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Griechenland Der Höhepunkt der Eurokrise kommt erst noch

Als wäre das Scheitern der griechischen Reformpolitik nicht schlimm genug - es offenbart auch einen der entscheidenden Konstruktionsfehler des Euro. Der Währungsunion steht ein dickes Ende bevor.

Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras während der dritten Wahlrunde in Athen Quelle: dpa

Der Schrecken an der deutschen Aktienbörse währte nur kurz: Mit einem Minus von einem Prozent reagierte der Dax auf die auch im dritten Anlauf gescheiterte Wahl von Stavros Dimas zum neuen Präsidenten Griechenlands, dann stiegen die Kurse wieder. In Athen ging es heftiger zur Sache: Da brach die Börse um zehn Prozent ein – und dass sie sich ebenso rasch wieder erholt, ist nicht zu erwarten.

Das Szenario, das der gescheiterten Präsidentenwahl folgen dürfte, ist in keiner Weise schön – weder für Griechenland selbst, noch für die Partnerländer in der Währungsunion. Binnen zehn Tagen muss nun das Parlament aufgelöst werden, Ende Januar werden Neuwahlen fällig. Ministerpräsident Antonis Samaras dürfte dabei kaum Chancen haben, er ist gescheitert. Aussichtsreichster Kandidat bei den anstehenden Neuwahlen ist Alexis Tsipras, der charismatische Chef des linken Oppositionsbündnisses Syriza. "Weder das Parlament noch das Volk werden Herrn Samaras einen Blankoscheck geben, damit er seine Sparprogramme fortsetzen kann", kündigte Tsipras am Montag nach der gescheiterten Präsidentenwahl an.

Griechenlands Schwächen

In den aktuellen Umfragen kommt das Linksbündnis Syriza zwar auf 31 Prozent der Stimmen, doch alleine regieren kann es damit nicht. Tsipras braucht also einen Koalitionspartner und die spannende Frage wird sein, ob der das Schlimmste verhindern kann: Tsipras will immerhin der Rettungs-Troika - bestehend aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds IWF) - die Kooperation aufkündigen, bereits eingeleitete Reformen und Privatisierungen zurückdrehen und den von Samaras eingeschlagenen Sparkurs beenden. Dass sein Land nach wie vor am Rande der Zahlungsunfähigkeit steht, nur von den Rettungskrediten am Leben gehalten wird und auf dem Kapitalmarkt ohne internationale Garantien keinen Cent mehr aufnehmen kann, das alles interessiert ihn nicht.

Da wäre es nur konsequent, Tsipras würde sich auch vom Euro verabschieden. Doch das ist nicht zu erwarten. Der vermutlich neue starke Mann in Athen weiß, dass er die Euro-Partner und auch die EZB nach Belieben erpressen kann. Denn Brüssel und Frankfurt haben sich darauf festgelegt, die Euro-Zone um jeden Preis zu erhalten.

Die Möglichkeit eines Rauswurfs ist in den Verträgen zur Währungsunion ohnehin nicht vorgesehen, und auch die nach dem Vertrag möglichen Sanktionen werden in Athen wenig Wirkung zeigen. Wem der aktuelle Schuldenstand ohnehin schon egal ist, den schreckt auch ein minimal höherer Schuldenstand infolge einer möglichen Geldbuße nicht.

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