Griechenland "Grexit"-Gefahr trotz Einigung im Schuldenstreit groß

Ökonomen halten den Schuldenstreit mit Griechenland trotz der Verständigung auf ein neues Hilfsprogramm für noch lange nicht gelöst und Griechenlands Ministerpräsident bekommt starken Gegenwind aus der eigenen Partei.

"Drittes Programm ist mehr als großzügig"
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Quelle: dpa
Donald Tusk Quelle: dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel Quelle: dpa
Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel Quelle: dpa
Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras Quelle: dpa
Frankreichs Präsident François Hollande Quelle: REUTERS
Markus Kerber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie Quelle: dpa
  • Nach einem 17-stündigen Verhandlungsmarathon haben sich die Staats- und Regierungschefs der 19 Euro-Staaten am frühen Montagmorgen darauf verständigt, über ein neues Hilfspaket zu verhandeln.
  • Der Bundestag muss noch grünes Licht für die Aufnahme der Verhandlungen geben. Dafür wird es am Freitag eine eine Sondersitzung des Bundestags geben.
  • Die EZB lässt die Ela-Kredite unverändert.
  • Der Internationale Währungsfonds (IWF) steht bereit für weitere Griechenland-Hilfen.

+++19.53 Uhr+++

Auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise beraten die EU-Finanzminister am Dienstag in Brüssel über die Vertiefung der Wirtschafts- und Währungsunion. Dabei geht es um einen Bericht der EU-Institutionen, der unter Federführung von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker verfasst wurde. Das Papier fordert unter anderem auf lange Sicht die Einrichtung eines Finanzministeriums für das gemeinsame Währungsgebiet.

+++19.41 Uhr+++

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras plant Medienberichten zufolge eine umfangreiche Kabinettsumbildung. Damit reagiere der Syriza-Chef auf die Ankündigung zahlreicher Abgeordneter des linken Flügels, gegen weitere Sparmaßnahmen zu stimmen. Zu den Ressortchefs, die gehen sollten, zählten Energieminister Panagiotis Lafazanis und der Minister für Soziales, Dimitris Stratoulis, berichteten mehrere griechische Medien am Montagabend übereinstimmend. Sie gelten als die Anführer des Linksflügels des Syriza-Bündnisses und sollen eine große Gruppe von bis zu 40 Abgeordneten kontrollieren. Syriza hat insgesamt 149 Sitze im Parlament in Athen.

+++19.29 Uhr+++

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras ist nach Ansicht seines rechtspopulistischen Koalitionspartners von den Euro-Partnern erpresst worden. „Es war ein Putsch seitens Deutschlands, Finnlands, der Niederlanden und Staaten des Baltikums“, sagt der Chef der Partei der Unabhängigen Griechen (Anel), Panos Kammenos, der zugleich Verteidigungsminister ist, im griechischen Fernsehen. Kammenos ließ offen, wie seine Partei bei den anstehenden Abstimmungen über die neuen Sparmaßnahmen stimmen wird. Die Rechtspopulisten werden seinen Worten nach mit der Regierung Tsipras „weitermachen“, aber sie lehnen die Sparpolitik grundsätzlich ab. Die Rechtspopulisten sind der Junior-Koalitionspartner der linken Regierungspartei Syriza und haben 13 Abgeordnete.

+++19.05 Uhr+++

Die Euro-Finanzminister haben noch keine Entscheidung über eine mögliche Brückenfinanzierung für das vom Finanzkollaps bedrohte Griechenland getroffen. Das Thema sei sehr komplex, sagt Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem nach den Beratungen der Minister. Es gebe eine Reihe von Varianten, die von einer Expertengruppe näher beleuchtet werden solle. Zudem soll es weitere Telefonkonferenzen im Laufe dieser Woche geben, nachdem das griechische Parlament über erste Reformmaßnahmen entschieden hat.

Wie die Euroländer über das dritte Hilfsprogramm entscheiden

+++18.42 Uhr+++

Ministerpräsident Alexis Tsipras sieht sich innenpolitisch starkem Widerstand ausgesetzt. Eine Gruppe von Syriza-Abgeordneten am äußersten linken Flügel der Partei erwägt nach Angaben eines Parteivertreters eine Ablehnung der Einigung mit den Geldgebern. Auch der rechte Juniorpartner der Regierungskoalition spricht sich gegen das Abkommen aus.

+++18.28 Uhr+++

Die Finanzminister der Euro-Zone lassen nach Angaben ihres Vorsitzenden Jeroen Dijsselbloem die Möglichkeit einer Brückenfinanzierung von Experten prüfen. Das Thema sei sehr komplex. Dijsselbloem fügt hinzu, er gehe davon aus, dass die Gespräche über ein drittes Hilfspaket für Griechenland eher vier als zwei Wochen dauern dürften.

+++18.20 Uhr+++

Griechenland wird am Montag eine fällige Kreditrückzahlung an den IWF in Höhe von 450 Millionen Euro nicht leisten. Dies verlautet aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen

+++17.56 Uhr+++

Die europäischen Anleger haben erleichtert auf die Einigung im Schuldenstreit mit Griechenland reagiert. Der Dax verabschiedete sich mit einem Plus von 1,5 Prozent bei 11.484 Punkten in den Feierabend. Der EuroStoxx50 stieg um 1,8 Prozent auf 3591 Zähler. Auch an der Wall Street ging es mit den Kursen bergauf. Der Euro profitierte allerdings nur kurz von dem Hellas-Deal.

+++17.23 Uhr+++

Der Internationale Währungsfonds (IWF) will dem pleitebedrohte Griechenland auch weiterhin beistehen. „Der IWF steht bereit, um mit den griechischen Behörden und europäischen Partnern zusammenzuarbeiten, um diese wichtigen Bemühungen voranzutreiben“, teilt Sprecher Gerry Rice in Washington mit. IWF-Chefin Christine Lagarde habe den Exekutivrat über das Ergebnis der Brüsseler Gespräche unterrichtet.

+++16.38 Uhr+++

Die Ratingagentur S&P könnte die Bonität Griechenlands "recht rasch" heraufstufen, falls sich das dritte Hilfsprogramm als tragfähig erweist. Dies sagt der Chefanalyst bei S&P für europäische Ratings, Moritz Kraemer. Im Basismodell gehe S&P weiter davon aus, das Griechenland den Euro verlassen werde.

+++16.01 Uhr+++

Der Bundestag wird an diesem Freitag in einer Sondersitzung über die Aufnahme von Verhandlungen entscheiden - wenn Athen bis dahin alle Bedingungen erfüllt hat. Aus Kreisen der Unionsfraktion hieß es am Montag, der Beginn der Sitzung sei für 10 Uhr geplant. Nach Abschluss der Verhandlungen müssen die Abgeordneten auch noch über das ESM-Hilfspaket abstimmen, bevor es in Kraft treten kann. Trotz Unmuts in der Union wird mit einer breiten Zustimmung des Bundestags zur Aufnahme der Gespräche gerechnet, da auch weite Teile der Opposition dafür sind.

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