WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Griechenland-Krise Eurorettung schadet dem Mittelstand

Seite 2/2

Transmissionsmechanismus defekt

Die von der EZB herbeigeführte Privilegierung der öffentlichen Hand am Kapitalmarkt ist gleichzeitig eine massive Benachteiligung des Mittelstands. Für ihn ist Kapital weiterhin ein knappes und teures Gut. Denn der berühmte Transmissionsmechanismus, bei dem die Banken dafür verantwortlich sind, dass niedrige Zentralbankzinsen ihren Weg in die Realwirtschaft finden, funktioniert nicht.

Die Finanzabteilungen der großen börsennotierten Unternehmen können sich besser helfen. Sie beherrschen das Instrumentarium des Investment Banking so gut  wie die Banken selbst. Sie können ihre oft mit Investment-Grade Rating ausgestatteten Corporate Bonds zinsgünstig international platzieren, gegebenenfalls Aktien zurückkaufen und ihre Kapitalstruktur frei von Zwängen optimieren.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen
    Die Bilder der Griechenland-Wahl
    Starke Prognose für Syriza: Auf der Wahlparty des Linksbündnisses wird bei der Veröffentlichung der ersten Zahlen laut gejubelt. Quelle: ap
    Den Tränen nahe: Einige Mitglieder feiern den Wahlsieg emotional. Quelle: Reuters
    Dagegen herrscht bei der bisherigen Regierungspartei Nea Dimokratia Entsetzen – sie landet deutlich hinter Syriza. Quelle: ap
    Pure Enttäuschung bei den Anhängern von Nea Dimokratia. Die bisherige Regierungspartei sackt deutlich ab. Quelle: Reuters
    Schon die erste Wahlprognose sah Syriza mit 35,5 bis 39,5 Prozent vorne. Das ließ die Anhänger auf der Wahlparty jubeln. Quelle: Reuters
    Auf der Wahlparty des linksradikalen Bündnisses Syriza feierten auch Deutsche mit – Anhänger der Linken. Die wollen „von Griechenland aus Europa verändern“. Quelle: Reuters
    Alexis Tsipras (M.) war schon vor den ersten Prognosen der Mann des Tages. Wo der haushohe Favorit vom radikalen Linksbündnis Syriza auch auftauchte, das Interesse war gewaltig. Quelle: dpa

    Der Mittelstand wirkt demgegenüber wie ein Diskriminierter. Börsennotierte Mittelständler profitieren zwar auch von dem Run auf Aktien, können ihren Marktwert erhöhen und damit ihre kalkulatorischen Eigenkapitalkosten senken. Aber gemeinsam mit den nicht-gelisteten Mittelstandsunternehmen hängen sie überwiegend als Kreditnehmer von ihren Bankbeziehungen ab.

    Eine Kreditklemme sehen die meisten Mittelständler zwar nicht; auch sind die Kommunikationsbeziehungen der Unternehmen in die Bankenwelt durch Basel II offensichtlich gestärkt worden, hinsichtlich der Transparenz bei Bonitätsbewertungsfragen. Aber die Risikoprämien, die Banken bei Kreditvergaben verlangen, dürften oft so hoch liegen, dass Unternehmen es vorziehen in das Segment der Mittelstandsanleihen auszuweichen, obwohl deren Image – wie seinerzeit das des Neuen Marktes nach spektakulären Abstürzen– sichtlich angekratzt ist.

    Diese Regierungen scheiterten wegen der Euro-Krise

    Das Problem ist einfach, dass Banken der Versuchung erliegen, ihre Mittel am Aktienmarkt zu investieren statt Kredite zu geben. Und sie können die dort über Kursgewinne erzielbaren Renditen sogar ein wenig selbst mit beeinflussen - durch die medienwirksame Ausgabe ambitionierter Kursziele für den Index.

    Regelrecht gefährdet ist die Investitionstätigkeit des Mittelstands durch die voraussichtliche Erosion des Sparens. Dem Sparen wird durch die Draghi´sche Nullzinspolitik systematisch der Boden entzogen. Dass die Sparquote in ihrer Höhe mehr oder weniger gleich bleibt, nur die Sparformen sich ändern hin zu riskanteren Anlagen, die zählbare Zinserträge bringen, ist äußerst unwahrscheinlich. Dazu sind die Deutschen in finanziellen Angelegenheiten nicht firm genug. Eher steht zu befürchten, dass die Nation, die den Weltspartag erfunden hat, zu einer Nation von Konsum-Hedonisten wird.

    Europa



    Keynesianer finden das nicht so schlecht, denn sie argumentieren, dass Sparen Nachfrageausfall bedeutet und somit ohnehin schädlich für Wachstum und Investitionen sind.

    Aber empirisch und statistisch belegt ist, dass die Sparquote und die Investitionsquote eindeutig positiv korreliert sind. Auch das ist plausibel, denn die Sparleistung einer Volkswirtschaft stellt schließlich den Kapital-Pool dar, aus dem Investitionen bestritten werden können. Ob nun Keynesianer oder Klassiker Recht behalten wird die Zeit zeigen. Aber die Risiken für den investierenden Mittelstand sind groß.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    Zur Startseite
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%