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Griechenland-Krise Es geht um den Wert des Geldes

Die Eurozone hätte insgesamt wohl kein Problem, wenn der Euro vom aktuellen Niveau noch einmal 30 Prozent abwertete. Dennoch wird lauthals über Verarmung sowie Einkommens- und Vermögensverluste in Griechenland lamentiert, sollte dort wieder die Drachme eingeführt werden.

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Frisch gedrucktes Geld Quelle: dpa

Eines hat die griechische Linke geschafft: Sie hat schonungslos offengelegt, wo die Sollbruchstelle innerhalb der Europäischen Union (EU) verläuft. Während die deutsche Seite mit einem kleiner werdenden Häufchen gesinnungsverwandter Partnerländer – endlich und berechtigt - auf dem Höhepunkt ihres Misstrauens gegenüber Griechenland angelangt ist, sind vor allem Frankreich und Italien - gemeinsam mit den Eurokraten und den Institutionen der Troika – bereit, das erfolgreich vorgetragene taktische Spiel von Tsipras & Co. auszublenden, ja gar ins Gegenteil dessen zu verklären, was es offenkundig ist: die skrupellose Beschaffung von frischem Geld, sehr viel Geld - und egal wie.

Deutschland will Sicherheiten in Form werthaltiger Vermögensgegenstände. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist sich der Dimension neuer Hilfspakete inzwischen bewusst und scheint sich daran zu erinnern, dass Geld das Ergebnis einer Wertschöpfung ist und nicht einer funktionierenden Notenpresse im Keller.

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Geld kommt nicht nur aus der Notenpresse

Dieser Gedanke ist im Europa dieser Tage verloren gegangen. Banken verschulden sich in beliebiger Größenordnung zum Nulltarif, wertlose Bonds dienen als Sicherheiten für eine ungebremste Geldschöpfung der Europäischen Zentralbank (EZB), Zinsen wurden abgeschafft und damit die Leistung von Sparern, die ein Leben lang in einem echten Wertschöpfungsprozess standen, entwertet. Wenn Geld und Kapital keine Zinsen kosten,  ist es auch unerheblich ob mit neuen Schulden Investitionen getätigt werden oder die Rentenbezüge von Verstorbenen sowie die Bezüge von Staatsdienern ohne Aufgabengebiet finanziert werden.

In den Verhandlungen offenbart sich die pure Hilflosigkeit einer EU, die immer noch vorgibt, an die friedenstiftende Wirkung des Euro zu glauben. Und nun der zu erwartende Schulterschluss des französischen Staatspräsidenten François Hollande mit Italiens Ministerpräsidenten Matteo Renzi gegen die deutsche Position. Eine harte Haltung gegenüber einem undisziplinierten Schuldner wird in eine Demütigung Griechenlands uminterpretiert. Was steckt dahinter?

Frankreich und Italien sind kaum besser als Griechenland

Tatsächlich dürfte es um die durchaus berechtigte Befürchtung beider Länder gehen, vielleicht selbst bald das Griechenland Nummer zwei und Nummer drei zu werden. Gut, wenn man dann für die eigene Interessenlage bereits vorgebaut hat und in gönnerhafter Manier frühzeitig der EU ihre letzten unangenehmen scharfen Kanten genommen hat.

Denn auch Frankreich und Italien haben Probleme mit den hohen Kosten ihrer staatlichen und gesellschaftlichen Verfassung. In Frankreich müssen jedes Jahr die Absolventen der Hautes Écoles in privilegierten Positionen in Staat und Verwaltung untergebracht werden und mit Blick auf Italien mag man über die gesamtgesellschaftlichen finanziellen Auswirkungen der organisierten Kriminalität kaum spekulieren. Düpiert müssen sich jene Länder fühlen, die sich auf einem steinigen aber langfristig erfolgversprechenden Weg befinden. Wenn andere hart arbeitende Problemländer nun auch, durch die griechische Chuzpe ermuntert, die einfache Option ziehen, dürfte dies in der EU noch eine Menge Probleme machen.

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Das Geld verliert seinen Wert

Es wird deutlich, dass für Frankreich und Italien der Strom aus der Steckdose kommt und das Geld von der EZB. Ob das Geld einen Wert repräsentiert ist zweitrangig, es soll eine Funktion erfüllen, nämlich so weitermachen zu können wie schon immer.

Wenn dieses Geld dann international seinen Wert an den Devisenmärkten einbüßt – um so besser, dann brummt der Export und die importierte Inflation hilft beim, das Schuldenproblem in Schach zu halten.

Europa



Seltsam nur, dass diese Eurozone insgesamt wohl kein Problem damit hätte, wenn der Euro vom aktuellen Niveau noch einmal 30 Prozent abwertete, unter die Parität zum Dollar. Zugleich wird lauthals vor Verarmung sowie Einkommens- und Vermögensverlusten in Griechenland gewarnt, sollte dort wieder die Drachme eingeführt werden.

Es sei der Urlaubszeit geschuldet, dass man – vielleicht nicht ganz abwegig – der Vermutung erliegt, Renzi könnte leere Strände in Italien befürchten, wenn Griechenland das Exportgut Urlaubsdienstleistung nach einem Grexit für die Hälfte anbietet.

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