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Griechenland Klaus Regling, der Herr der Euro-Rettungsschirme

Als Chef der Euro-Rettungsschirme wacht Klaus Regling über eine halbe Billion Euro. Der Deutsche hat ein Ziel: Griechenland zum Erfolg führen. Dafür legt sich Regling auch gerne mit dem IWF an.

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ESM-Chef Klaus Regling: Er glaubt, dass Griechenland innerhalb von drei Jahren wieder auf eigenen Beinen stehen kann. Quelle: dpa

Bei der Frage, ob er die Situation verschleiert, muss Klaus Regling lachen. „Ich bin schon oft als jemand bezeichnet worden, der die Dinge zu optimistisch sieht“, lautet seine Antwort. Er habe aber immer richtig gelegen – egal ob es um Portugal, Irland oder Spanien ging.

Ein Journalist hatte den Direktor des Euro-Rettungsschirms ESM am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Berlin gefragt, ob er die Lage Griechenlands zu positiv darstelle. Konkret ging es darum, ob die Schuldentragfähigkeit des Landes gegeben sei oder nicht. Falls ja, kann sich der Internationale Währungsfonds ab Oktober wieder an der Rettungsfinanzierung beteiligen. Falls nein, würde sich die Washingtoner Institution wohl aus dem Kreis der Retter verabschieden.

Schuldentragfähigkeit – um die Definition dieses sperrigen Wortes ist zwischen den Europäern und Amerikanern ein Streit entbrannt. Für gewöhnlich wird diese anhand des Schuldenstandes eines Landes im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung bewertet. So macht es auch der IWF seit jeher.

Alexis Tsipras und die Schuldenkrise

Griechenlands Schuldenstand liegt derzeit knapp unter 200 Prozent und könnte die Schwelle nach Berechnungen der Europäischen Kommission im nächsten Jahr übersteigen. Regling gesteht zwar ein, dass der Schuldenstand „sehr hoch“ sei. Er hält die Relation aber für wenig aussagekräftig und spricht daher lieber vom „Bruttofinanzierungsbedarf“. Und weil Griechenland über den ESM zu sehr günstigen Konditionen frisches Geld erhält, sei die Schuldentragfähigkeit gegeben – trotz des hohen Schuldenstandes. Für Regling ist damit das Problem gelöst. Auch der IWF habe sich seiner Definition mittlerweile angeschlossen. Ob dem wirklich so ist, wird sich im Herbst zeigen, wenn der Währungsfonds entscheidet, ob er erneut Geld nach Athen gibt. 

Der Streit um die Schuldentragfähigkeit zeigt, dass bei wichtigen Entscheidungen zur Eurorettung keiner mehr an Klaus Regling vorbeikommt. Seit fünf Jahren steht er an der Spitze der Euro-Rettungsmaschinerie. Die Namen von Reglings Einrichtungen sind rein sprachlich zwar eine Zumutung. Ohne diese wäre die Eurozone aber kollabiert. Regling ist zum einen Chef der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität, kurz EFSF. Zum anderen leitet er den Europäischen Stabilitätsmechanismus.

Anders als die EFSF ist der ESM als dauerhafte Einrichtung konzipiert, die den Eurostaaten im Notfall Kredite gewährt. Bis zu 500 Milliarden Euro kann der ESM den Eurostaaten bei Krisen zur Verfügung stellen. Ob Geld fließt, entscheiden zwar die europäischen Finanzminister. Regling sitzt aber immer mit am Tisch. Die Finanzminister schätzen seine Expertise.

Der IWF könnte bis zu 16 Milliarden Euro für Athen bereitstellen

Regling gilt als Idealbesetzung für den Job. Der Volkswirt hatte Mitte der 70er Jahre seine Karriere beim IWF in Washington begonnen. In den Neunzigerjahren arbeitete er unter CSU-Mann Theo Waigel im Bundesfinanzministerium und verhandelte den Vertrag von Maastricht maßgeblich mit, in dem die Stabilitätskriterien für die Europäische Union festgelegt wurden. Von 2001 bis 2008 war Regling schließlich Generaldirektor für wirtschaftliche und finanzielle Angelegenheiten bei der Europäischen Kommission in Brüssel. Nach einem kurzen Gastspiel in der Wissenschaft und bei einem Hedgefonds kehrte Regling schließlich 2010 auf die europäische Bühne zurück.

Der Sohn eines gelernten Tischlers und früheren SPD-Bundestagsabgeordneten ist ein überzeugter Europäer. Dem Portal „Politico“ sagte er kürzlich: „Die europäische Integration ist die richtige Antwort auf das, was über Jahrhunderte in Europa schief gelaufen ist.“ Daran sollten sich die europäischen Politiker erinnern, wenn sie um drei Uhr morgens aus einer Sitzung in Brüssel rauskommen. „Man sollte sich sagen, dass diese Meetings besser sind als auf einander zu schießen“, sagte der 1950 geborene Lübecker.

Geschossen wird auch in den nächsten Wochen nicht, gleichwohl hart verhandelt. Im Herbst steht eine Zwischenauswertung des dritten Hilfspaketes für Griechenland an. Davon hängt ab, ob Athen mit Schuldenerleichterungen rechnen kann. Regling glaubt an die neuen Hilfen für Griechenland. „Von diesem dritten Programm ist schon mehr umgesetzt worden als bei jeden früheren Programm“, sagte er.

Der Neuwahl in Griechenland blickt er gelassen entgegen. Die Lage werde danach wohl stabiler sein.

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Und der IWF? Der wird sich am Hilfspaket doch noch beteiligen, meint Regling. Bis zu 16 Milliarden könnten aus Washington kommen. Griechenland kann sich seiner Ansicht nach in den nächsten drei Jahren gar vom Sorgenkind zum Musterschüler werden. „Falls Griechenland die vereinbarten Reformen entschlossen umsetzt, halte ich es für wahrscheinlich, dass die Regierung in Athen vor dem Ende des Programms das Investorenvertrauen zurückgewinnt und wieder zu akzeptablen Kosten Anleihen begeben kann.“

Kaum einer glaubt derzeit in Brüssel oder Berlin, dass die Griechen in drei Jahren wieder auf eigenen Beinen stehen werden. Regling schon. Er ist eben ein Optimist.

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