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Griechenland-Krise Athen lässt der Brüssel-Poker kalt

Griechenlands Premier Alexis Tsipras hat in der Nacht keine Einigung mit den Gläubigern erzielt. In Athen bleiben die Menschen dennoch erstaunlich ruhig.

Wie geht es mit Griechenland weiter? Quelle: dpa

Hektisch, sprunghaft und chaotisch: So präsentieren sich Brüssel und die Verhandlungsführer in der Schuldenkrise dieser Tage. Krisentreffen werden anberaumt, nur um nach wenigen Minuten ergebnislos beendet zu werden; mal wird eine Einigung im Schuldenstreit kolportiert, mal der „Grexit“.

Fakt ist: Auch die jüngste Runde der Verhandlungen zwischen Athen und seinen Gläubigern ist in der Nacht ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. Nach acht Stunden langen Gesprächen mit den Spitzen der Gläubiger brach Tsipras das Treffen ab. Der Internationale Währungsfonds beharrt dem Vernehmen nach auf zusätzlichen Haushaltskürzungen, Athen will die Auflagen von EU, EZB und IWF dagegen mit Steuererhöhungen erfüllen. Die Verhandlungen sollen am Donnerstagvormittag fortgesetzt werden. Im Laufe des Tages treffen sich dann auch die Euro-Finanzminister sowie die Staats- und Regierungschef der Europäischen Union in Brüssel – zu dem nächsten hektischen Verhandlungsmarathon.

Die von Athen vorgeschlagenen Sparmaßnahmen

Und in Athen? Dort ist die Stimmung erstaunlich ruhig. Es ist noch Frühstückszeit am Syntagma-Platz vor dem Parlament, doch am Metro-Ausgang verteilen junge Leute schon ihre Flugblätter für die Demo am Abend. Die Passanten, die den Aufgang hinauf stürzen, begrüßt ein fürchterlicher Lärm: Ein Lautsprecherwagen bellt politische Parolen wie eine Predigt über den Platz – so laut, dass nebenan im noblen Hotel Grande Bretagne wohl bald die ersten Neureichen vorzeitig auschecken werden. Der Prediger mit den angegrauten Schläfen, der neben einem weißen Ford Transit ins Mikro schreit, will seinen Namen nicht verraten. Er steht im Schatten und wird bis weit in den Nachmittag hinein wettern gegen Ungleichheit, die Reichen, die Troika. Alltag in Athen.

Genau wissen selbst die Einwohner von Athen nicht mehr, wer da gerade gegen wen protestiert. Heute ruft ein kommunistischer Gewerkschaftsverband zu einer Kundgebung am Abend auf, tags zuvor demonstrierten Zehntausende mit EU-Fahnen für einen Verbleib Griechenlands in der EU. Am Sonntag zuvor trieb es die Anhänger der populistischen Regierungspartei Syriza auf die Straßen, die zwar keine europäischen Fahnen schwenken, den Austritt aus dem Euroraum aber auch nicht wollen. Eigentlich wissen die wenigsten, was die eigentlich wirklich wollen. Längst hat die Realität der Euro-Rettungspolitik auch die Linken aus Tsipras' Partei so weit eingeholt zu haben, dass sich dessen Anhänger in diverse Lager spaltet. Ob Griechenlands Premier in der kommenden Woche wohl das Handtuch werfen wird?

Sei's drum. Athen wirkt in diesen Schicksalstagen, da über die Zukunft der Griechen dies- oder jenseits des Euroraums entschieden wird, merkwürdig normal. Nirgendwo in der Stadt sieht man Hamsterkäufe oder die Plünderung von Bankautomaten. An manchen Geldausgabestellen warten zwar ein paar Menschen, doch das dürften vor allem Touristen sein. Selbst in Vororten wie im Stadtteil Vrissillia ist nichts von einem „Bank Run“ zu spüren. Die Proteste indes gehören in Athen so sehr zum Stadtleben, dass kaum jemand mehr davon Notiz nimmt.

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