Griechenland-Krise Griechenlands Zukunft bleibt unsicher

Auch nach acht Stunden Verhandlungen konnten sich die Finanzminister der Eurozone nicht auf gemeinsame Position einigen. Die Entscheidung der Euroländer ist vor allem eine Frage der Glaubwürdigkeit.

"Der Euro ist stabil, der Euro ist stark"
Stärker als gedacht"Scheitert der Euro, scheitert Europa" ist einer der Sätze von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die vielen in Erinnerung bleiben. Mittlerweile wurde er ein wenig umgedeutet, an Griechenland dürfe der Euro nicht scheitern, hieß es kürzlich. Bisher sieht es danach auch aus, die Gemeinschaftswährung hält sich trotz des eskalierenden Griechenland-Dramas überraschend stabil. Auf Wochensicht verläuft die Entwicklung des Euro zum Dollar seitwärts, die Verluste vom Handelsbeginn am Montag hat die Gemeinschaftswährung wieder ausgeglichen. "Während sich die Lage in Griechenland zuspitzt, zeigt sich der Devisenmarkt weiterhin gelassen", schreibt die Commerzbank in einem Kommentar. Aus Sicht der Analysten liegt das vor allem an der Europäischen Zentralbank (EZB). "Die Lorbeeren gehören der EZB, die mit ihrem Versprechen, dass sie all ihre Instrumente nutzen würde, um Ansteckungseffekte einzudämmen, Spekulationen binnen kurzer Zeit den Garaus gemacht hat." Quelle: REUTERS
Retter in der NotOffenbar gibt es einige, deren Vertrauen in den Euro vor allem auf dem Engagement der Zentralbank fußt. Alle glauben das aber nicht: "Die Wette gegen den Euro war gefährlich und verlustreich”, sagt Ray Attrill, Chef-Devisenstratege der National Australia Bank in Sydney. „Es gibt genug Leute, die daran glauben, dass ein Austritt Griechenlands keine signifikanten Ansteckungseffekte haben wird und dass die EZB und die EU-Politiker alles tun werden, um den Euro zu stützen. Ich gehöre nicht dazu“. Quelle: dpa
Positive oder negative Folgen?Die Folgen eines Austritts des Landes aus dem Euro („Grexit“) würden am Devisenmarkt sehr unterschiedlich bewertet, begründet Lutz Karpowitz von der Commerzbank die geringe Reaktion der Märkte auf Griechenland-Meldungen. So sei die Gruppe derjenigen, die einen Austritt als positiv für den Euro bewerte, etwa gleich groß wie die Gruppe, die ihn negativ sehe. „Nach einem Grexit dürfte allerdings schnell klar werden, dass Ansteckungseffekte ausbleiben“, erwartet Karpowitz. Anfängliche Verluste würde der Euro zügig wieder gutmachen. Quelle: dpa
Ansteckungseffekte ja oder nein?Eine mittel- bis langfristige Gefahr für den Euro könnte von möglichen Ansteckungseffekten anderer Euro-Länder wie Spanien oder Portugal ausgehen. Österreichs Finanzminister rechnet nicht damit: "Der Euro ist stabil, der Euro ist stark", sagte Hans Jörg Schelling am Dienstag in Wien. Er erwarte durch den ungelösten Schuldenstreit mit Griechenland keine Finanzkrise. Selbst wenn sich die Griechen bei dem geplanten Referendum gegen die Vorschläge der internationalen Geldgeber aussprechen sollten, erwarte er keine "Ansteckungseffekte" für die Euro-Zone. Quelle: REUTERS
Untergang abgesagt?Insgesamt hält die Mehrheit der Analysten die Gefahr für den Euro für deutlich geringer als vor einigen Monaten. "Ein "Grexit" wird nicht mehr mit dem Ende des Euro verknüpft", sagt Claudia Windt, Analystin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Insgesamt habe die Untergangsrhetorik deutlich abgenommen. Quelle: dpa
VertrauensproblemEin Grexit könnte weniger ein Ansteckungs-, als ein Vertrauensproblem für den Euro werden. "Ein Austritt Griechenlands dürfte den Euro merklich schwächen", sagt Bernd Krampen, Analyst bei der NordLB. Davon würde zwar die heimische Exportwirtschaft profitieren, gesamtwirtschaftlich wäre der Vertrauensverlust allerdings problematisch. Quelle: REUTERS
Grexit oder Graccident Quelle: Marcel Stahn

Am Dienstag hatten die Staats- und Regierungschefs Griechenland ein Ultimatum gesetzt, binnen fünf Tagen überzeugend darzustellen, wie die Regierung von Alexis Tsipras den Grexit vermeiden wollte. Doch nach dem äußerst schwierigen Treffen der Eurofinanzminister am Samstag ist nicht klar, ob die Frist so final ist, wie bisher dargestellt.

Heute werden die Finanzminister um 11 Uhr erneut zusammenzukommen, um ein weiteres Mal zu erörtern, ob sie die Eröffnung von Verhandlungen zu einem dritten Hilfspaket für Griechenland empfehlen können. Um 16 Uhr ist ein Eurogipfel geplant. Der für 18 Uhr geplante Sondergipfel aller 28 Staats- und Regierungschefs der EU wurde am Sonntagvormittag kurzfristig abgesagt. Ohne eine konkrete Empfehlung der Finanzminister wird es jedoch schwierig, Griechenland in der Eurozone zu halten.

An Griechenland hängt mehr als nur der Euro

Am Samstag wurde sichtbar, dass die Bundesregierung den versöhnlichen Kurs Frankreichs nicht teilt. Für eine echte Überraschung sorgte ein Vorschlag aus dem Bundesfinanzministerium, Griechenland für fünf Jahre aus der Währungsunion zu entlassen. Zwar haben die Finanzminister offenbar gar nicht konkret über die Berliner Idee eines Grexit auf Zeit diskutiert. Aber die Bundesregierung hat mit dem Papier deutlich gemacht, dass sie Griechenlands Verbleib in der Eurozone nur unter hohen Auflagen akzeptieren will. Alternativ schlägt das Papier vor, griechische Vermögenswerte von 50 Milliarden Euro als Sicherheit in einen Fonds zu überführen.

Das Papier war zwischen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Bundeskanzlerin Angela Merkel abgestimmt. Aus der SPD kam nach bekanntwerden Protest. Vize-Kanzler Sigmar Gabriel postete am Samstag auf Facebook eine Reaktion, in der er betonte, dass in der aktuellen Situation alle Optionen geprüft werden müssten. Damit hat er sich nicht eindeutig von dem Vorstoß distanziert.

Gabriel ist am Sonntag in Brüssel und wird mit den Spitzen der Sozialdemokraten vor dem Gipfel zusammenkommen. Er hatte Tsipras nach dem Referendum am vergangenen Wochenende hart kritisiert, hatte sich zuletzt aber wieder der Position von Frankreichs Präsident Francois Hollande angenähert, der nach einem Kompromiss sucht. Allerdings drängt auch Gabriel auf harte Reformen bei den Griechen.

Frankreich hatte vor dem Wochenende den Eindruck erweckt, eine Einigung mit Griechenland stehe unmittelbar bevor. Ministerpräsident Manuel Valls hatte öffentlich betont, das Land sei von „äußerster geostrategischer und geopolitischer Bedeutung“, weshalb ein Grexit auf jeden Fall vermieden werden sollte. Die französische Regierung hatte ein Team von zehn Beamten nach Athen geschickt, um der griechischen Regierung zu helfen, ihre Reformvorschläge zu formulieren.

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