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Griechenland So verdienen Griechenlands Milliardäre an der Krise

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Die drei Säulen der Korruption

Dass die griechische Elitenfrage kein Problem allein der Reeder ist, zeigt ein Einblick in die Schattenwelt der griechischen Vermögensverhältnisse, den vor einigen Jahren das Enthüllungsmagazin „Hot Doc“ von Kostas Vaxevanis gewährte. Ein Whistleblower hatte dem Journalisten eine Liste von mehr als 2000 Griechen zugespielt, die ihr Geld – legal oder illegal – in der Schweiz gebunkert haben sollen. Reeder, Politiker und Unternehmer waren samt ihrem Auslandsvermögen auf der Liste verzeichnet. Weil die Namen bereits 2010 der damaligen Finanzministerin Frankreichs, Christine Lagarde, zugespielt wurden, trägt sie bis heute ihren Namen. 2012 veröffentlichte Vaxevanis die griechischen Namen der sogenannten Lagarde-Liste.

Während Länder wie Frankreich und Deutschland die Liste ihrer Steuersünder längst entgegengenommen haben und eine mögliche Steuerschuld der Gelisteten überprüften, will der damalige griechische Finanzminister Georgos Papakonstantinou den Datenträger mit der Liste schlicht „verloren“ haben. Als er nach zwei Jahren doch wieder auftauchte, fehlten auf der Liste drei Namen. Es waren Verwandte von Papakonstantinou.

Vor Gericht kam Papakonstantinou mit einer Bewährungsstrafe davon. Auch die möglichen Steuersünder auf der Liste wurden bis heute nicht verfolgt. Syriza hat zwar eine Aufarbeitung der Liste angekündigt. Die Ergebnisse blieben aber bescheiden: Nur einer der mutmaßlichen Steuersünder hat seitdem eine Strafe erhalten: Gegen Leonidas Bobolas, Geschäftsführer des Baukonzerns Ellaktor und Mitglied des einflussreichen Bobolas-Clans, wurde im April Haftbefehl erlassen, ehe er einen Steuerrückstand von 1,8 Millionen Euro beglich. Bobolas selbst behauptet, sich den Behörden freiwillig gestellt zu haben. Auch sein Bruder Fotios Bobolas und Vater Giorgos, der Gründer des börsennotierten Unternehmens Ellaktor, stehen auf der Liste. Über Steuernachzahlungen ist nichts bekannt.

Dafür wogen die Konsequenzen für Aufdecker Vaxevanis umso schwerer: 48 Stunden nach der Veröffentlichung der Lagarde-Liste nahmen Polizisten ihn fest. Es folgte ein Prozess. Zwar wurde Vaxevanis freigesprochen, ein normales Leben ist dem Investigativjournalisten aber nicht vergönnt. Seinen Kampf gegen Griechenlands Oligarchen führt er hinter gesicherten Zäunen; draußen wacht ein bissbereiter Schäferhund, drinnen ein bewaffneter Polizist.

Die Mega-Investoren Griechenlands

„Die Korruption in Griechenland basiert auf drei Säulen“, sagt der Journalist, „einer vollkommen unkontrollierten Finanzelite, den politischen Handlangern und den Medien.“ Rund 20 Leute zählt Vaxevanis zur Elite der Unternehmer, die sich durch Schmiergeld ihren Einfluss auf die Politik sichern würden. Zudem sei diese Finanzelite im Besitz der großen TV-Anstalten und Zeitungen.

Wie reibungslos dieses Dreieck aus Wirtschaft, Medien und Politik zusammenspielt, erklärt Vaxevanis am Beispiel der Ausschreibung von staatlichen Aufträgen. „Zuerst lancieren etwa Bauunternehmen in den Medien Reportagen über den schlechten Zustand der Straßen und berichten über die Gefahr für die Bürger. So erzeugen sie Druck auf den Staat, entsprechende Bauprojekte in Auftrag zu geben. Weil die meisten Baufirmen durch Subfirmen ohnehin zueinander gehören, kommen auch immer dieselben Unternehmer an diese öffentlichen Aufträge. Und meist werden die Projekte zusätzlich noch überbudgetiert, um den Gewinn für die Firmen zu steigern.“

Geschichten aus einem märchenhaften Paralleluniversum? Mitnichten.

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