Griechenland Das falsche Spiel des IWF

Der IWF dringt auf schnelle Schuldenerleichterungen für Athen. Dahinter steckt mitnichten Weichherzigkeit der Chefin Christine Lagarde - sondern knallhartes Kalkül.

IWF-Chefin Christine Lagarde und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Quelle: dpa Picture-Alliance

Christine Lagarde hat einer internationalen Anwaltskanzlei vorgestanden, sie führt den Internationalen Währungsfonds (IWF) mit harter Hand, allzu große Milde hat ihr noch niemand vorgehalten. Doch wenn es um Griechenland geht, wird die IWF-Chefin derzeit ganz weich. Immer wieder fordert sie für das klamme Land genau jene Schuldennachlässe, die Premier Alexis Tsipras erreichen und die ihm vor allem Berlin partout verweigern möchte. Nur wenn es zu Schuldenerleichterungen komme, sagt Lagarde, könne sich der IWF an einem dritten Hilfspaket für Griechenland beteiligen.

Doch hinter Lagardes vermeintlicher Milde verbirgt sich knallhartes Kalkül: Die Französin möchte sicherstellen, dass der IWF von seinem bisher größten und gleichzeitig schwierigsten Kunden sein Geld zurückbekommt. 32 Milliarden Euro hat Griechenland bislang von der Washingtoner Institution erhalten, so viel wie noch keine andere Nation in der IWF-Geschichte.

An Griechenland hängt mehr als nur der Euro

Lagarde weiß: Je mehr Schulden die Europäer den Griechen vergeben, desto besser die Aussichten, dass Griechenland seine Schulden bei ihrer Einrichtung brav bedient. Und das ist für Lagarde wichtig, schließlich stößt vielen Mitgliedstaaten des Währungsfonds übel auf, wie flexibel dieser für Athen seine sonst so strengen Regeln ausgelegt hat. Und eben diese Mitgliedstaaten entscheiden, ob Lagarde 2016 auf eine Wiederwahl hoffen kann.

Also macht die IWF-Chefin ordentlich Druck, um die Europäer zum Einlenken zu bewegen. Lagardes Ökonomen haben eindrucksvolle Zahlen errechnet. So dürfte in den beiden kommenden Jahren die griechische Staatsschuld auf beinahe 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wachsen. Ursprünglich sollte im vorigen Jahr ein Höchststand von 177 Prozent erreicht werden. Die IWF-Ökonomen erwarten einen sehr langsamen Rückgang bis zum Jahr 2022, auf 170 Prozent statt der bisher prognostizierten 142 Prozent.

Unabhängige Ökonomen kommen auf ähnliche Prognosen, der IWF scheint also richtig zu rechnen. In Brüssel haben viele trotzdem das Gefühl, der Fonds spiele falsch. „Der IWF betont den Schuldenstand und lässt andere Indikatoren für die Schuldentragfähigkeit außer Acht“, sagt ein EU-Beamter. Schließlich gibt Griechenland derzeit weit weniger als 15 Prozent seines Haushaltes für den Schuldendienst aus, der Wert liegt deutlich unter der für den IWF sonst problematischen Marke.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%