Griechenland-Krise Griechisches Schuldendrama schürt Nervosität

Griechenland ist schuld - sagt die EU. Die Kreditgeber sind schuld - hält Athen dagegen. Fakt ist: Es gibt keine Lösung im Schuldenstreit. Und Anleger glauben offenbar auch immer weniger daran.

Der griechische Premierminister Alexis Tsipras sein Finanzminister Yanis Varoufakis im Gespräch. Quelle: dpa

Die Blockade im griechischen Schuldenstreit schürt weltweit Nervosität. Die Kurse an der Athener Börse brachen am Montag zeitweise um mehr als sieben Prozent ein, weil bei Gesprächen zur Lösung der Krise am Wochenende wieder nichts herauskam. Der französische Präsident François Hollande warnte vor Turbulenzen und beschwor Athen, rasch weiter zu verhandeln: „Griechenland darf nicht warten, es ist keine Zeit zu verlieren.“

Das Rettungsprogramm für den schwer angeschlagenen Eurostaat läuft nur noch bis Ende Juni. Griechenland ringt seit Monaten um die Freigabe der letzten 7,2 Milliarden Euro, unter anderem, um Ende Juni fällige Schulden zurückzuzahlen. Die Kreditgeber - Internationaler Währungsfonds, Europäische Zentralbank und Europäische Union - verlangen jedoch dafür Reformen, die Athen ablehnt. Ohne frisches Geld steuert Griechenland auf eine Staatspleite zu.

An Griechenland hängt mehr als nur der Euro

Nach dem Scheitern der jüngsten Brüsseler Verhandlungsrunde am Wochenende sagte EU-Kommissionssprecherin Annika Breidthardt, Griechenland habe sich nicht bewegt, während die Kreditgeber substanzielle Zugeständnisse gemacht hätten. „Das ist keine Einbahnstraße“, sagte sie.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras stellte die Lage anders da und machte die Kreditgeber verantwortlich. Die Eurogruppe und der IWF hätten neue Rentenkürzungen gefordert, was Athen abgelehnt habe. Nach Angaben aus Regierungskreisen gibt es zudem Streit über eine geforderte Mehrwertsteuererhöhung und die Höhe des Haushaltsüberschusses nach Abzug des Schuldendiensts.

„Es geht hier nicht um ideologischen Starrsinn“, schrieb Tsipras in der Zeitung „Efimerida Ton Syntakton“. „Es geht um Demokratie. Wir werden geduldig darauf warten, dass die Institutionen Realismus zeigen.“ EU-Kommissionssprecherin Breidthardt legte Wert auf die Feststellung, dass nicht einzelne Renten gekürzt werden sollen, das sei eine falsche Darstellung. Vielmehr gehe es um eine Reform des sehr teuren Rentensystems insgesamt.

Die internationalen Finanzmärkte verlieren angesichts des Streits offenbar das Vertrauen: Nicht nur in Asien, sondern auch in Europa gaben die Kurse nach. Der Stoxx50 verlor 1,5 Prozent. Griechenland musste für eine zweijährige Anleihe 28,4 Prozent Zinsen bieten - ein Hinweis, dass Anleger den Zahlungsausfall als reale Gefahr sehen.

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Hollande sagte, er werde wohl schon bald Gelegenheit haben, erneut mit Tsipras und Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sprechen. Als entscheidendes Datum gilt der Donnerstag dieser Woche: Dann treffen sich in Luxemburg die Euro-Finanzminister. Das Bundesfinanzministerium äußerte erneut Kritik an Griechenland. Wieder sei Zeit verloren worden, weil Griechenland Einzelheiten ausgelassen habe, sagte Sprecher Martin Jäger. Die Zeit werde langsam knapp.

Ende Juni muss Griechenland 1,6 Milliarden Euro an den IWF zurückzahlen, wenig später weitere Milliardenbeträge an die Europäische Zentralbank. Bei einem Zahlungsausfall muss das Land nach Einschätzung von Experten womöglich aus dem Euro ausscheiden. Ein Großteil der bisher geleisteten Hilfen von 240 Milliarden Euro müsste dann wohl abgeschrieben werden.

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