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Griechenland Syriza treibt das Land ins Abseits

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Kurs der radikalen Linken

Mitte der Woche sitzt eine Beraterin des Regierungschefs in einem Café im Stadtteil Kolonaki und stellt zufrieden fest: „Im Moment gibt es keine Strömungen mehr.“ Tsipras sei es mit seinem Schwenk auf den Kurs der radikalen Linken gelungen, die Partei zu einen. War es also das, was Alexis Tsipras mit dem Ausstieg aus den Verhandlungen bezweckte? Eine gespaltene Partei zu vereinen?

Wie schafft es eine solche Strömung, in die Mitte der Gesellschaft zu gelangen? Vielleicht, weil die Mitte der Gesellschaft sich mittlerweile darstellt wie in Perama, einem Arbeiterviertel außerhalb von Athen. Jeder spürt hier die aufgestaute Frustration in den Straßen und Cafés. So wie bei Tarros, einem braun gebrannten Vorarbeiter am Bau: „Die jungen Männer hier arbeiten zwölf Stunden am Tag und verdienen trotzdem nur 300 Euro im Monat“, schimpft er. Wenn sie überhaupt Arbeit bekommen. Er selbst sei ein Jahr auf der Suche gewesen, ehe er im Januar einen Job gefunden habe. Der Mann will die Drachme zurück, sagt er: „Unsere wirtschaftliche Lage war viel besser, als wir den Euro noch nicht hatten.“

"Der Euro ist stabil, der Euro ist stark"
Stärker als gedacht"Scheitert der Euro, scheitert Europa" ist einer der Sätze von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die vielen in Erinnerung bleiben. Mittlerweile wurde er ein wenig umgedeutet, an Griechenland dürfe der Euro nicht scheitern, hieß es kürzlich. Bisher sieht es danach auch aus, die Gemeinschaftswährung hält sich trotz des eskalierenden Griechenland-Dramas überraschend stabil. Auf Wochensicht verläuft die Entwicklung des Euro zum Dollar seitwärts, die Verluste vom Handelsbeginn am Montag hat die Gemeinschaftswährung wieder ausgeglichen. "Während sich die Lage in Griechenland zuspitzt, zeigt sich der Devisenmarkt weiterhin gelassen", schreibt die Commerzbank in einem Kommentar. Aus Sicht der Analysten liegt das vor allem an der Europäischen Zentralbank (EZB). "Die Lorbeeren gehören der EZB, die mit ihrem Versprechen, dass sie all ihre Instrumente nutzen würde, um Ansteckungseffekte einzudämmen, Spekulationen binnen kurzer Zeit den Garaus gemacht hat." Quelle: REUTERS
Retter in der NotOffenbar gibt es einige, deren Vertrauen in den Euro vor allem auf dem Engagement der Zentralbank fußt. Alle glauben das aber nicht: "Die Wette gegen den Euro war gefährlich und verlustreich”, sagt Ray Attrill, Chef-Devisenstratege der National Australia Bank in Sydney. „Es gibt genug Leute, die daran glauben, dass ein Austritt Griechenlands keine signifikanten Ansteckungseffekte haben wird und dass die EZB und die EU-Politiker alles tun werden, um den Euro zu stützen. Ich gehöre nicht dazu“. Quelle: dpa
Positive oder negative Folgen?Die Folgen eines Austritts des Landes aus dem Euro („Grexit“) würden am Devisenmarkt sehr unterschiedlich bewertet, begründet Lutz Karpowitz von der Commerzbank die geringe Reaktion der Märkte auf Griechenland-Meldungen. So sei die Gruppe derjenigen, die einen Austritt als positiv für den Euro bewerte, etwa gleich groß wie die Gruppe, die ihn negativ sehe. „Nach einem Grexit dürfte allerdings schnell klar werden, dass Ansteckungseffekte ausbleiben“, erwartet Karpowitz. Anfängliche Verluste würde der Euro zügig wieder gutmachen. Quelle: dpa
Ansteckungseffekte ja oder nein?Eine mittel- bis langfristige Gefahr für den Euro könnte von möglichen Ansteckungseffekten anderer Euro-Länder wie Spanien oder Portugal ausgehen. Österreichs Finanzminister rechnet nicht damit: "Der Euro ist stabil, der Euro ist stark", sagte Hans Jörg Schelling am Dienstag in Wien. Er erwarte durch den ungelösten Schuldenstreit mit Griechenland keine Finanzkrise. Selbst wenn sich die Griechen bei dem geplanten Referendum gegen die Vorschläge der internationalen Geldgeber aussprechen sollten, erwarte er keine "Ansteckungseffekte" für die Euro-Zone. Quelle: REUTERS
Untergang abgesagt?Insgesamt hält die Mehrheit der Analysten die Gefahr für den Euro für deutlich geringer als vor einigen Monaten. "Ein "Grexit" wird nicht mehr mit dem Ende des Euro verknüpft", sagt Claudia Windt, Analystin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Insgesamt habe die Untergangsrhetorik deutlich abgenommen. Quelle: dpa
VertrauensproblemEin Grexit könnte weniger ein Ansteckungs-, als ein Vertrauensproblem für den Euro werden. "Ein Austritt Griechenlands dürfte den Euro merklich schwächen", sagt Bernd Krampen, Analyst bei der NordLB. Davon würde zwar die heimische Exportwirtschaft profitieren, gesamtwirtschaftlich wäre der Vertrauensverlust allerdings problematisch. Quelle: REUTERS
Grexit oder Graccident Quelle: Marcel Stahn

Man findet in den Straßen von Perama schwerlich jemanden, der für ein Sparpaket stimmen würde. Stattdessen sprechen sie von Würde, die die linke Regierung den Griechen zurückgegeben habe. Wie weit die Gläubiger den Unterhändlern in den Verhandlungen entgegengekommen sind, weiß hier keiner. Nur die einfachen Botschaften der Syriza dringen durch.

Deswegen herrscht trotz versiegender Geldautomaten kaum Panik. Ruhig stehen die Menschen vor den Geldautomaten an, die täglich nur noch 60 Euro ausspucken. Für die allermeisten Griechen ist das mehr als genug; Renten und Gehälter waren am Freitag vor der Eskalation zumeist pünktlich auf den Konten. Die Straßencafés in Athen sitzen voll, man plaudert.

An Griechenland hängt mehr als nur der Euro

Normales Leben auch auf den Inseln des Landes. „Noch haben wir keine Probleme, unsere Waren zu bestellen“, sagt die Kassiererin im Supermarkt in Gouves, einem kleinen Touristenort an der Nordküste von Kreta. Und wenn sich das in den nächsten Wochen ändern sollte, hätten sie die besten Orangen, Oliven und wunderbaren Wein doch ohnehin auf der Insel. Auch mit Kreditkarte können die Kunden in ihrem Laden weiterhin bezahlen. „Nur eins darf nicht passieren, dass die Touristen wegbleiben – das würde uns hart treffen.“ Doch Kreta-Urlauber bekommen von den Demonstrationen in Athen ohnehin nichts mit.

Die Einheimischen schon: Mietwagen-Verleiher Vasilis sitzt in seinem Büro vor dem Fernseher, wo der Livestream zur Krise läuft. Dauerbeschallung mit Tsipras, Merkel und Co. Nur den Ton hat Vasilis ausgeschaltet. „Ich kann es nicht mehr hören“, sagt er. „Die Politiker erzählen uns sowieso nicht die Wahrheit. Sie haben sich völlig vom Volk entkoppelt.“ Er sagt: „Wir brauchen den Euro. Deshalb werden mein Sohn und ich und unsere ganze Familie auch für Europa und den Euro abstimmen.“ Bis dahin arbeitet aber auch er unter verschärften Bedingungen: Kunden, die bar bezahlen, bekommen Rabatt.

Europa



Im Westen Kretas, in der Hafenstadt Chania, hat bereits eine Tankstelle an der Hauptstraße zur Altstadt geschlossen. Einige Kilometer weiter läuft der Tankservice zu den üblichen Preisen, aber: „Bis zur nächsten Woche nehmen wir nur Bargeld an, weil wir den Sprit gegen Bargeld einkaufen müssen“, sagt der Tankwart einer BP-Tankstelle.

„Die meisten Griechen spüren jetzt, wie sich ein Staatsbankrott anfühlt“, sagt der Athener Politikwissenschaftler George Tzogopoulos, bislang sei das ja alles nur Theorie gewesen. Dadurch werde die Abstimmung über das Sparprogramm zu einer Abstimmung für oder gegen den Euro – und da sei die Mehrheit der Griechen entschieden für den Euro. Er sei daher optimistisch, dass Griechenland am Ende doch noch zur Vernunft zurückfinde.

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