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Griechenland So verdienen Griechenlands Milliardäre an der Krise

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Griechenland und seine Reichen

Griechenland und seine Reichen – dieses Drama spielt weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dem Filz in der griechischen Elite ist scheinbar nicht beizukommen. Das Wirtschaftsfiasko der vergangenen fünf Jahre stoppte die Steuertricks der Superreichen ebenso wenig wie die linke Syriza-Regierung. Zwar behauptete der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis in einem seiner zahlreichen Interviews der vergangenen Tage: „Das Geld der Reichen ist im Ausland.“ Daher habe seine Syriza-Regierung den Machenschaften der Milliardäre nicht beikommen können. Nur, zur Wahrheit gehört auch: Staatliche Instrumente im Kampf gegen Korruption richten sich vornehmlich gegen deren Aufdecker.

Die Troika aus Internationalem Währungsfonds, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission kritisiert in ihrem jüngsten Lagebericht zu Griechenland, dass Steuerhinterziehung von sehr Reichen nach wie vor grassiert. Seit Jahren mahnt sie eine bessere Steuereintreibung an. Bei den Verhandlungen für das dritte Hilfspaket hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Regierungschef Alexis Tsipras dreimal beiseite genommen, ehe dieser einwilligte, die Steuerprivilegien für die Reeder wenigstens künftig infrage zu stellen.

"Schäuble zerstört die europäische Idee"
Angela Merkel (Bundeskanzlerin) Quelle: dpa
Gregor Gysi (Linken-Fraktionschef) Quelle: dpa
Sigmar Gabriel (SPD-Parteichef) Quelle: REUTERS
Katrin Göring-Eckardt (Grüne Fraktionschefin) Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble Quelle: dpa
„Ich habe mehr zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung getan, als alle meine Vorgänger.“ Quelle: dpa
Sahra Wagenknecht (Linkspartei) Quelle: dpa

Die unmittelbaren Maßnahmen der Troika, etwa die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 23 Prozent, treffen dagegen jene, die seit jeher das Gros der Steuern zahlen: die Unter- und Mittelschicht. So hat die Finanzkrise die Zweiklassengesellschaft im südlichsten Mitgliedsland der Europäischen Union zementiert. Fast jeder fünfte Grieche kämpfte im vergangenen Jahr laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat mit schweren materiellen Entbehrungen. Das entspricht fast einer Verdoppelung der Armut gegenüber 2008.

Die Tricks der Reeder

Angeliki Frangou, die Reederin, ist bestens vernetzt mit der internationalen Finanzwelt, arbeitete früher an der Wall Street in New York und saß im Aufsichtsrat der griechischen Geldhäuser Emporiki Bank sowie Proton Bank. Nicht umsonst ist sie die Börsenpionierin unter den Reedern, der IPO von Navios 2005 war einer der ersten der Branche. Zum Kauf der deutschen Schiffe brachte sie zusätzlich zum eigenen Kapital ein 135 Millionen Dollar großes Kreditpaket internationaler Banken mit und bejubelte die „historisch niedrigen Preise“ der Transaktion.

Die ungerechtesten Länder Europas

Frangou ist zudem Generaldirektorin der IRF European Finance Investments. Das an der Londoner Börse gelistete Unternehmen investiert hauptsächlich in Beteiligungen in der europäischen Finanzbranche. Zum Portfolio gehörte auch die Laiki Bank auf Zypern, die nach der dortigen Bankenkrise 2013 verstaatlicht werden musste. Dass die umtriebige Reederin sich ihre Mitstreiter womöglich weniger sorgfältig aussucht als ihre Steuersparoptionen, zeigt der Fall Laiki: Dort mit investiert war auch der prominente griechische Unternehmer Andreas Vgenopoulos. Die Finanzaufseher in Zypern werfen ihm und anderen Managern vor, die Bank in die Pleite getrieben zu haben. Der Grund: Gefälligkeitskredite für Geschäftspartner und Firmen aus dem eigenen Portfolio.

Auch auf anderen Wegen finden Griechenlands Reeder genügend Möglichkeiten, um von der politischen Instabilität ihres Landes zu profitieren: Solange die Regierung schwach ist, wird sie sich nicht mit den mächtigen Reedern anlegen, das ist bei Syriza schön zu beobachten. Während Kapazitäten deutscher Reedereien schrumpfen, floriert das Geschäft ihrer griechischen Konkurrenten. Sie kommandieren die größte Handelsflotte der Welt, größer als die der Exportnationen Deutschland, Dänemark und Norwegen zusammen. Mit 16 Prozent sind griechische Unternehmer Weltmarktführer bei der internationalen Handelsschifffahrt.

Wachstum des Geldvermögens 2013 (in Prozent)

Entsprechend groß ist die Bedeutung der Schifffahrt für die griechische Volkswirtschaft, mit einem Anteil von sechs Prozent am Bruttoinlandsprodukt und 3,5 Prozent an den Beschäftigten. Die Reeder erfreuen sich daher üppiger Privilegien: Ihre Gewinne hält der Staat steuerfrei, sie führen lediglich eine pauschale Steuer, abhängig von Zahl und Größe ihrer Schiffe, ab, die sogenannte Tonnagesteuer von nur 38 bis 49 Cent je Tonne. Damit will der Staat die Reeder an die Heimat binden. Als die Pauschalsteuer zuletzt erhöht wurde, verhandelte die Regierung vorher mit den Reedern. Das Ergebnis war eine Verdopplung der Steuer, aber nur für den Zeitraum von drei Jahren ab 2013. Nicht umsonst ist der zweitreichste Grieche ein Reeder.

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