Griechenland Das Haushaltsloch ist noch viel schlimmer

Zusätzliche 52 Milliarden Euro fehlen nach einer Analyse des IWF bis 2018 im griechischen Staatshaushalt. Sollten sich die Zahlen weiter verschlechtern, hält auch der IWF einen Schuldenschnitt für unausweichlich.

Rentner stürmen die Banken
Tumultartige Szenen in Griechenland Quelle: dpa
Ohne Karte gab es kein Geld Quelle: dpa
Griechische Rentner strömen zu den Banken Quelle: dpa
Frust und Sorge Quelle: dpa
Griechische Rentner strömen zu Banken Quelle: dpa
Verschlossene Geldhäuser Quelle: dpa
Griechenland und seine Gläubiger - IWF, Europäische Kommission und Europäische Zentralbank - hatten sich nicht einigen können, welche Reformen Athen im Gegenzug für die letzten 7,2 Milliarden aus dem Rettungspaket für das Land umsetzen muss. Mit Ablauf der Frist am Dienstag ist das Geld aus dem Rettungspaket verfallen. So konnte Griechenland auch fällige Kredite über 1,6 Milliarden Euro nicht an den IWF zurückzahlen. Quelle: dpa

Griechenland ist noch schlimmer verschuldet als allgemein bekannt. Allein bis September 2016 fehlen Athen 29,3 Milliarden Euro. Das hat der Internationale Währungsfond (IWF) jetzt errechnet. Insgesamt beträgt das Haushaltloch bis zum Herbst 2018 51,9 Milliarden Euro, die bisherigen Hilfsprogramme schon berücksichtigt.

Der tatsächliche Finanzierungsbedarf könnte noch höher liegen, da die IWF-Berechnungen auf Daten von Mitte Juni basieren. Die realwirtschaftlichen Folgen der gescheiterten Verhandlungen in Brüssel haben das griechische Haushaltsloch wohl noch einmal vergrößert. Und es könnte nach Ansicht des Währungsfonds sowieso noch schlimmer werden, wenn die Konjunktur schlechter läuft als erwartet.

So spotten Griechen über ihre Geldautomaten
Die Situation im Land sei nur mit Humor zu ertragen, meint der griechische Journalist Vagelis Theodorou, der diese Fotomontage ins Netz stellte. Quelle: Handelsblatt Online
"Herr, erbarme dich!" schreibt er zu einem Foto, dass ein überarbeitetes Bild einer Prozession zeigt. Statt einer Monstranz trägt eine Gruppe Männer im Anzug einen Geldautomaten spazieren. Einer der Träger: der ehemalige griechische Ministerpräsident Antonis Samaras, Amtsvorgänger von Alexis Tsipras. Das Originalbild der Prozession scheint aus dem Jahr 2011 zu stammen. Quelle: Handelsblatt Online
Vielfach geteilt wurde in Griechenland am Wochenende dieses gestellte Foto. Quelle: Handelsblatt Online
„Nur Abhebungen über 500 Euro. Wir haben keine 50, 20 und 10 Euro-Scheine. Gehen Sie für Wechselgeld zur deutschen Botschaft." Quelle: Handelsblatt Online
Ein beliebtes Spiel: Die Anzeige eines Geldautomaten mit einem anderen Motiv austauschen. Ein griechischer Experte für Gasgeräte teilte diese Bildmontage, die auf den Videospiel-Klassiker Pacman im Geldautomaten-Display zeigt. Quelle: Handelsblatt Online
Der griechische Comedian „Blink Mike“ wählte ein anderes Motiv. Er kombinierte Bilder von riesigen Rockkonzerten und einem Truppenaufmarsch aus dem Filmepos „Herr der Ringe“ und verglich sie mit dem Gedränge vor griechischen Geldautomaten. Quelle: Handelsblatt Online
Das Foto eines Geldautomaten auf der Insel Mykonos, geschmückt mit einem ironischen Zettel: „Kein Geld hier. Nur Liebe!“ Quelle: Handelsblatt Online
Deftige Worte sind in der Bildmontage dieses Geldautomaten zu lesen. Quelle: Handelsblatt Online
In diesem Geldautomaten lauert eine unangenehme Überraschung. Quelle: Handelsblatt Online
Ein Bild, das vielfach die Runde machte: Angela Merkel grüßt vom Geldautomaten. Die Montage stammt allerdings aus dem Jahr 2013 und bezog sich auf die damalige finanzielle Krise Zyperns, als auch Geldautomaten austrockneten. Erstellt worden war sie offenbar von einer spanischen Zeitung. Quelle: Handelsblatt Online

Die IWF-Forscher sind in Sachen Griechenland pessimistischer als noch im Mai. Dafür gibt es mehrere Gründe: Erstens erwirtschaftet Griechenland unter Tsipras einen niedrigeren Haushaltsüberschuss als bisher geplant. Zweitens hat die griechische Regierung bekanntlich wichtige Strukturreformen verschoben oder abgelehnt. Drittens sind die Privatisierungserlöse bisher minimal: Statt der im Juni 2011 geplanten 50 Milliarden Euro Staatseinnahmen sind nur 3,2 Milliarden tatsächlich in der Staatskasse gelandet – sechs Prozent der Zielsumme. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass es eine tiefsitzenden Widerstand gegenüber der Privatisierung in Griechenland gibt“, heißt es im IWF-Bericht.

Nach Ansicht des IWF hat Griechenland die Chance nicht genutzt, die sich aus dem von 3,3 auf 2,3 Prozent gesunkenen Zinssatz für die Hilfskredite des EFSF ergab, so der IWF. Stattdessen habe die Regierung Tsipras den Reformweg ihrer Vorgänger nicht fortgesetzt. Um trotzdem die Athener Pleite abzuwenden, müssten nun die europäischen Gläubiger nach IWF-Meinung zwei Drittel der Summe, etwa 36 Milliarden Euro, bereitstellen.

Sollten die tatsächlichen Wachstums- und Haushaltszahlen hinter der Prognose zurückbleiben, sieht der Währungsfond keine andere Möglichkeit als einen Schuldenschnitt für Griechenland. Der IWF berechnet, dass dann Verbindlichkeiten in Höhe von 53,1 Milliarden Euro erlassen werden müssen.

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