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Griechenland-Krise Wer drängt Griechenland zum Grexit?

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Belgien, Österreich, Malta und Irland

Belgien

Als engagierter Europäer ist Belgiens Premier Charles Michels „tieftraurig“ über die Entwicklung der Ereignisse. Er gilt aber auch als „kompromisslos“ und „legalistisch“ solange es um den Respekt der Demokratie gehe. Solange Tsipras an der Macht ist und rechtmäßig gewählt wurde, ist er zwangsläufig auch der einzige Ansprechpartner für Europa.

„Natürlich ist es heute politisch undenkbar – zumindest für einige Mitgliedsstaaten – an den Schulden Griechenlands selbst etwas zu verändern. Doch wir sollten einer Follow-up-Klausel zustimmen, die uns ermöglicht – falls wir feststellen, dass die griechische Regierung entsprechende Reformen durchführt – dann im Oktober eine Debatte über die Schuldenlast zu eröffnen“, wird Belgiens Premier aus ungenannten Quellen während des Gipfels am Dienstag zitiert.

Welche Länder der Euro-Zone gegen die Haushaltsregeln verstoßen

Österreich

Von wegen harte Haltung: Alle, die denken, Österreich steht mit einer Griechenland-kritischen Position fest an der Seite der stabilitätsorientierten Länder, sehen sich getäuscht. Österreich wägt ab, Bundeskanzler Werner Faymann denkt auch offen über eine Brückenfinanzierung der Europartner nach.  „Zuerst bräuchte man ein (Hilfs-)Programm. Dann kann man überlegen, ob – bis das Programm beschlossen ist – man eine Finanzierungsbrücke baut“, sagte Faymann am Rande des Sondergipfels der Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder am Dienstag in Brüssel.
Faymann wies aber darauf hin, dass bisher konkrete Reform- und Sparvorschläge Athens fehlten. Diese gelten als Voraussetzung für finanzielle Unterstützung der Europartner. Sollte es bis Sonntag keine Vereinbarung geben, müsse ein Plan B vorbereitet werden.

Irland

Irland ist für eine Umschuldung Griechenlands, sagte der irische Finanzminister, Michael Noonan, am Dienstag. Irland wolle aber keine „harte Linie“ gegen Griechenland fahren. „Ich habe immer gesagt, dass Griechenland Teil der Eurogruppe bleiben soll. Wir sind bereit zu verhandeln – und müssen schauen, was wir dabei erreichen können.“

Griechenland brauche eine wachsende Wirtschaft – und er hofft, dass die Programme zu einem Wachstum und zu neuen Arbeitsplätzen führen. Er verwies auf Maßnahmen, die Irland ergriffen hatte wie die Verlängerung von Laufzeiten und die Reduzierung der Zinsen.

Das sagen Analysten zur Lage Griechenlands

Die Bevölkerung ist deutlich skeptischer: Medien stellen der „irischen Art“ des Umgangs mit der Schuldenkrise die „griechische Art“ gegenüber. Der Tenor: Irland habe hart gespart, von den drastischen Kürzungen haben sich Teile der Bevölkerung bis heute nicht erholt. Dies sollten doch bitte auch die Griechen tun. Dennoch: Irland wird einer Einigung nicht im Wege stehen.

Malta

Der maltesische Finanzminister Edward Scicluna nannte ein Ausscheiden Athens aus dem Euroraum eine „realistische Möglichkeit“. Das Wort „Grexit“ wird jetzt in den Mund genommen - noch vor kurzem war dagegen etwas verschämt vom sogenannten Plan B die Rede gewesen. Die Chancen stünden 50:50, dass Griechenland die Eurozone verlassen müsse.

Ein Austritt müsse untersucht werden – und mit den „besten Absichten“ und nicht mit einem um sich schlagenden Stock durchgeführt werden. Sein Ministerpräsident, Joseph Muscat, lehnt eine Abschreibung der Schulden ab .

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