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Griechenland Alexis Tsipras' Fehler mit der Spieltheorie

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Griechenland hat den letzten Trumpf verspielt

Die griechische Regierung hat sich zwar sehr bemüht, über taktische Verzögerungen, kämpferische Äußerungen und Bluffs ihre Verhandlungsposition zu verbessern. Darüber hat sie aber scheinbar alle Alltagserfahrung über die Bedeutung einer vertrauensvollen Kommunikation vergessen.

So passierte der griechischen Regierung das Schlimmste, was einem Verhandler passieren kann: der Verlust der Vertrauenswürdigkeit. Das relevante Verhandlungsspiel haben am Ende vermutlich die Gläubiger untereinander gespielt. Zudem hat die konfrontative Taktik offengelegt, dass die Märkte keine Gefahr für Ansteckungseffekte sehen. Damit hatte die griechische Regierung auch die letzte Trumpfkarte verspielt.

Das sagen Analysten zur Lage Griechenlands

Das Beispiel zeigt, dass enttäuscht wird, wer in der Spieltheorie nach einfachen Rezepten für kluges Verhalten sucht. Die Spieltheorie ist nützlich. Aber in Verhandlungen ist es stets die Kombination von strategischen und psychologischen Erwägungen, die zu einer guten Verhandlungsstrategie führt.

Möglicherweise war ein Teil der griechischen Verhandlungsführung innenpolitischen Scharmützeln geschuldet. Doch eine naive Anwendung der Spieltheorie findet man nicht selten. Nach Verhandlungssimulationen beschweren sich zuweilen Wirtschaftsstudenten bei mir, dass sie auf ganzer Linie erfolglos waren, obwohl sie sich doch sehr „rational“ verhalten hätten.

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Ein kleines bisschen Expertise kann eben manchmal mehr schaden als nutzen. Es gibt aber eine überaus wichtige Einsicht der Spieltheorie für die Griechenland-Tragödie: Konflikte können von vornherein vermieden werden, wenn die Spielregeln stimmen.

Europa muss die Spielregeln für die Währungsunion überdenken und sich selbst glaubwürdig an seine eigenen Regeln binden. Sonst sind weitere Tragödien unvermeidlich. Die ungeheure Dynamik von Fehlanreizen wird allzu oft unterschätzt.

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