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Griechenland Nobelpreisträger fordert Parallelwährung für Athen

Schäuble warnt vorm Grexit, Tsipras bekniet Juncker: Die Schlinge um den Hals der Griechen wird immer enger. Jetzt schlägt Wirtschaftsnobelpreisträger Christofer Pissarides Griechenland eine Parallelwährung vor.

Zwei griechische Euro-Münzen neben einer historischen Drachme-Münze. Quelle: dpa

Um seine dramatischen Geldprobleme zu lösen, könnte Griechenland nach Ansicht des Wirtschaftsnobelpreisträgers Christofer Pissarides eine Parallelwährung einführen, ohne aus der Eurozone austreten zu müssen. Dies schlug Pissarides in einem Gespräch am späten Donnerstagabend im griechischen Fernsehen (NERIT) vor. Dies wäre „eine Notlösung“, für den Fall, dass der griechische Staat in nächster Zeit die Löhne und Renten nicht mehr in vollem Umfang zahlen könne.

„Der Staat könnte eine bestimmte Art von Wertpapieren ausgeben, die der Anfang einer neuen (Parallel)-Währung werden könnte“, sagte der Nobelpreisträger. Der aus Zypern stammende Pissarides hatte 2010 den Wirtschaftsnobelpreis erhalten. Die Diskussionen über einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone sind zuletzt angesichts der Gefahr einer Staatspleite wieder heftig aufgeflammt.

Schäuble schließt "Grexit" nicht aus

So hatte zuletzt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble einen ungeplanten, unfallartigen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone für möglich erklärt. Darin stimme er mit seinem österreichischen Amtskollegen Hans Jörg Schelling überein, sagte er am Donnerstagabend in einem Fernsehinterview des ORF. "Da ja die Verantwortung, die Möglichkeit, zu entscheiden was passiert, nur bei Griechenland liegt, und da wir nicht so genau wissen, was die Verantwortlichen in Griechenland tun, können wir es nicht ausschließen", sagte er am Rande eines Besuchs in Wien.

Von Grexit bis Graccident - die wichtigsten Begriffe zur Schuldenkrise

Die griechische Regierung kämpft in Gesprächen mit Fachleuten der EZB, der EU-Kommission und des Internationalen Währungsfonds (IWF) um deren Zustimmung zu ihren jüngsten Reformplänen. Davon hängt ab, wie schnell die Finanzminister der Euro-Länder ausstehende Hilfsgelder aus dem Rettungsprogramm freigeben. Die Regierung in Athen steht unter Druck, weil sie ihre Schulden weiter bedienen muss.

Schäuble sagte, Griechenland können nur dann weitere Gelder erhalten, wenn sich der Mittelmeerstaat an die Vereinbarungen mit seinen Gläubigern halte. "Europa bleibt bereit, Griechenland zu helfen, aber Griechenland muss sich helfen lassen. Das Problem ist nicht dadurch zu lösen, dass man andere zu Sündenböcken macht."

Aus diesem Grund trifft Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras am Freitag in Brüssel führende EU-Politiker zu weiteren Krisengesprächen. Der Regierungschef und Vorsitzende der Linkspartei Syriza will unter anderem mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker erörtern, wie sein Land europäische Fördergelder zur Bekämpfung der sozialen Folgen der schweren Schuldenkrise nutzen kann.

EU-Kommission hofft auf Details zur griechischen Wirtschaft

Die EU-Kommission wiederum erhofft sich von Tsipras detaillierte Informationen zur Finanzlage Griechenlands und zu den konkreten Reformplänen. Letztere sind Voraussetzung für die Auszahlung weiterer Milliardenhilfen.

Die wesentliche Beschlüsse der Eurogruppe zu Griechenland

Ausführliche Informationen zum Inhalt und zu möglichen Ergebnissen der Gespräche werden nicht erwartet. Juncker spielt in der Griechenland-Krise vor allem eine Vermittlerrolle. Bindende Entscheidungen über Finanzhilfen treffen die Vertreter der nationalen Regierungen in der Eurogruppe.

Sie hatten Ende Februar vereinbart, das mittlerweile bereits zweite große Hilfsprogramm für Griechenland bis Ende Juni zu verlängern. Frisches Geld soll es aber nur dann geben, wenn die Regierung in Athen Reform- und Sparauflagen einhält.

Neben Juncker trifft Tsipras in Brüssel den Präsidenten des Europaparlaments, Martin Schulz. Der deutsche SPD-Politiker ist wie der Kommissionschef vor allem Moderator im Schuldenstreit. Schulz war im Januar nach dem Wahlsieg der Linken als erster ranghoher EU-Politiker nach Athen gereist.

"Griechenland bekommt keine Extra-Wurst"

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Bei einem Besuch der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris hatte Tsipras am Donnerstag versucht, Sorgen über eine möglicherweise drohende Staatspleite seines Landes zu zerstreuen. „Griechenland ist in der Lage, seine finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen“, sagte er.

Unionsfraktionschef Volker Kauder betonte, dass die griechische Regierung jetzt ihr Programm zur Erfüllung des laufenden zweiten Hilfspakets vorlegen müsse. „Allein darauf sollten wir uns jetzt konzentrieren. Die Debatte um ein drittes Paket wird für mich völlig zur Unzeit geführt“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

Sonderregelungen für Athen werde die Union nicht akzeptieren. „Griechenland bekommt keine Extra-Wurst.“

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