Griechenland-Krise Was passiert mit griechischen Pleite-Banken?

Griechenlands Banken stehen vor der Kernschmelze. Kann die Aufsicht sie kontrolliert herunterfahren? Eine Vertreterin der frisch gegründeten Europäischen Abwicklungsbehörde versucht sich mit ersten Antworten.

Eine Griechin ist vor einer zerbrochenen Steinplatte der Nationalbank zu sehen. Quelle: REUTERS

Während die Pleite Griechenlands die dortigen Banken in den Zusammenbruch treibt, arbeitet die Europäische Union mit Hochdruck an Brandmauern, die das Geld von Sparern und Steuerzahlern bei solchen größtanzunehmenden Finanzunfällen schützen sollen. Beeindruckend ist die Liste mit Projekten, sowohl der angefangenen als auch der vollendeten.

Ein kurzer Überblick: Im November 2014 hat die Europäische Zentralbank das Oberkommando als Aufseherin über die rund 120 bedeutendsten Bankengruppen der Euro-Zone übernommen.

Dem voraus ging ein monatelanger, detaillierter Stresstest der direkt zu beaufsichtigenden Großinstitute, bei dem übrigens bloß eine der teilnehmenden griechischen Banken bestand. Weitere regelmäßige Belastungschecks folgen. So will die EZB im laufenden Jahr die deutschen Sparkassen und Volksbanken besonders aufmerksam unter die Lupe nehmen.

Was droht Griechenland und seinen Banken?

Auch die Vollendung von Schritt zwei auf dem Weg zur Bankenunion steht bevor. Im Januar hat die europaweit zuständige Bankenabwicklungsbehörde in Brüssel ihre Arbeit aufgenommen. Unter Leitung der ehemaligen BaFin-Chefin Elke König soll der Abwicklungsmechanismus nun betriebsfertig gemacht werden, um im Januar 2016 die Verantwortung zu übernehmen.

Das heißt: Dann entscheidet Brüssel, ob eine kriselnde Großbank in Europa weiterleben darf oder stillgelegt wird. Geld aus dem einheitlichen Bankenrettungsfonds, der ebenfalls in Brüssel verwaltet wird, gibt es nur, wenn zuvor Gläubiger und Eigentümer des betroffenen Geldinstituts ausreichend geblutet haben.

Werden die Brandmauern rechtzeitig fertig?

Bankenpleiten sollen dank dieser Sicherheitsvorkehrungen so schmerzfrei wie möglich für den Rest des Finanzsystems und der Realwirtschaft über die Bühne gehen. Teure nationale Rettungsaktionen wie bei der letzten Krise werden dadurch überflüssig. Wenn die eigene Abwicklung zum realistischen Szenario wird, werden Banker ihre Geschäfte künftig vorsichtiger angehen, um den Fall der Fälle gar nicht erst eintreten zu lassen, so das Kalkül der Konstrukteure des neuen Schutzmechanismus.

Das gedankliche Fundament der europaweiten oder zumindest euro-zonenweiten Bankenunion steht also. Angesichts der Finanzkrise in Griechenland stellt sich allerdings die bange Frage, ob die europäischen Brandmauern überhaupt rechtzeitig fertig werden, bevor die griechischen Banken in Flammen aufgehen. Diese Frage richtete der Moderator des heutigen Symposiums der Bundesbank und der Fachzeitschrift für das gesamte Kreditwesen an die Expertin Joanne Kellermann. Sie ist ständiges Mitglied im Vorstand der neuen Brüsseler Behörde für die Bankenabwicklung unter dem Vorsitz von Elke König.

Ihre Antwort lässt Raum für Interpretationen. „Wir stehen bereit“, sagte Kellermann, wies aber darauf hin, dass der einheitliche Abwicklungsmechanismus wie geplant erst 2016 seine volle Funktionsfähigkeit erhalten werde. Zudem stellte sie klar, dass der europäische Abwicklungsfonds nur zur Verfügung stehe, wenn vorher ein Bail-in erfolgt sei. Sprich: Geld aus dem Fonds fließt nur, wenn die Gläubiger und Eigentümer vorher ausreichend an den Verlusten beteiligt wurden. Darüber hinaus stellen sich weitere dringende Fragen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%