse nicht nur das Design der Banknoten feststehen, sondern auch das Spezialpapier bereits hergestellt sein.

+++13.36 Uhr+++

Angesichts von Bargeld-Engpässen soll der Nahverkehr im Großraum Athen die gesamte Woche über kostenlos sein. Busse und U-Bahnen sollten spätestens ab Dienstag in der gesamten Region bis 7. Juli ohne Tickets genutzt werden dürfen, sagte der stellvertretende Verkehrsminister Christos Spirtzis dem Fernsehsender Mega. Der Großraum Athen ist mit etwa vier Millionen Menschen das größte Ballungszentrum des Landes. Unter anderem gehört auch der größte Hafen des Landes - Piräus - dazu.

So spotten Griechen über ihre Geldautomaten
Die Situation im Land sei nur mit Humor zu ertragen, meint der griechische Journalist Vagelis Theodorou, der diese Fotomontage ins Netz stellte. Quelle: Handelsblatt Online
"Herr, erbarme dich!" schreibt er zu einem Foto, dass ein überarbeitetes Bild einer Prozession zeigt. Statt einer Monstranz trägt eine Gruppe Männer im Anzug einen Geldautomaten spazieren. Einer der Träger: der ehemalige griechische Ministerpräsident Antonis Samaras, Amtsvorgänger von Alexis Tsipras. Das Originalbild der Prozession scheint aus dem Jahr 2011 zu stammen. Quelle: Handelsblatt Online
Vielfach geteilt wurde in Griechenland am Wochenende dieses gestellte Foto. Quelle: Handelsblatt Online
„Nur Abhebungen über 500 Euro. Wir haben keine 50, 20 und 10 Euro-Scheine. Gehen Sie für Wechselgeld zur deutschen Botschaft." Quelle: Handelsblatt Online
Ein beliebtes Spiel: Die Anzeige eines Geldautomaten mit einem anderen Motiv austauschen. Ein griechischer Experte für Gasgeräte teilte diese Bildmontage, die auf den Videospiel-Klassiker Pacman im Geldautomaten-Display zeigt. Quelle: Handelsblatt Online
Der griechische Comedian „Blink Mike“ wählte ein anderes Motiv. Er kombinierte Bilder von riesigen Rockkonzerten und einem Truppenaufmarsch aus dem Filmepos „Herr der Ringe“ und verglich sie mit dem Gedränge vor griechischen Geldautomaten. Quelle: Handelsblatt Online
Das Foto eines Geldautomaten auf der Insel Mykonos, geschmückt mit einem ironischen Zettel: „Kein Geld hier. Nur Liebe!“ Quelle: Handelsblatt Online

+++13.13 Uhr+++

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker äußert scharfe Kritik an der Regierung in Athen. Deren Vorschläge seien oft zu spät oder heillos ungelenk gewesen, sagt er in Brüssel. Das vorgeschlagene Sparpaket sei nicht dumm, sondern zeige einen klaren Weg voran. Es sei an der Zeit, den Menschen in Griechenland die Wahrheit zu sagen. Juncker forderte die Griechen auf, mit „Ja“ zu stimmen. Bisher empfiehlt der griechische Premier Alexis Tsipras ein „Nein“. "Wenn die Griechen mit 'Ja' stimmen, ist das ein Zeichen an die EU und die Welt, dass Griechenland im Euro bleiben will", so Juncker. Dies gelte auch, wenn die Fragestellung in der Volksabstimmung noch geändert werde.

Der Regierung in Athen machte er schwere Vorwürfe, die Reformvorschläge nicht angenommen und stattdessen das Referendum angesetzt zu haben. "Nach allen den Anstrengungen, die ich unternommen habe (...) fühle ich mich ein wenig verraten, denn die Menschen berücksichtigen meine persönlichen und die Anstrengungen vieler anderer Menschen nicht genug." Der Versuch, eine Demokratie gegen 18 andere der Euro-Zone auszuspielen, stehe Griechenland nicht. Gleichwohl sagte er, die Tür für Verhandlungen stehe weiter offen. Neue Vorschläge unterbreitete Juncker nicht. Die griechische Seite habe nicht mehr besonnen verhandelt, sonder sei zu „Egoismus, taktischen Spielchen und populistischen Spielchen“ übergangen. „Ich fühle mich ein bisschen hintergangen.“

China hofft auf einen starken Euro

+++13.05 Uhr+++

Bundeskanzlerin Merkel hat die Hoffnung Athens auf ein noch besseres Angebot der Geldgeber gedämpft. Die europäischen Grundsätze dürften nicht ignoriert werden: „Wir könnten sie kurzfristig vielleicht aufgeben. Wir könnten vielleicht sagen, geben wir einfach mal nach. Aber ich sage: Mittel- und langfristig werden wir damit Schaden nehmen“, sagte Merkel beim Festakt zum 70. Geburtstag der CDU in Berlin.

+++12.37 Uhr+++

Das russische Präsidialamt zeigt sich besorgt wegen möglicher negativer Auswirkungen der Griechenland-Krise auf die EU. Die Regierung in Moskau verfolge die Entwicklung sehr genau, sagt ein Sprecher.


+++12.11 Uhr+++

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag macht sich dafür stark, die Kontakte zu Griechenland nicht abreißen zu lassen. "Im Moment helfen wir aus Deutschland heraus am ehesten, wenn wir versuchen, die Geschäftsbeziehungen zu griechischen Partnern aufrechtzuerhalten und auch weiterhin als Touristen nach Griechenland reisen", sagt DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

"Grexit macht Griechen wieder wettbewerbsfähig"
Der Präsident des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn Quelle: dpa
Grünen-Vorsitzender Cem Özdemir Quelle: dpa
Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) Quelle: dpa
Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras Quelle: AP
EU-Parlamentspräsident Martin Schulz Quelle: dpa
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier Quelle: REUTERS
Bundesvorsitzende der Linken, Katja Kipping Quelle: dpa

+++11.13 Uhr+++

Griechenland wird nach Einschätzung von EU-Währungskommissar Pierre Moscovici die am Dienstag fällige Rate von rund 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) wohl nicht zahlen. Nach früheren Angaben von IWF-Chefin Christine Lagarde wäre Griechenland dann gegenüber dem Weltwährungsfonds in Zahlungsverzug. Moscovici sprach von Bemühungen, den griechischen Premier Tsipras für das Referendum über das Sparprogramm an diesem Sonntag umzustimmen. Bisher empfiehlt der Radikallinke ein „Nein“.

+++ 10.40 Uhr+++

Kanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel wollen sich ab etwa 14.30 Uhr in Berlin zur Griechenland-Krise äußern.

+++10.00 Uhr+++

Der britische Premierminister David Cameron hält einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone bei einem "Nein" bei der Volksabstimmung für schwierig. Der französische Präsident Francois Hollande hofft nach eigenen Worten auf eine Wiederaufnahme der Gespräche mit Griechenland. Eine Einigung sei noch immer möglich. Die Entscheidung liege bei der Regierung in Athen.

+++09.45 Uhr+++

Laut einer Sprecherin bleibt die Athener Börse die gesamte Woche geschlossen. Erst am kommenden Montag, 6. Juli, soll die Börse wieder öffnen.

+++09.24 Uhr+++

Die Kapitalmärkte reagieren auf die Gefahr einer Pleite: Die Renditen spanischer Anleihen steigen. Zugleich weitet sich der Abstand zwischen den Renditen der deutschen und spanischen Papiere mit zehn Jahren Laufzeit auf den höchsten Stand seit fast einem Jahr aus. Der Dax fällt zur Eröffnung um 4,4 Prozent auf 10.985 Punkte. Das ist der größte Kursrutsch seit dreieinhalb Jahren. Der EuroStoxx50 büßt 4,1 Prozent auf 3472 Zähler ein.

+++09.19 Uhr+++

Chinas Regierung bietet Europa Hilfe bei der Lösung der Griechenland-Krise an. Europa könne auf Unterstützung bei den "Herausforderungen der internationalen Finanzkrise und dem Schuldenproblem in Griechenland" rechnen, sagte Ministerpräsident Li Keqiang in einem am Montag veröffentlichten Interview mit acht europäischen Zeitungen. Konkret äußerte sich Li nicht, sagte aber: "Ich habe mehr als einmal betont, dass China ein florierendes Europa sehen will, eine vereinte Europäische Union und einen starken Euro, weil das im Interesse Chinas ist."

+++09.00 Uhr+++

Die Schuldenkrise in Griechenland setzt den Deutschen Aktienindex in Frankfurt am Main stark unter Druck. Im vorbörslichen Handel fiel der deutsche Leitindex am Montagmorgen rund fünf Prozent unter den Schlusskurs vom Freitag. Auch in Paris und London gerieten die Aktien vor Börsenstart stark unter Druck. An den asiatischen Märkten drückte die Sorge um eine nahende Staatspleite Griechenlands die Märkte: In Japan fiel der Nikkei -Index der 225 führenden Werte am Montag um 2,88 Prozent auf 20.109 Punkte. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans büßte ebenfalls mehr als zwei Prozent ein.

+++08.35 Uhr+++

Der französische Finanzminister Michel Sapin hält weitere Hilfen für Griechenland für möglich. Die Verhandlungen könnten jederzeit wieder aufgenommen werden.

Die von Athen vorgeschlagenen Sparmaßnahmen

+++08.15 Uhr+++

EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici hält eine Einigung mit Griechenland weiterhin für möglich. Die internationalen Gläubiger und Griechenland seien "nur einige wenige Zentimeter" von einer Vereinbarung entfernt, sagte der Franzose im Radio.

+++08.00 Uhr+++

Die größte griechische Erdölgesellschaft Hellenic Petroleum tritt der in der Bevölkerung wachsenden Sorge über eine drohende Treibstoffknappheit entgegen. Das Land verfüge für etliche weitere Monate über volle Reserven, teilte das Unternehmen am Sonntagabend mit. Auch die Versorgung der Raffinerien mit Rohöl sei gesichert. In ganz Griechenland hatten sich am Wochenende angesichts der Eskalation im Schuldendrama lange Schlangen vor Tankstellen gebildet.

+++07.30 Uhr+++

Ausländer sollen in Griechenland weiterhin unbegrenzt Geld abheben können. Die von der Regierung in Athen geplanten Kapitalverkehrskontrollen gelten nicht für Besucher des Landes, wie griechische Medien in der Nacht auf Montag berichteten. Mit ausländischen Bankkarten gebe es keine Beschränkungen. Ansonsten gelte eine Obergrenze bei Abhebungen von 60 Euro. Zuvor war von einem Limit von 100 Euro die Rede.

Überraschend hatte der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras am Wochenende ein Referendum über geforderte Reformen für den kommenden Sonntag, 5. Juli, angekündigt und gleichzeitig deren Ablehnung empfohlen. Damit brachte er die Verhandlungen mit den Geldgebern über das am Dienstag auslaufende Hilfsprogramm zum Scheitern. Die EZB beschloss, die Notkredite auf dem aktuellen Stand von rund 90 Milliarden Euro einzufrieren. Griechenlands Banken sind seit Monaten darauf angewiesen. Tsipras kündigte daraufhin die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen an. Um sein Finanzsystem zu schützen, bleiben alle Banken des Landes zunächst geschlossen. Auch der Handel an der Börse in Athen wird ausgesetzt.

>>Hier finden Sie die Ereignisse des Wochenendes im Überblick.

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