Griechenland-Krise Drachme für alle!

Die EU-Politik erinnert an den letzten DDR-Staatslenker Erich Honecker. Auch der glaubte, wie die EU-Politiker heute, nur ein "vorwärts immer, rückwärts nimmer" würde den Untergang einer Illusion verhindern können.

Die Folgen eines „Grexits“
Das Nationalgetränk der Griechen droht für einen normalen Arbeiter zum unbezahlbaren Luxusgut zu werden: Ein Frappé, also eine Nescafé mit Milch, Eiswürfeln und einem Strohhalm kostete kurz vor der Einführung des Euro etwa 100 Drachmen. Das entsprach damals rund 30 Euro-Cent. Als die Griechenland-Krise ausbrach, vor etwa sieben Jahren, kostete ein Frappé bereits zwischen 2,50 und drei Euro. Quelle: dpa
Noch im Laufe des Aprils muss Griechenland zwei Staatsanleihen im Wert von 2,4 Milliarden Euro an seine Gläubiger zurückzahlen. Im Mai werden weitere 2,8 Milliarden Euro fällig, von Juni bis August muss Athen noch einmal mehr als zwölf Milliarden Euro an Schulden zurückzahlen. Woher das Geld kommen soll, ist völlig unklar. Quelle: dpa
Die sozialen Probleme sind groß, die Renten wurden gekürzt, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Die Regierung Tsipras plant deshalb Steuererleichterungen und die Wiedereinstellung von Beamten. Allein diese Maßnahmen werden im laufenden Jahr nach Berechnungen der griechischen Regierung mindestens zwölf Milliarden Euro zusätzlich kosten. Quelle: dpa
Schon seit Wochen ist von einem „Grexit“ die Rede, dem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, vielleicht sogar verbunden mit einem drastischen Schuldenschnitt. Hinter der öffentlichen Spekulation könnte Absicht stecken. Quelle: ap
Würde eine neu eingeführte Drachme gegenüber dem Euro abwerten, könnte sich die griechische Regierung nach und nach leichter entschulden. Ein Austritt der Griechen aus dem Euro böte auch noch andere Vorteile: So würde die griechische Export-Wirtschaft von einer Abwertung der Landeswährung profitieren. Quelle: dpa
Besonders teuer würde ein „Grexit“ für Menschen mit geringem Einkommen und den Mittelstand mit Sparguthaben auf  griechischen Bankkonten, während das Geld reicher Griechen im Ausland unangetastet bliebe. Quelle: dpa
Die Gläubiger werden so oder so auf Reformen beharren. Für Tsipras kommt es deshalb eigentlich nur darauf an, seinen eigenen Wählern gegenüber eine möglichst gute Figur in den Verhandlungen abzugeben. Das gilt allerdings auch für seine europäischen Partner auf der anderen Seite des Verhandlungstisches. Für alle Beteiligten ist es wichtig, dass eine Lösung der griechischen Haushaltsprobleme möglichst wenige Kollateralschaden verursacht. Quelle: dpa

Ganze fünf Monate dauerten die jüngsten Verhandlungen über eine Verlängerung der "Hilfspakete" zwischen den "Institutionen" und der griechischen Regierung an. Doch statt wie von den "Rettern" mit ihrem "letzten Angebot" erhofft, endete der Verhandlungsmarathon nicht mit der griechischen Zustimmung zum Versenken weiterer Rettungskredite - der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt den Finanzbedarf bis 2018 auf weitere rund 50 Milliarden Euro-, sondern mit deren Anberaumung eines Referendums darüber, ob das fünfjährige Spardiktat, welches das Land bereits in die völlige Katastrophe "gerettet" hat, weiter fortgeführt werden soll.

Folgen einer Staatspleite für Gläubiger

Diese Unbeugsamkeit der griechischen Regierung forderte jedoch einen hohen Tribut, schließlich fror die mächtige Europäische Zentralbank (EZB) prompt jene Liquiditätsversorgung per Emergency Liquidity Assistance (ELA-Notkredite von rund 90 Milliarden Euro) für griechische Banken ein, mit der sie in den vergangenen Monaten noch bereitwillig die Insolvenzverschleppung des Landes finanziert hatte. Die zwangsweise sofort ausgerufenen "Bankfeiertage" und deklarierten Kapitalverkehrskontrollen zeugen vom wahren Zustand des unter faulen Krediten und einem Banken-Run leidenden Bankensektors, womit die Griechenland-ist-nicht-Pleite-Rettungsaktionen der Eurokraten endgültig als Farce entlarvt wurden.

Dass das Aussprechen einfacher Wahrheiten durch den inzwischen zurückgetretenen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis – "ich bin Finanzminister eines bankrotten Staates", "wir sind nicht gewählt worden, um den Leuten weiterhin irgendetwas vorzumachen" oder "es stimmt nicht, dass Deutschland nicht genug gezahlt hätte. Deutschland hat zu viel gezahlt" – bei den Zentralplanern in Brüssel auf taube Ohren stößt, zeugt nur von deren totalen Realitätsverweigerung. Denn, wie es Europas neuer Intimfeind Nr. 1 zu Recht betonte, "sind 91 Prozent der deklarierten Rettungsgelder [über 240 Milliarden Euro!] allein an den Bankensektor gegangen, um den Anschein zu erwecken, dass faule Kredite gute wären!"

Was droht Griechenland und seinen Banken?

Und obwohl die dem Land dafür diktierte "Sparpolitik" für eine historisch beispiellose Depression sorgte - selbst die "Great Depression" in den USA war schwächer -, löste auch die seit fünf Jahren unverändert desaströs hohe Arbeitslosigkeit keinen Umdenkprozess unter den "Rettern" aus. Vielmehr interpretierten diese den ungebremsten wirtschaftlichen Absturz stets als "gesunde Basis", um dem bereits im Jahr 2010 unter seinen Schulden zusammengebrochenen Staat immer neue "Rettungskredite" aufzubürden.

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