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Griechenland-Krise Was passiert mit griechischen Pleite-Banken?

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Erinnerungen an Bankenkrise in Zypern werden wach

Nach Ansicht von Finanzaufsehern haben die griechischen Banken wenn überhaupt nur noch für ein paar Tage Liquidität. Wenn kurzfristig kein Rettungsgeld von der EZB oder von internationalen Geldgebern fließt, bricht Griechenlands Bankensystem zusammen, bevor der europäische Abwicklungsmechanismus greifen kann.

Dann droht ein nationaler Alleingang Griechenlands beim Krisenmanagement. Dabei könnten sogar die Spareinlagen herangezogen werden, um Verluste der Banken abzudecken. So ist es 2013 bei der Bankenkrise in Zypern passiert.

Damals wurden allerdings nur reiche Einleger geschröpft. In Griechenland ist aber schon so viel Geld abgeflossen, dass solche Klassenunterschiede wahrscheinlich gar nicht mehr gemacht werden. Die Sparer stünden dann vor verschlossenen Bankschaltern und müssten hilflos mit ansehen, wie sich ihre Kontoguthaben in Luft auflösen. So sah sich Andrea Enria, Chef der Bankenregulierungsbehörde EBA in London am Wochenende genötigt, Gerüchte zu dementieren, wonach griechischen Sparern eine Enteignung drohe.

Folgen einer Staatspleite für Gläubiger

Die EBA entwickelt einheitliche Spielregeln für Banken in der Europäischen Union, deren Einhaltung von der EZB-Bankenaufsicht in Frankfurt überwacht wird. Enria unterstrich, dass eine Haftung griechischer Normalsparer für Bankenpleiten das europäische Recht brechen würde. Denn dieses schützt seit dem 3. Juli mit einheitlichen Vorschriften Beträge von 100.000 Euro je Sparer.

Ob die griechische Einlagensicherung diesen Schutz gewährleisten kann, ist zu bezweifeln. Denn es handelt sich dort um eine Krise des gesamten Bankensektors, während gängige Einlagensicherungssysteme nur für Pleiten einzelner Institute ausgelegt sind.

Europa



Selbst wenn der Europäische Abwicklungsmechanismus kurzfristig, also vor seinem offiziellen Start, in Griechenland eingreifen könnte, stünde er vor Problemen, die bei seiner Konstruktion nicht vorhergesehen wurden. Da wäre zum Beispiel die Frage, wie mit einer möglichen Rückkehr Griechenlands zu einer nationalen Währung umgegangen wird. Ein landesinternes Zahlungsmittel könnte den griechischen Banken plötzlich wieder Liquidität verschaffen.

Wie wohl die EZB-Bankenaufsicht und die Abwicklungsbehörde bei einem solchen Schritt reagieren? Laut Satzung sind sie nur für Banken der Euro-Zone zuständig. Die Verantwortung für Banken in EU-Mitgliedsländern außerhalb der Währungsunion können sie nur an sich ziehen, wenn diese sich freiwillig den Institutionen der Bankenunion unterwerfen.

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