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Griechenland Tsipras' Roadshow droht ein schnelles Ende

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Griechen bringen ihr Geld in Sicherheit

Finanzminister Schäuble gibt sich denn auch relativ entspannt: Eine neue Schuldenkrise sehe er nicht heraufziehen, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters: „Die Finanzmärkte geben dafür Gott sei Dank keinerlei Anzeichen.“

Doch wie lange das so sein wird, ist eine andere Frage. Tatsächlich droht der Regierung in Athen das Geld schneller auszugehen, als ihr lieb sein kann. So machte schon vergangene Woche die Nachricht die Runde, die Steuereinnahmen seien in den letzten Monaten vor der Wahl deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Nun kam die Meldung hinzu, die politische Unsicherheit der jüngsten Zeit habe auch die Geschäfte der griechischen Industrie belastet. Der Einkaufsmanager-Index des Markit-Instituts sank im Januar so stark wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr.

Schwerer wiegen jedoch die anhaltende Kapitalflucht aus Griechenland und die Tatsache, dass nun auch Kleinsparer damit beginnen, ihre Konten zu räumen, um ihr Erspartes in Sicherheit zu bringen. So sind die Spareinlagen bei den vier größten Banken des Landes nach Angaben der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P)  im Dezember um 5,4 Milliarden Euro auf 213,3 Milliarden Euro zurückgegangen. Im Januar, vermutet S&P, habe dieser Trend „wahrscheinlich noch erheblich zugenommen“.

Tsipras kündigt radikale Änderungen in Griechenland an

Griechischem Bankensystem geht die Luft aus

Die „Financial Times“ spekuliert, in der vergangenen Woche hätten täglich zwischen 700 Millionen und einer Milliarde Euro das Land verlassen. Darüber hinaus wächst, ebenfalls laut S&P, die Zahl der faulen Kredite. Insbesondere bei Hypothekenkrediten nehme der Anteil der Darlehen mit einem Zahlungsrückstand von mindestens 90 Tagen zu. S&P hat als Folge dieser Entwicklung das Rating auf nachrangige Schulden der Alpha Bank, Eurobank, National Bank of Greece und Piraeus Bank von „CC“ auf „C“ gesenkt. Und warnend hinzugefügt, die Einstufung könnte noch weiter sinken, sollten Zweifel an der Unterstützung durch europäische Behörden aufkommen.

Damit liegt das Schicksal Griechenlands und das seiner Banken – wieder einmal – einzig und allein in den Händen von EZB-Präsident Mario Draghi. Denn während Tsipras und Varoufakis durch Europa touren um Griechenlands Zukunft neu zu planen, droht dem Bankensystem die Luft auszugehen. Bislang halten sich die angeschlagenen Institute oft nur noch durch Notkredite der griechischen Notenbank (ELA-Kredite) über Wasser. Noch akzeptiert die EZB Ramschanleihen aus Griechenland als Sicherheit für neue Liquidität.

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Das aber ist keineswegs selbstverständlich, seit Griechenland die Zusammenarbeit mit der Troika und die Einhaltung der Reformauflagen aufgekündigt und im Gegenteil neue Staatsausgaben angekündigt hat. „Sollten wir feststellen, dass ein Land die Rating-Anforderungen nicht erfüllt und es kein Programm mehr gibt, dann kann es nicht überraschen, wenn diese Sonderregelung nicht mehr gilt'', warnt EZB-Vizepräsident Vitor Constancio am Samstag bei einer Veranstaltung im britischen Cambridge.

Die neue Regierung sollte sich also besser beeilen, ihr Verhältnis mit den europäischen Geldgebern ins Reine zu bringen. Die Gefahr, dass dem griechischen Finanzsystem die Luft ausgeht, bevor im Mai ein neues Abkommen steht, ist riesengroß.

Würden Draghi, Constancio und die gesamte EZB-Spitze sich derzeit nicht so verhalten wie die drei Affen - also nichts sehen, nichts hören, nichts sagen - müssten sie zur Kenntnis nehmen, dass es zurzeit schon faktisch kein funktionierendes Reformabkommen gibt. Dann könnte schon die nächste Bankenpleite Griechenland in den Ruin führen  - Tsipras' Traum von einem neuen Griechenland wäre geplatzt.

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