Griechenland-Krise Wer drängt Griechenland zum Grexit?

Die 18 Euro-Partner Griechenlands suchen nach einer Lösung der Krise. Dabei sind die jeweiligen Ansätze höchst unterschiedlich. Wer die Griechen im Euro halten will, welche Nationen auf den Grexit drängen – und wie Griechenlands Chancen sind.

2-Euro Münze Quelle: dpa

Bis Sonntag muss eine Lösung her. Darauf haben sich die Euro-Länder mit Griechenland verständigt. Entweder, dann steht ein drittes Hilfsprogramm für Athen – oder das Land geht Pleite und muss aus dem Euro-Raum ausscheiden.

Die zentrale Frage ist, ob eine große Mehrheit der Länder dem Hilfegesuch der Griechen entgegenkommt und neue Kredite über den Rettungsschirm ESM gewährt. Während beim ESM-Vorgänger, dem Rettungsschirm ESFS, das Votum einstimmig sein musste, reicht es laut ESM-Regularien, wenn 85 Prozent des Kapitals zustimmen. Jedenfalls in "besonders eilbedürftigen Verfahren". Die Griechenland-Rettung dürfte dazuzählen. Deutschland schultert mit 27,15 Prozent der Gesamtsumme den größten Anteil – und könnte eine Rettung locker blockieren. Litauen oder Slowenien aber nicht.

Fakt ist: Europa ist in der Frage, wie mit Griechenland umgegangen werden soll, gespalten. Neben einigen wenigen Hellas-Verstehern, gibt es eine breite Front von Ländern, die klare Regeln für neue Gelder fordern – aber einem dritten Hilfspaket wohl nicht im Wege stehen würden. Mindestens fünf Länder dürften hingegen nur sehr schwer zu einem Kompromiss zu bewegen sein.

Von Grexit bis Graccident - die wichtigsten Begriffe zur Schuldenkrise

Wir haben die Positionen der 18 Euro-Partner Griechenlands zusammengetragen, aufsteigend von den größten Griechenland-Verstehern bis zu den größten Grexit-Befürwortern – und schätzen am Ende ein, wie groß die Wahrscheinlichkeit eines Bündnisses gegen weitere Griechenland-Hilfen ist.

Zypern

Präsident Nicos Anastasiadas gilt als Freund der Griechen und fordert einen Schuldenschnitt. Die Verbindlichkeiten müssten auf ein solides Niveau gesenkt werden.

In einer Regierungsansprache rief er alle Parteien bei erster Gelegenheit dazu auf, eine Vereinbarung zu erreichen, die Griechenland in der EU und im Euro hält, Perspektiven für die Zukunft schafft – und bessere Bedingungen.

Wir werden Griechenland bei der Umstrukturierung unterstützen, so dass eine nachhaltige „Umschuldung“ möglich wird.“

Italien

Regierungschef Matteo Renzi zählt zu den größten Griechenland-Verteidigern in der Euro-Zone. Die Motive sind ähnlich wie bei Frankreich: Italien hat Angst, dass der Grexit doch Domino-Effekte auslösen und Zweifel an der Zukunft Italiens im Euro-Raum wecken könnte. Zudem will Renzi, dass sich Europa vom Sparen verabschiedet und eine keynesianische Politik verfolgt, sprich: Die EU soll Geld locker machen, Investitionsprogramme auflegen und so Wachstum schaffen.

Frankreich

Das Land nimmt eine Schlüsselrolle in den Verhandlungen ein. Nach außen sind Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Francois Hollande bemüht, Gemeinsamkeiten in der Griechenland-Frage zu finden und zu betonen; Hollande nickt pflichtschuldig, wenn Merkel auf gemeinsamen Pressekonferenzen davon spricht, dass Solidarität und Solidität „zwei Seiten einer Medaille“ sind. Dennoch sind die Franzosen deutlich aufgeschlossener, wenn es um Hilfen für Griechenland geht als andere Euro-Länder.

Zu groß ist die Angst, dass der Grexit auf Frankreich übergreifen, die heimische Wirtschaft schwächen und das Geldleihen teurer machen könnte. Frankreich werde „alles“ tun, um „Griechenland in der Euro-Zone zu halten“, verspricht Premierminister Manuel Valls. Auch ein Schuldenschnitt dürfe kein Tabu sein.

Wie stehen Griechenland, Spanien und Co. da?
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Die Lohnstückkosten sind in Griechenland, Irland und Spanien vergleichbar hoch. Für Griechenland senkt das die Wettbewerbsfähigkeit im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung deutlich herab.
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Alle vier Länder haben den Abbau der Staatsausgaben verbessert. Besonders Griechenland war hier auf einem guten Weg, bis im Januar Syriza an die Macht kam.
Mit dem Abbau der Staatsverschuldung haben alle vier Länder noch ein Problem und sind noch weit entfernt von einem akzeptablen Stand. Am besten schlagen sich hier Spanien und Irland.
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Luxemburg

Gemischte Gefühle bei Luxemburgs Premier Xavier Bettel. „Wir sind nicht mehr fünf vor Zwölf, aber 30 Sekunden vor Zwölf,“, sagte der luxemburgische Premier Xavier Bettel. Einen Schuldenschnitt schließt er aber aus. „Ich habe eine Verantwortung dem luxemburgischen Steuerzahler gegenüber“, so Bettel beim Auftakt des Krisengipfels in Brüssel. Ein Euro-Austritt wäre eine „Lose-Lose-Situation“, bei der jeder verlieren würde, sowohl Griechenland als auch die Eurozone und die EU. Aber: Eine Einigung wird an Luxemburg nicht scheitern – zumal das Land aktuell die EU-Ratspräsidentschaft innehat und deswegen qua Amtes bei der Kompromisssuche gefordert ist.

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